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Essen will die Job-Center übernehmen

27.07.2010 | 19:52 Uhr
Essen will die Job-Center übernehmen
Foto: Oliver Müller

Essen.Die Stadt will bei der Betreuung der 27.000 Langzeitarbeitslosen das Sagen haben und bewirbt sich als Optionskommune. Die finanziellen Risiken hält die Verwaltung für „stemmbar“. 2,5 Millionen Euro würde die Übernahme der Job-Center kosten.

Es geht um etwa 80.000 Menschen, um viel Geld, vor allem um den Willen einer Kommune, die Dinge in den eigenen Mauern selbst zu bestimmen: Die Essener Verwaltungsspitze hat sich am Dienstag einmütig dafür ausgesprochen, die rund 27.000 Langzeitarbeitslosen mit ihren Familienangehörigen zwischen Kettwig und Karnap in Eigenregie zu betreuen, ohne die Agentur für Arbeit, und sich als „Optionskommune“ zu bewerben.

Oberbürgermeister Reinhard Paß und Sozialdezernent Peter Renzel stellten die Pläne vor. Um überhaupt das Rennen auf einen der 42 Optionsplätze aufnehmen zu können, muss der Stadtrat am 22. September 2010 mit Zwei-Drittel-Mehrheit der Vorlage zustimmen. Dass dies so kommen wird, davon geht Oberbürgermeister Reinhard Paß aus: „Ich bin nach den Gesprächen optimistisch.“ Er gehe von einer „wohlwollenden Prüfung“ seitens der Fraktionen aus. Die CDU begrüßte den Verwaltungsvorschlag bereits gestern in einer ersten Stellungnahme und sprach von einer „guten Zukunftschance“ für die Stadt.

„Langjährige Erfahrung bei der Eingliederung langzeitarbeitsloser Menschen“

Auch dem zweiten Schritt, der Genehmigung seitens des Landes Ende März 2011, sieht Sozialdezernent Peter Renzel optimistisch entgegen: „Wir haben in Essen eine langjährige Erfahrung bei der Eingliederung langzeitarbeitsloser Menschen. Das ist ein Netzwerk, um das uns andere Kommunen beneiden. Das lässt sich auch nicht so einfach aufbauen.“ Renzel bezieht sich dabei vor allem auf den bundesweit beachteten „Essener Konsens“, der es seit nahezu über zwei Jahrzehnten schafft, alle Beteiligten am Arbeitsmarkt, von IHK über Kreishandwerkerschaft, Bundesagentur, Stadt, Beschäftigungsträgern, Unternehmen, Kirchen, Sozialverbänden und Gewerkschaften in ein Boot zu holen, um über zusätzliche Projekte Menschen in Arbeit zu bringen. Auf diesen Konsens will die Stadt auch künftig verstärkt bauen.

Die finanziellen Risiken hält die Verwaltungsspitze derzeit für „stemmbar“. Rund 2,5 Millionen Euro würde die Übernahme der Job-Center kosten, 317 der derzeit 755 Mitarbeiter, die noch von Nürnberg geführt werden, müssten zur Stadt wechseln: „Die meisten Mitarbeiter haben damit keine Probleme.“

Allerdings, so Renzel, behalte sich die Stadt vor, aus der Bewerbung auszusteigen, sollte der Bund im Rahmen von Sparprogrammen den Kommunen weitere, heute nicht absehbare Kosten auflasten: „Das würden wir nicht mitmachen.“

Flexibler lokale Schwerpunkte setzen

Abgesehen von diesem finanziellen Restrisiko sieht die Stadt sonst nur die Vorteile einer Übernahme, die dann wohl zum 1. Januar 2012 erfolgen würde: „Wir können noch besser, noch flexibler arbeiten, lokale Schwerpunkte setzen, die Arbeitsmarktpolitik eigenverantwortlich steuern.“ Dazu nennt der Sozialdezernent zwei Zahlen: Während im ersten Halbjahr 2010 über vermittlungsorientierte Angebote bei 20.000 Vorschlägen nur 230 Personen vermittelt werden konnten, gelang dies der Stadt im bewerberorientierten Ansatz bei über 3500 Menschen. „Einmal abgesehen davon, dass da Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt werden, entlastet jeder Arbeitslose weniger die Stadtkasse“, sagt Renzel. Rund 160 Millionen Euro zahlt die Stadt jährlich allein an Miete und Heizkosten für die 40.000 Hartz-IV-Haushalte. 220 Menschen in Arbeit vermittelt – und die Stadt spart bereits eine Million Euro.

