Buchenwäldchen in Essen soll zum Schutz eingezäunt werden
22.06.2012 | 09:45 Uhr 2012-06-22T09:45:00+0200
Essen. In Schönebeck sehen Politik und Stadt keine andere Möglichkeit, ein Naturschutzgebiet zu schützen, als es einzuzäunen. Auf rund 1,4 Millionen Euro wird der „Naturschutzwert“ des Wäldchens am Ende des Kamptals geschätzt - doch Spaziergänger mit und ohne Hund, Dirtbiker und spielende Kinder haben den Buchen zugesetzt.
Auf den ersten Blick sieht das Schönebecker Buchenwäldchen aus wie ein ganz normales kleines Stück Wald. Naturfreunde, die sich mit Bäumen besser auskennen, geraten beim Anblick der Stämme jedoch ins Schwärmen: Über 40 Buchen dürften bereits älter sein als 130 Jahre, seltene Fledermäuse und Höhlenbrüter finden hier ein Versteck. Auf rund 1,4 Millionen Euro wird der „Naturschutzwert“ des Wäldchens am Ende des Kamptals geschätzt, unweit der Heißener Straße. „Ein einzigartiger Buchenwald, den es so in Essen nicht ein zweites Mal gibt“, heißt es bei Grün und Gruga. Doch das Kleinod ist in akuter Gefahr: Spaziergänger mit und ohne Hund, Dirtbiker, spielende Kinder – sie haben den Buchen so sehr zugesetzt, dass alle, die sich mit dem Konflikt beschäftigen, keinen anderen Ausweg sehen: Die Natur kommt hinter einen stabilen Gitterzaun, mit einbetonierten Pfosten, zwei Meter hoch.
Ein Wald wird eingezäunt? „Es geht nicht anders, sonst müssen die Bäume gefällt werden“, bekräftigt Bezirksbürgermeister Helmut Kehlbreier (SPD), der sich dabei auf ein neues Gutachten beruft, das bei einer Bürgerbegehung am Mittwochabend rund 40 Essenern vorgestellt wurde. Wobei dies nicht nur eine Frage des Naturschutzes ist: Buchenäste neigen extrem dazu, ohne Vorwarnung abzubrechen. Bei einem Unfall haftet jedoch die Stadt, bei ihr liegt die Verkehrssicherungspflicht, daran lässt die aktuelle Rechtsprechung keine Zweifel, sagt Bernd Schmidt-Knoop, zweiter Betriebsleiter bei Grün und Gruga: „Wir müssen handeln.“ Die intensive Freizeit-Nutzung erhöhe nur die Gefahr: Der Boden unter den Bäumen sei so sehr verdichtet, dass es die Buchen lange nicht mehr aushalten werden, junges, nachwachsendes Grün habe ebenfalls keine Chance: „Das wird leider alles niedergetrampelt.“ Mit Naturschutz in einem dafür ausgewiesenen Gebiet habe dies nichts mehr zu tun.
„Das soll in Schönebeck schon ein Einzelfall bleiben“
„Wir befürworten deshalb den im Gutachten vorgeschlagenen Zaun“, sagt SPD-Ratsfrau Daniela Kämper. „Im Naturschutzgebiet hat außer den dort lebenden Tieren und Pflanzen niemand etwas zu suchen.“ Auch Grünen-Bezirksvertreter Thorsten Drewes sieht keine andere Chance: „Am Zaun führt kein Weg vorbei.“ Dies sei im Kamptal eine ganz besondere Situation: „Wir können jetzt natürlich nicht unsere Wälder einzäunen, das will auch keiner“, betont Rolf Fliß, umweltpolitischer Sprecher der Grünen. „Das soll in Schönebeck schon ein Einzelfall bleiben.“
Das würde auch recht teuer: Auf rund 50.000 Euro werden die Kosten für den Zaun rund um das Buchenwäldchen taxiert, das etwa ein Drittel des Naturschutzgebietes Kamptal ausmacht. An einem angrenzenden Maisfeld muss die Stadt dazu noch ein kleines Grundstück erwerben, damit zwischen Zaun und letztem Baum eine sechs bis sieben Meter freie (Fall-)Fläche für abbrechende Äste bleibt. Der Zaun, auch darüber waren sich bei der Bürgerbegehung alle einig, soll sehr massiv ausfallen: „Alles andere wird durchlöchert, zerstört oder sogar geklaut.“
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01:18
Ach ja, mal wieder Fliß und Co........
