Essen hat das Klassenziel verfehlt
09.09.2010 | 14:26 Uhr 2010-09-09T14:26:00+0200
Essen.Die Bezirksregierung hat den Essener Ratsbeschluss zur Schulpolitik kritisiert - und verhindert die in Steele die Gemeinschaftsgrundschule. Die Ruhrauschule wird auslaufen und spätestens zum Ende des Schuljahres 2012/2013 endgültig aufgelöst.
Noch vor den Ferien sahen sich Essens Schulpolitiker am Klassenziel: In der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause am 30. Juni verabschiedeten sie die Pläne für eine neue Grundschul-Landschaft in Essen, mit zum Teil weitreichenden Folgen für zahlreiche der 88 Standorte zwischen Karnap und Kettwig (die NRZ berichtete). Allein, bei den Beschlüssen kamen der Essener Schulverwaltung Zweifel und so legte sie den Ratsbeschluss der Bezirksregierung vor, die ihn im Rahmen einer kollegialen „Beratung“ ins schulrechtliche Licht rückte. Zwar darf Düsseldorf in die Planung nicht eingreifen, doch das hinderte die Aufsichtsbehörde nicht daran, auf klare Vorgaben des Schulgesetzes und des NRW-Schulministeriums hinzuweisen – die unterm Strich die Versetzung gefährden.
So wird es definitiv keine Gemeinschaftsgrundschule in Steele geben. Die Ruhrauschule wird auslaufen und spätestens zum Ende des Schuljahres 2012/2013 endgültig aufgelöst. Aus der geplanten Fusion mit der katholischen Laurentiusschule wird nichts, da die Ruhrauschule die „Anforderungen an einen geordneten Schulbetrieb gemäß Schulgesetz NRW nicht mehr erfüllt“, so die Bezirksregierung. Wer künftig in Steele-Mitte keinen Wert legt auf eine Erziehung im katholischen Glauben, wird an die Grundschule im Steeler Rott oder am Morungenweg in Freisenbruch verwiesen. Das in Essen so oft bemühte Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“ gilt hier allerdings nicht mehr.
Klares Veto
Im Schulausschuss, der sich gestern mit der Ruhrauschule befasste, nahm man das Aus eher beiläufig hin. Die Grünen setzten zwar mit der SPD durch, dass die Stadt prüft, ob die katholische Laurentiusschule stattdessen mit der Schule im Steeler Rott eine Einheit bilden könnte. Doch die Schulverwaltung machte auch hier klar: Zwei intakte Schulen einfach mal so zusammenzulegen, das wird ohne die ausdrückliche Zustimmung der Eltern nicht gehen. Und ohne die werde Düsseldorf ein klares Veto einlegen.
Die Kritik-Liste der Bezirksregierung ist auch so schon lang genug. So hatte der Rat den Vorschlag der Schulverwaltung abgelehnt, sechs Standorte nur noch als „Zwergschulen“ mit einer Klasse pro Jahrgang zu führen. Die Politik will die Herderschule, die Kraienbruchschule, die Walter-Pleitgen-Schule, die Dürerschule, die Herbartschule und die Heckerschule weiterhin zweizügig laufen lassen. Hier weist die Bezirksregierung klar auf die dafür notwendigen Schülerzahlen hin: Bei weniger als 36 Kindern „ist grundsätzlich nur die Bildung einer Klasse möglich. Die Schulleitung hat in diesem Fall dafür Sorge zu tragen, dass lediglich 30 Kinder aufgenommen werden“. Ohnehin müsse die Kommune darauf achten, dass „Klassen nach den Vorgaben des Ministeriums gebildet werden können“. Und die sehen „lediglich Lehrerstellen im Verhältnis von einer Stelle zu 24 Schülern“ vor, auf kleinere Klassen könne das Schulamt personell nur eingeschränkt reagieren. Die Einzügigkeit von „Zwergschulen“ hält die Aufsichtsbehörde deshalb für ein probates Mittel gegen den Schülerschwund.
Keine Probleme hat die Bezirksregierung dagegen mit den Plänen, die Herderschule und die katholische Elisabethschule zu einer Grundschule Frohnhausen zusammenzuführen. Hier stimmt sie dem Essener Ratsbeschluss zu, merkt aber an, dass die Politik etwas vorschnell von einer „Gemeinschaftsgrundschule“ ausgeht – ohne den Elternentscheid abzuwarten.
18:27
Der Westen verfehlt auch regelmäßig das Klassenziel Rechtschreibung.
Wer im Glashaus sitzt.....