Hans-Karl Reintjens

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Kommentare
29.07.2010
20:36
Die Job-Center übernehmen
von Büsow | #8

Liebe Freunde,
es ist ein offenes geheimnis, wie bei der stadt essen gekungelt, gemauschelt und geschoben wird. es werden hohe herrschaften befördert, während die kleinen mitarbeiter geschasst werden. Nun hat sich am horizont ein vermeintlich weiterer geldtopf zu erkennen gegeben und es wird unverzüglich die hand danach gestreckt. meine prognose (die mit der oprtionskommune hatte ich ja schon vor längerer zeit :) ist die: Es werden neue Stellen für die hohen Herrschaften geschaffen, neue Abteilungen kreiert und wieder geschoben innerhalb des filzes das sich die balken biegen. Es ist unglaublich wie unverhohlen das alles funktioniert. Bald wird es dazu kommen, dass man die Bürger mit einbezieht beim sparen, weil die akzeptanz immer weniger wird für die Entscheidungsträger. Wenn ich aus dem Nähkästchen plaudern würde, würde man es kaum glauben können. Aber es ist leider Realität. Mit einem Lächeln sehe ich schon jetzt wohin die Reise führt. Nur noch Häuptlinge die die letzten kleinen Mitarbeiter die Herzblut geben auf dem Altar der persönlichen Verwirklichung opfern. Sodom und gomorra...

29.07.2010
13:48
Essen will die Job-Center übernehmen
von Haile Selassie I | #7

Eine Stadt, die ueber Jahre Misswirtschaft betrieben hat und die momentan eigentlich insolvent ist, soll jetzt die Verantwortung ueber soviel Geld und Menschen bekommen? Warum?

28.07.2010
17:25
Essen will die Job-Center übernehmen
von Mathe für Dummies | #6

27.000 Langzeitarbeitslose, aber 40.000 Hartz-IV-Haushalte. Kann ich also davon ausgehen, daß die ach so erfolgreichen [13.000] Vermittlungen in Arbeitsstellen dann doch nicht so tolle Vollzeitjobs sind ?

28.07.2010
14:24
Essen will die Job-Center übernehmen
von Evuck | #5

Wen interessiert ob die Mitarbeiter damit Probleme haben ? Hauptsache sie haben einen Job.. ihre Kundschaft muss schließlich auch jeden zumutbaren Job annehmen...

28.07.2010
12:55
Die Job-Center übernehmen
von bin_einer_davon | #4

Man kann beruhigt (oder doch eher beunruhigt?) davon ausgehen, dass #1 nicht weiß, was sich hinter dem Begriff Beamter wirklich verbirgt. Ich denke mal, da wird vermutet:
Rathaus Büro Mitarbeiter = Beamter

28.07.2010
12:25
Essen will die Job-Center übernehmen
von drberger | #3

Nachdem selbiges in Mülheim schon nicht richt funktiniert will Essen um jeden Preis mitmachen.
Da haben die Veratwortlichen nur wieder die Dollarzeichen in den Augen, vieleicht kann man von den Zuschüssen ja was abknapsen.

28.07.2010
07:39
Die Job-Center übernehmen
von XXRumpelstilzchenXX | #2

Bei der Agenur für Arbeit gibts so gut wie keine Beamten mehr, sondern nur Angestellte.
Also, lieber mal besser informieren !

28.07.2010
07:33
Die Job-Center übernehmen
von beamtenhasser | #1

317 der derzeit 755 Mitarbeiter, die noch von Nürnberg geführt werden, müssten zur Stadt wechseln: „Die meisten Mitarbeiter haben damit keine Probleme.“

HAHAHAHAHA das will ich sehen !

Als Bundesbeamter verdient man mehr und kann auch befördert werden, damit isses vorbei wenn die zur Stadt wechseln, als würde das einer freiwillig mitmachen !

Soviel zum Thema übrigens, jede 2. Stelle wird nicht wieder besetzt...

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