Gehälter Essener Stadttöchter werden geprüft
19.10.2011 | 20:02 Uhr 2011-10-19T20:02:00+0200
Essen.Die Politik will bis März das Gehaltsgefüge in den oberen Etagen der städtischen Tochterfirmen neu sortieren lassen. Möglicher Wildwuchs soll durch klare Strukturen ersetzt und die Angemessenheit von Entlohnung gerechtfertigt werden.
Die einen bekamen im eigenen Hause üppige Kredite zu günstigen Konditionen, die anderen gerade mal den Kaffee für lau, aber selbst derlei Kinkerlitzchen hielt man vor gut 20 Jahren sicherheitshalber geheim, um die Öffentlichkeit mit Interna aus den städtischen Tochterfirmen „nicht unnötig scheu“ zu machen.
Wie sich die Zeiten ändern: Heute stehen selbst die Gehälter der Geschäftsführer für jeden Bürger nachlesbar im Beteiligungsbericht – aufgeteilt nach festen und variablen Bestandteilen und ergänzt um den Hinweis, ob Pensionszusagen vorliegen oder der Betreffende womöglich einen Dienstwagen fährt.
Die neue Transparenz, gepflegt seit Anfang vergangenen Jahres, hat aber nicht nur alte Fragen beantwortet, sondern auch neue aufgeworfen: Etwa die, ob es wirklich sein muss, dass der Oberbürgermeister allenfalls im Mittelfeld des Gehaltsgefüges auftaucht, während das Spektrum der städtischen Beteiligungsunternehmen zwischen den 336.848 Euro und 68 Cent des Stadtwerke- und EVV-Chefs und den 70.966 Euro und 99 Cent für den Geschäftsführer der Suchthilfe Direkt Aufgaben und Verantwortung halbwegs gerecht abbildet.
Keinem was wegnehmen?
Warum darf ein Chef der Wirtschaftsförderung noch seine alten Firmen abwickeln? Warum sichert eine Auffang-Klausel in städtischen Diensten der EMG-Chefin ein beamtengleiches Auffangnetz? Und welche Extrawurst wird wem warum sonst noch gebraten?
Es wäre, da war sich der Rat der Stadt am Mittwoch einig, an der Zeit, das Gehaltsgefüge von Geschäftsführern und leitenden Ebenen im „Konzern Stadt“ einer gründlichen Prüfung zu unterziehen, um möglichen Wildwuchs durch klare Strukturen zu ersetzen und die Angemessenheit von Entlohnung rechtfertigen zu können.
„Wir wollen keinem etwas wegnehmen“, so versuchte Harald Hoppensack im Namen der Sozialdemokraten, die den Antrag eingebracht hatten, vorab zu beruhigen. Doch schon mit diesem Halbsatz provozierte er Widerspruch: Man werde sich schon entscheiden müssen, „wohin die Reise geht“, mahnte etwa Udo Bayer vom Essener Bürger Bündnis, „rauf oder runter“?
Auch Hiltrud Schmutzler-Jäger von den Grünen warnte vor allzu blauäugigen „Branchenvergleichen“, die die Genossen da anstellen wollen, denn womöglich fordert der eine oder andere mit Blick auf die Konkurrenz in Nachbarstädten dann noch einen Nachschlag?
Und überhaupt liegt der Teufel im Detail: Woran bemisst sich die erfolgreiche Arbeit (und damit eine denkbare Erfolgstantieme) bei der Suchthilfe? Woran bei den Entsorgungsbetrieben? Der Messe? Gibt es die beklagte Asymmetrie nicht auch in der Kernverwaltung selbst? Und wer wäre bereit, die von manchem gestern angeprangerten „Scheinprivatisierungen“ im städtischen Portfolio rückgängig zu machen?
Ursprünglich wollte die SPD bis zur Ratssitzung im November ein Konzept der Verwaltung, das den Betroffenen – auch gemessen am Gefüge untereinander – gerecht wird. Eines, das zugleich die schnell bei der Hand befindlichen Vorwürfe von Selbstbedienungs-Mentalität im Keim erstickt. Anpassen, abstimmen, schrittweise nachprüfbar machen, das sei okay, fand Thomas Kufen von der CDU, aber binnen weniger Wochen? Auch der für die städtischen Beteiligungen zuständige Kämmerer Lars Martin Klieve winkte von vornherein ab: nicht zu schaffen.
Jetzt peilt auch die SPD den März an, um die Gehaltstabellen zu durchforsten und verbindliche, allgemein gültige, gerechte Kriterien festzulegen. Darauf erst mal einen Bürokaffee, selbst bezahlt, versteht sich.
10:58
wo bleibt zwegat?
08:41
Warum braucht der Chef der EVAG ein Auto? Der kann doch kostenfrei mit seinem Mitarbeitern fahren...