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Assistent mit feuchter Schnauze

12.05.2008 | 20:15 Uhr

TIERE. Warum "Ari" ein Therapiehund ist, aber noch lange kein Diensthund. Oder: Wie das Stadtsteueramt auf den Hund kommt.

Therapiehund Ari hilft dem kleinen Henry beim Training seiner motorischen Fähigkeiten. "Der Hund unterstützt mich bei der Arbeit", sagt Krankengymnastin Birgit Wagner (r.). (NRZ-Foto: Ulrich von Born)

Ari nimmt die Socke zwischen Zähne, ganz behutsam und zieht und zerrt. Henry strahlt, es muss ihn an den Füßen kitzeln, wenn der zweijährige Golden Retriever mit ihm spielt. Ari ist ausgebildeter Therapiehund und begleitet Birgit Wagner auf Schritt und Tritt. "Die Kinder sagen jetzt nur noch: Ari ist da. Und nicht mehr: Da kommt die Krankenymnastin", sagt Birgit Wagner. Und das ist ihr auch recht. "Ein Hund verändert etwas beim Menschen", sagt sie. Und deswegen hat sie sich mit ihrem Arbeitgeber, dem Jugendamt der Stadt Essen, abgesprochen und dann nach einem familienfreundlichen und kinderlieben Hund gesucht und vor zwei Jahren den erst wenige Wochen alten Golden Retriever aufgenommen. "Schmusebac-ke" steht auf dem Geschirr, das der Hund trägt.

Motorische Fähigkeiten

"Nero Ari vom Hause Nette" so der vollständige Name des Viersener Vierbeiners erleichtert ihr in vielen Fällen die Arbeit. So zum Beispiel bei dem fünfeinhalbjährigen Henry, der da mit aller Kraft und Geschicklichkeit, die seine Arme hergeben, den Ball durch den Raum pfeffert, damit der fast weißhaarige Hund sich auf die Suche macht und ihn apportiert. Und Henry greift gezielt nach dem Ball, lässt sich von Birgit Wagner ein Leckerchen zwischen die Finger legen, das Ari herauspuhlt, dann kommt der nächste Wurf. "Das ist ein echtes Highlight", freut sie sich über das Zupacken des fast vollständig erblindeten Kindes, dessen motorische Fähigkeiten aufgrund einer seltenen Stoffwechselerkrankung immer schwächer werden.

"So wie hier bei Henry wirkt Ari auf die meisten Kinder", sagt Birgit Wagner. Henry braucht Reize, die ihn erreichen können. Und da hilft so ein warmer, flauschiger Spielpartner wie Ari, der mit feuchter Schnauze stuppst und mit der Zunge über die Henrys Finger leckt auf der Suche nach dem nächsten Bröckchen.

Seit fast 20 Jahren macht Birgit Wagner im Auftrag des städtischen Jugendamtes Krankengymnastik mit Kindern, sorgt zudem für Fortbildung bei den Erzieherinnen. Vor zwei Jahren hat sie sich ihren ersten Hund angeschafft und zuvor mit dem Arbeitgeber abgesprochen, dass der Vierbeiner sie bei der Arbeit begleiten darf - wenn nicht gerade ein Allergiker dabei ist oder andere Gründe dagegen sprechen. "Dann wartet Ari in einem anderen Raum oder im Auto", erklärt sie. Ziel war für sie aber von vornherein: Ari wird mich bei der Arbeit mit den Kindern unterstützen.

Sanfter Spielpartner

"Ich habe Ari in den zwei Jahren noch nicht einmal eine Lefze hochziehen sehen", sagt sie. Ein sanfter Spielpartner, der mehr in den Kindern auslöst als es der Krankengymnastin allein gelingen könnte. "Aber ich bin weiterhin die Krankengymnastin, ich mache die Therapie, der Hund unterstützt und begleitet", betont sie: Sie ist Herrin im Hundehause und weiß, dass der Vierbeiner nicht Partner sondern Assitent ist. Aber eben nicht nötig zur Berufsausübung, so das Stadtsteueramt.

Ari, das musste die Therapeutin in städtischen Diensten jetzt erfahren, ist kein Diensthund - und deswegen gibt's auch keine Steuerersparnis. Sie muss 141,12 Euro Hundesteuer zahlen, weil Ari kein Diensthund ist, obwohl er sie im Dienst begleitet und sie immerhin schon etliche Euro in die zweijährige Ausbildung des Tieres investiert hat. Ein privates Vergnügen von Birgit Wagner, so die Einschätzung des Stadtsteueramtes - ein teures privates Vergnügen. Allerdings hat das Jugendamt das mit einem Zuschuss unterstützt. Städtische Hilfe da - unerbittliches Steueramt dort, Verwaltungshandeln ist nicht immer logisch, aber im Fall der Hundesteuersatzung klar geregelt.

Steuerbefreit werden nur Hunde von sozial Schwachen, von Binnenschiffern, Forstbeamten und Menschen, die 400 Meter von der nächsten geschlossenen Bebauung entfernt leben. Und natürlich Blindenhunde und Hunde von Menschen mit schwerer Behinderung. Wäre Ari Henrys Hund, er wäre steuerfrei. Es sieht ganz so aus, als ob das dem Jungen gefallen könnte.

STEPHAN HERMSEN

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Kommentare
19.06.2008
18:24
Assistent mit feuchter Schnauze
von wazmannen | #1

Der Artikel ist echt prima geschrieben.Es ist wirklich toll was Tiere so schaffen.

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