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Ermittlungsverfahren

Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert

31.07.2012 | 12:00 Uhr
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert

Essen.  An der Diskotür hört David Maddocks regelmäßig den Spruch "Du kommst hier nicht rein", im Geschäft verdächtigt man ihn des Ladendiebstahls – und die Polizei hat den 20-Jährigen Erzieher auch ständig im Visier. Der junge Mann mit kolumbianischen Wurzeln versteht die Welt nicht mehr. Er fühlt sich wegen seiner Hautfarbe diskriminiert.

Dass er an der Diskotür abgewiesen wird, daran hat sich David Maddocks gewöhnt. Im Geschäft vor den anderen Kunden als Ladendieb verdächtigt zu werden, das sei deutlich unangenehmer gewesen, sagt der 20-Jährige aus Haarzopf. Was ihn komplett fassungslos macht, „sind die ständigen Polizeikontrollen, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin“. Kürzlich lag dann Post vom Polizeipräsidium im Briefkasten: ein Ermittlungsverfahren wegen Waffenbesitzes. Und er fragt sich inzwischen: „Liegt das an meiner dunklen Hautfarbe?“

Sieht er eine Streife, „weiß ich, dass ich dran bin“, sagt der 20-Jährige, der aus Kolumbien stammt und mit zwei Jahren adoptiert worden ist. Fährt er am Wochenende vom Feiern nach Hause, winken die Beamten ihn heraus, erzählt er. Freundin Julia Linde (21) nickt. Ob in Borbeck, Stadtmitte, Holsterhausen oder Haarzopf. Seinen Freunden passiere das nie. Die Prozedur sei immer die gleiche: „Der Wagen wird komplett durchsucht.“ Er werde gefragt, ob er Drogen genommen habe. Verneint er, „bohren die Beamten immer weiter“.

Taschenmesser war Geschenk zum neunten Geburtstag

Als seine Mutter jetzt die Anhörung des Polizeipräsidiums las, platze ihr der Kragen. Der Vorwurf ist eine Ordnungswidrigkeit, weil die Polizei ein Messer im Kleinwagen ihres Sohnes fand. Renate Maddocks ist überzeugt, „hätte das Taschenmesser, das ich David zum neunten Geburtstag schenkte, bei mir im Auto gelegen, hätten sie darüber hinweggesehen“. Wahrscheinlich wäre sie erst gar nicht angehalten worden: „Noch nie habe ich einen Alkoholtest machen müssen, mein Sohn acht Mal.“ Ihr Ältester fuhr früher zum Fechten: „Mit drei Degen im Auto, passiert ist nichts.“

Das Messer wurde sicher gestellt, obwohl David Maddocks, der als Erzieher im Anerkennungsjahr in einer Kita arbeitet, beteuerte, dass er Äste zum Basteln im Kindergarten habe abschneiden wollen. Zudem habe das Messer im Rucksack auf der Rückbank gelegen. „Manchmal fühle ich mich wie ein Schwerverbrecher.“ Für seine Mutter grenzt das an Schikane.

Gesetze oft unbekannt

Keinesfalls, sagt Kommissar Tim Pfeiffer, der den Fall bearbeitet hat: „Das ist das Waffengesetz .“ Weil es sich bei dem Messer nicht um ein Taschenmesser, sondern um ein Einhandmesser handele. Heißt: Es lasse sich mit einer Hand öffnen. Die mit sich zu führen ist nicht erlaubt. Gleiches gelte für feststehende Messer mit einer Klingenlänge über zwölf Zentimeter, erklärt Pfeiffer, der die Verwunderung der Bürger durchaus kenne, weil die Gesetze oft unbekannt seien.

Was die Kontrollen betrifft, versteht Polizei-Sprecher Raymund Sandach den Unmut. Gibt aber zu bedenken, dass bei der Polizei Maßnahmen gegen Rauschgift-Dealer laufen , das seien häufig Schwarzafrikaner und Libanesen. Dass man da mit dunkler Hautfarbe ins Visier gerate, könne Pech sein.

Der 20-Jährige hat resigniert

David Maddocks wird auch sein Geburtstagsgeschenk nicht zurückerhalten: Es wird vernichtet. Der 20-Jährige hat resigniert, statt Widerspruch einzulegen. Er hat 35 Euro Verwarngeld überwiesen. Ginge es nach seiner Mutter, wären sie vor Gericht gegangen: „Dann hätte das Messer gezeigt werden müssen.“ Ihr Sohn konzentriert sich lieber auf seine anstehende Zeit in Kolumbien: „Als einer unter vielen.“

Dominika Sagan



Kommentare
31.07.2012
16:21
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Name von Moderation entfernt | #35

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31.07.2012
16:19
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von captainkawa | #34

Mann oder Memme?

