Das aktuelle Wetter Essen 17°C
Hitler-Plakate

Straßenstreit in Essen - Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf

17.01.2013 | 00:09 Uhr
Straßenstreit in Essen - Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf

Essen.  Im Rüttenscheider Straßenstreit machen die Anhänger einer Umbenennung jetzt sehr zugespitzt auf ihr Anliegen aufmerksam: Am Mittwoch hat die Initiative Irmgard und Ortrud begonnen, 250 Hitler-Plakate im Bezirk aufzuhängen. Keineswegs wolle man aber die Gegenseite in die rechte Ecke stellen.

Im Straßen-Wahlkampf von Rüttenscheid gibt es eine neue Eskalationsstufe: Am Montag hat die Initiative ProVon angekündigt, mit einem Flugzeug für ihr Anliegen zu werben, die Straßennamen Von-Seeckt und Von-Einem beizubehalten. Am Mittwoch nun begann die Initiative Irmgard und Ortrud, 250 Hitler-Plakate im Bezirk aufzuhängen – aus rein aufklärerischen Gründen.

250 dieser Hitler-Plakate hängen nun in Essen.

So will es jedenfalls Günter Hinken verstanden wissen, der tatsächlich nicht im Ruf eines Populisten steht. Als Anwohner und Historiker gehe es ihm vielmehr darum, die Frage zu beantworten, ob die beiden auf den Straßenschildern verewigten Generäle nur harmlose Monarchisten waren, wie es die Gegenseite glauben machen wolle. Die plakative Antwort auf diese Frage lautet: „Von Seeckt stand – im wahrsten Sinne des Wortes – Hitler persönlich sehr nahe. Er war Vordenker der neuen Angriffsarmee und ist dafür von den Nazis gefeiert worden.“

Foto zeigt von Seeckt und Hitler

Als Belege dafür dienen ein Bild und ein Zitat, die beide der Hans von Seeckt-Biographie von Friedrich von Rabenau entnommen sind: Das Foto zeigt von Seeckt und Hitler 1936 beim Herbstmanöver bei Illnhausen. Das Zitat stammt von 1923, damals äußerte von Seeckt nach einer Begegnung mit Hitler: „Im Ziele waren wir uns einig, nur der Weg war verschieden.“

Straßen-Umbenennung
Straßen-Wahlkampf im doppelten Sinne beginnt

Für die Initiativen „Irmgard und Ortrud“ und „Pro Von“ startet die heiße Phase vor dem Bürgerentscheid am 3. Februar. Die Stadt verschickt zu Beginn...

Auf dem Plakat ist freilich nur der erste Teil des Satzes zu lesen, doch Hinken weist den Vorwurf der Verzerrung zurück. „Ein Plakat muss pointiert sein. Es geht uns hier nicht um Polemik; wir wollen Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und laden die Bürger ein, die zugespitzte Darstellung zu überprüfen.“ Gelegenheit dazu gebe es bei einer Info-Veranstaltung am Dienstag im Maria-Wächtler-Gymnasium.

"Die ganze Geschichte erzählen"

Dort werde mehr zu hören sein über die gemeinsamen Ziele von Hitler und von Seeckt. Der Bürgerentscheid werde von allen mit viel Aufwand betrieben, sagt Hinken. „Da wollen wir auch die ganze Geschichte erzählen.“ So hat sich der Historiker Thorsten Noack, der an der Von-Seeckt-Straße lebt, mit dem Schicksal der jüdischen Anwohner der Straßen befasst. „Wir finden, es zeugt von wenig Sensibilität gegenüber den Opfern der NS-Zeit, wenn die Straßen weiter nach Menschen heißen, die den Weg der Mörder an die Macht bereitet haben.“

Ruhrgebiet
Kuriose Straßennamen - wo man in Duisburg die Mafia findet

Das Ruhrgebiet ist nicht nur reich an Bergbaudenkmälern, sondern auch an phantasievollen Straßennamen. Doch Busenbergstraße und Spannerweg sind nur...

Wichtig ist Noack wie Hinken, dass es keineswegs darum gehe, die Gegenseite in die rechte Ecke zu stellen. Darum habe man die ProVon-Initiative vorab über das Plakat informiert. Man habe selbst lange über das Motiv diskutiert, sich aber durch das Beispiel Münster ermutigt gefühlt: Dort hatte ein Bürgerentscheid die Umbenennung des Hindenburgplatzes bestätigt – zuvor hingen in der Stadt Plakate, die Hindenburg und Hitler zeigten.

Trotz der plakativen Provokation glaubt Hinken: „Wenn die Straßen erst wieder ihre ursprünglichen Mädchennamen tragen, werden bald alle damit zufrieden sein.“

Christina Wandt

Kommentare
17.01.2013
19:46
Straßenstreit in Essen - Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf
von KomischDasAlles | #64

Also mit der Nazikeule hatte ich nie Probleme.

Funktionen
Aus dem Ressort
Wie Taxi-Chefs den Mindestlohn dreist umfahren
Mindestlohn
Bei der Gewerkschaft Verdi gibt es erste Hinweise auf Verstöße gegen den Mindestlohn im Essener Taxi-Gewerbe. Demnach sollen Unternehmer tricksen.
Neuer Treff für die Trinker- und Drogenszene in Essen
Trinkerszene
Die Stadt Essen und die Sozialverbände haben sich auf einen Standort geeinigt, wohin die Szene vom Willy-Brandt-Platz verdrängt werden soll.
Sparkurs bei der Evag: Essen braucht gemeinsames Aufbäumen
Kommentar
Das Foto der verzweifelten Evag-Fahrerin bei der Mai-Kundgebung bewegte viele. Nicht nur die Evag-Spitze wirkt angesichts der Finanzkrise ratlos.
Wie eine imposante Moschee in Essen-Altendorf entsteht
Moschee
Zum Frühlingsfest führte die Gemeinde „Ditib Essen Merkez Moschee“ in Altendorf durch den halb fertigen Rohbau. Kosten sind um 30 Prozent gestiegen.
1. Mai in Essen: Polizei-Taktik soll Rechte bevorzugt haben
Demonstration
Nach dem größten rechtsextremen Aufmarsch der letzten Jahre am 1. Mai in Essen muss sich die zuständige Polizei viel Kritik an ihrem Vorgehen anhören.
Fotos und Videos
8. Oldtimertreff des ACK
Bildgalerie
Motorsport
Willkommen rund ums Schloss
Bildgalerie
1. Hugenpoeter Parktage
Herz-Kreislauf in Essen
Bildgalerie
Benefizlauf
article
7490498
Straßenstreit in Essen - Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf
Straßenstreit in Essen - Initiative hängt 250 Hitler-Plakate auf
$description$
http://www.derwesten.de/nrz/staedte/essen/initiative-haengt-250-hitler-plakate-auf-aimp-id7490498.html
2013-01-17 00:09
Straßenstreit, Essen, Umbenennung, Hitler, Plakate
Essen