In wie weit Hunde und deren Besitzer den Bäumen zugesetzt haben, erschliesst sich mir beim besten Willen nicht.
Bei den Bikerhorden jedoch schon.
Werden mal wieder alle über den Kamm geschert, ist doch Herr Fliß nicht gerade als Hundeliebhaber bekannt.
Und wieder siegt die Polemik..........
19:43
Ach watt war datt früher schön doch in Assindia! Watt konnten wir inne 50er alles machen. Auch die Erwachsenen. Und datt Wäldchen kenn ich von damals auch, obwohl ich doch nicht dabei wohne. Egal, Zaun drum! Aber wie kommt denn nun das Wild in den Wald, ich kenn zwar Kneipen, The flying Pig, Der fliegende Hirsch, Flatternder Hase usw., aber gesehen habe ich von denen noch keinen.
13:54
Dieses Zitat sagt nicht das geringste über langfristige Entwicklungen(100 jahre +) aus,darüber gibt es schlichtweg keinerlei Daten.
Nicht immer steht in Wikipedia alles zu einem Thema und nicht immer ist der Eintrag zu 100% korrekt oder beleuchtet jeden Blickwinkel...
11:54
#6:
Zitat WIKIPEDIA: . "Die Baumart Rotbuche zeichnet sich durch sehr starken Schattenwurf der Baumkrone, geringe Lichtbedürftigkeit der Keimlinge und Jungpflanzen sowie sehr rasches Jugendwachstum aus und ist dadurch auf ihr zusagenden Standorten beinahe allen anderen Baumarten konkurrenzüberlegen. Buchenwälder sind dadurch in vielen Fällen arm an Begleit- und Mischbaumarten. Selbst in Regionen und auf Standorten, an denen die Rotbuche an der Grenze ihrer physiologischen Lebensmöglichkeiten wächst, können sich noch reine Buchenwälder finden. Viele Mischwälder mit Rotbuchen-Beteiligung verdanken ihre Existenz dem Menschen." Zitat Ende !!!
11:45
Im Prinzip hat der Vortrag von G&G auf der Bürgerversammlung gezeigt, dass es um die Dirtbiker und um Spaziergänger mit Hunden geht.
Das Problem Dirtbiker will man nicht ernsthaft verfolgen. Denn so schwierig wäre das gar nicht, wenn man nur wollte.
Und wenn dann - wie geschehen - ernsthaft behauptet wird, dass ein paar Hunde, die einem geworfenen Stöckchen nachjagen, für das Absterben der Buchen wg. Bodenverdichtung verantwortlich sind, dann ahnt man, worum es den Verantwortlichen im Kern wohl wirklich geht.
Wer sich vor Ort auskennt, der weiß aus täglicher Beobachtung, dass die Spaziergänger dem Pächter des Maisfeldes ein Dorn im Auge sind. Und die Behauptung, dass Spaziergänger mit und ohne Hund so hochfrequent zwischen den buchen umherlaufen, dass diese zum Sterben verurteilt sind, ist ebenso absurd wie hysterisch!
11:14
#3
"Würde man den Wald sich selbst überlassen hätten wir nur noch die Buche"
Was für ein Unsinn....
Das mag die ersten 20 Jahre stimmen da die Buche der am schnellsten wachsende Laubbaum ist und daher ideal für Monokulturen...
Aber innerhalb von maximal 50 Jahren würde sich ein Mischwald durchsetzen.