31.07.2012
16:15
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von Hardisch | #33

Die Kontrollen sind ein leidiges Thema. Als ich neulich mit dem Zug aus Italien kam, stiegen an der deutschen Grenze gleich die Jungs in Blau ein und haben alle Ausländer kontrolliert. Deutsche mit Waffen, Falschgeld, Drogen oder was auch immer, seien sie denn an Bord gewesen, sind ungeschoren davon gekommen. Sinnvoll? Kann man drüber streiten. Ich habe aber bei Polizeikontrollen, die mir eher aus Gründen der Hautfarbe erfolgt zu sein schienen, immer das Gespräch mit den Vorgesetzten der Streifen gesucht, was sich als durchaus fruchtbar erwiesen hat. Sollte man machen, denn die Beschwerdestellen der Polizei mögen den Rassismus Vorwurf gar nicht. Mann sollte diese Möglichkeiten nutzen.

31.07.2012
16:10
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2 Antworten
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von Belenes | #32-1

Och, die haben das immer.

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31.07.2012
16:08
Schelcht gelogen von dem armen Opfer
von WhitestarDTM | #31

Man darf jedes Messer ausserhalb öffentlicher Veranstaltungen mitführen, halt nur nicht OFFEN, also jederzeit Griff-/Einsatzbereit. Bin Brotmesser (20cm Klinge) in Rucksack oder Picknickkorb führt nicht zum Einbehalt durch die Polizei. Nur mal im Wffg lesen und schon erkennt jeder wer hier lügt...

31.07.2012
16:05
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31.07.2012
15:53
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von Belenes | #29

Bevor sich alle weiter aufregen, ich befürchte, dass es um Grundfragen geht.
Das Opfer im Beitrag beschwert sich darüber, dass er wegen seiner Hautfarbe angegriffen wird und sogar von den Exekutiven. Okay, ist blöd, sehr blöd, aber nicht zu ändern, in anderen Ländern ist man als "schwarzer" Typ sehr schnell noch weiter unten, siehe USA.
Wenn sowas passiert muss logischerweise im System was geändert werden. Was aber auch schlimm ist, ist, dass es immer mahnende Stimmen gibt die egal was passiert die Deutschen im eigenen Land als Rassisten bezeichnen und denen sogar das Recht (in der Verfassunf verankert) auf Meinungsfreiheit verbieten. Es gibt das Recht auf Meinungsfreiheit und auch, dass die Würde des Menschen nicht antastbar ist. Hier treffen beide Welten aufeinander und Menschen machen Fehler.
Schlimmer ist aber auch und das sehr deutlich, dass man einem Kind nach 77 Jahren Kriegsende bestimmte Sachen nicht mehr vermitteln kann, ohne es zum ewigen Kniefall zu verleiten.

31.07.2012
15:31
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von Belenes | #28

@ #27

Schlimm in Deutschland?
Andere Länder sind ganz anders. Und wenn es nicht passt, dann kann jeder gehen, er muss hier nicht leben. Er hat die freie Wahl, komisch nur, dass sie viele Mensche trotzdem es so schlimm ist her möchten.

1 Antwort
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von Groschmann | #28-1

Die Zahl der Zuwanderer nach Deutschland ist i den Jahren 2010 und 2011 sogar angestiegen. Soviel zu den pöhsen Deutschen.

31.07.2012
15:27
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von buntspecht2 | #27

Mal wieder so ein Mitbürger der ewig ungerecht behandelt wird ist schon schlimm hier in Deutscghland

31.07.2012
15:27
Essener fühlt sich wegen seiner Hautfarbe von der Polizei diskriminiert
von Belenes | #26

Nachtrag zum Thema im Allgemeinen...

Hat sich die Kirche jemals für die Missionierungen entschuldig, für Inquisitionen, falsche Urteile, Kindersex, Prügelstrafen usw.
Fehler gibt es auf allen Seiten, aber die Frage ist ob jemand sich entschuldigen kann.
Meine beiden "Krösuse" drohten noch, aber ne Entschuldigung kam nie.

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