Das muss langfristig gesehen werden...Natur hält sich weder an Wahlperioden noch an rechte Winkel auch wenn die "natur muss "geplegt" werden" Fraktion sich das immer noch,in typischer 70er jahre Ideologie immer noch einbildet...
Gleiches gilt vermutlich wenn wieder Wölfe in NRW einwandern.
Die werden vermutlich auch als "Gefahrenquelle" abgeschossen weil ja nicht sein kann was nicht sein darf...
Das Gebiet einfach mal 50-100 Jahre in Ruhe lassen und alle mit einem Geodreieck arbeitenden "Naturexperten" Lügen strafen,denn die Natur hat schon so manchen "Experten" überascht,,,,
Aber so etwas geht natürlich nicht,denn dann stellt dieses Gebiet ja keinen "Wert" dar.
11:10
Mir drängt sich die Frage auf, warum es da überhaupt eine Diskussion drüber geben muss. Unsere Mitmenschen können sich nicht an Regeln halten und das einzige halbwegs sichere Mittel (irgendwer wird auch schon über den Zaun klettern, weil er da mal dringend etwas kaputt machen muss) ist der Zaun. Was in Dreiteufelsnamen kann in diesem Waldstück so wichtig sein, dass die Menschen dort weiterhin Zugang haben müssen? Der restliche Wald ist doch weiterhin frei und kann munter bewandert werden.
10:53
Soso, in einem Naturschutzgebiet hat lt. SPD-Ratsfrau Kämper also kein Mensch etwas zu suchen. Das ist mir neu. Wo steht das eigentlich geschrieben?
Im Übrigen ist die Frage (die auch auf der Bürgerversammlung in Schönebeck gestellt wurde), inwieweit die (Über)düngung des angrenzenden Maisfelds eine Rolle hinsichtlich der Schädigung der Bäume (und der Schadstoffbelastung des Baches) spielt, nach wie vor nicht beantwortet worden. Man fragt sich, warum nicht?
Seltsamerweise halten sich in Bezug auf diese Problematik alle beteiligten "Experten" sehr bedeckt.
Auch die Haftungsfrage (Stichwort Verkehrssicherungspflicht) ist längst nicht so eindeutig beantwortet, wie von Grün & Gruga behauptet.
Irgendwie drängt sich der Eindruck auf, dass es da noch ganz andere (vielleicht wirtschaftliche?) Aspekte gibt.
10:51
Oh Mann, wenn diese Kommentare lese, wird mir mal wieder ganz anders !!!
@#1: Lesen hilft manchmal !! Durch die extreme Frequentierung wird der Boden derart verdichtet, dass kein Unterwuchs mehr entsteht, abgesehen von der Errosionsgefahr, die auf diesen Böden erhöht ist.
@#2: Ein natürlicher Wald in unserer Region wäre ein reiner Buchenwald !! Andere Baumarten wie z.B. die Eiche können hier nur durch intensive Pflege alt werden. Würde der Wald in Essen sich selbst überlassen, hätten wir in den nächsten (Baum-)Generationen nur noch die Buche !! Auch hier hilft es, sich erst zu informieren, und dann zu schreiben !! Aber irgendwelche Stammtischparolen sind ja schnell rausgehauen....
Auch ich bin gegen ein Einzäunen von Wälden, aber hier sollte man der Natur den Vortritt lassen, und das geht leider hier nur mit Hilfe eines massiven Zaunes !! Reisigwälle würden, wie z.B. im Stadtwald, niedergetrampelt oder auseinandergerisen. Hauptsache Bello kann überall k.acken und Rehwild hetzen !!
10:26
Abgesehen davon ist ein reiner Buchenwald nicht "natürlich"
Das etwas "alt" ist(130 Jahre alte Bäume) heisst nich lange nicht das es der "Natur" entspricht.
Das wäre der bei allen ungeliebte "Mischurwald",den kann man aber leider nicht so einfach "pflegen" wie Monokulturen....