Ansturm auf die erste Sekundarschule in Essen
23.01.2012 | 11:24 Uhr 2012-01-23T11:24:00+0100
Essen. Das Bischöfliche Schulzentrum vereint als erste und einzige Schule in Essen ihre Haupt- und Realschule zur ersten und einzigen Sekundarschule in Essen, die im kommenden Sommer mit den ersten sechs Klassen der Jahrgangsstufe 5 starten soll. Das Interesse der Eltern ist riesig, zum Infonachmittag kamen mehr als 350 Mütter und Väter.
Gesamtschule, Realschule, oder doch nur Hauptschule? Wohin soll der Nachwuchs in wenigen Wochen wechseln? Die Lösung könnte Sekundarschule heißen, Sekundarschule Stoppenberg, um genau zu sein. Das Bischöfliche Schulzentrum vereint als erste und einzige Schule in Essen ihre Haupt- und Realschule zur neuen Schulform , die im kommenden Sommer mit den ersten sechs Klassen der Jahrgangsstufe 5 starten soll.
Das Wagnis scheint sich zu lohnen: Während sich sonst bei Info-Tagen die Besucherzahl in leidlichen Grenzen hält, platzten am Samstag beide Schulen aus den Nähten: Bestimmt über 350 Eltern, schätzten später Reiner Düchting, Rektor der Hauptschule, und sein Realschul-Kollege Rolf Leitzen, wollten sich über die schulische Laufbahn an Essens erster Sekundarschule informieren. So viele kamen, dass die Vorträge der Rektoren zeitgleich in einen dritten Raum übertragen werden mussten. Danach wurden die Besucher in 20er-Gruppen von jeweils zwei Lehrern durch Real- und Hauptschul-Gebäude geführt. „Damit haben wir nicht gerechnet“, zeigten sich die Pädagogen freudig überrascht.
"Jeder Schüler soll den Abschluss schaffen"
Die Botschaft für die Eltern war eindeutig: „Jeder soll den Abschluss schaffen, und zwar den für ihn höchst möglichen“, betonte Reiner Düchting. Dazu befähigten vor allem das gemeinsame Lernen in Klasse 5 und 6 und die individuelle Förderung der Schüler durch Profilangebote ab Klasse 7. Außerdem zeige die Erfahrung anderer Sekundarschulen, „dass sich die Schüler generell an den Besseren orientieren“, so Düchting. Das müssen sie auch, denn in der Sekundarschule wird nach den Kernlehrplänen der Realschule unterrichtet, nicht nach denen der Hauptschule. „In den Profilklassen werden die Schüler aber je nach Stärken und Schwächen individuell gefördert,“ versicherte Rolf Leitzen.
Die Vorteile der neuen Schulform brachte Rektor Reiner Düchting gegenüber den Eltern immer wieder auf den Punkt: „Haupt- und Realschule sind zwei Züge, die unterschiedliches Tempo fahren. Die Fusion beider soll allen Schülern das Umsteigen erleichtern.“ Heißt: Möglichst viele Schüler sollen durch die Profilangebote so gefördert werden, dass sie einen möglichst guten Sekundarabschluss I (Hauptschulabschluss) erreichen, besser aber die Fachoberschulreife, und im optimalen Fall nahtlos ans Gymnasium des Schulzentrums wechseln können.
150 Schüler werden aufgenommen
Dieser Fahrplan scheint viele Eltern zu überzeugen: Frank Honrath aus Gelsenkirchen- Rotthausen war mit Tochter Johanna beim Infotag und befürwortet das Konzept. Er will die Neunjährige am 11. Februar hier anmelden. „Die Schulform ist einfach einzigartig in Essen“, heben auch Ralf und Iris Oetke hervor und hoffen, dass Sohn Phil ab dem Sommer in Stoppenberg aufgenommen wird. Die Sorge scheint berechtigt: 150 Schüler werden aufgenommen und in sechs Klassen mit jeweils zwei Klassenlehrern aufgeteilt. Den Unterricht teilen sich die Lehrer der Haupt- und Realschule, die sich schon jetzt zusammen vorbereiten.
Auf einen Platz hofft auch die Mutter der neunjährigen Luca-Marie aus Altenessen, die selbst schon die Realschule Stoppenberg besucht hat und sich dort immer wohl fühlte: „Die Schüler profitieren von einander und menschlich macht es doch keinen Unterschied, ob man Haupt- oder Realschüler ist“, sagt sie. Aber das hat sich in ein paar Jahre auch erledigt. „Dann heißt es nämlich nur noch: ,wir sind Schüler am Stoppenberg’“, meint Rolf Leitzen lächelnd.
19:54
Wie die Durchlässigkeit der Sekundarschule zum Gymnasium in Zukunft sein wird, muß sich erst noch herausstellen. Auch von der Realschule war dieser Wechsel bisher nicht die Regel, sondern eher selten. Wie sollte also die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule daran etwas ändern?
Außerdem bin ich nicht der Meinung von Rektor Düchting, "dass sich die Schüler generell an den Besseren orientieren“ - und deshalb dazu gezwungen werden müssen: "Das müssen sie auch, denn in der Sekundarschule wird nach den Kernlehrplänen der Realschule unterrichtet, nicht nach denen der Hauptschule."
Ich habe da andere Erfahrungen gemacht, nämlich die, dass die schwächeren Schüler mit einem noch anspruchsvolleren Lehrplan eher überfordert sind und nach anhaltenden Mißerfolgen völlig versagen können.
Die angekündigte Förderung: "„In den Profilklassen werden die Schüler aber je nach Stärken und Schwächen individuell gefördert“, hätte auch in den bisherigen Schulformen und vor allem auch bei allen anderen Hauptschulen stattfinden müssen.
Das dies erst jetzt im Rahmen der Sekundarschule stattfinden soll, läßt sich nur auf politischem Willen zurückführen - und damit auf Ideologie. Die politisch gewollte fehlende Förderung der Schüler von Hauptschulen ist der Hauptgrund für deren lauthals beklagte Undurchlässigkeit und ihren Mißerfolgen. Eben jahrzehntelange Benachteiligung und Kaputtreden um die Einheitsschule durchzusetzen...
Gerade diese katholische Schule hatte da bisher keine Defizite und ist deshalb auch so gefragt und erfolgreich. Weshalb sich hier die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule, die dazu noch direkt nebeneinander liegen, sehr viel einfacher realisieren läßt, wie bei anderen Schulen. Was wiederum mit Ideologie nichts zu tun hat...
18:57
Sicherlich stellt die neue Schulform "Sekundarschule" eine ernstzunehmende Alternative zum verkorksten Schulsystem NRWs dar. Allerdings sollte sich niemand Illusionen machen, was das Schulzentrum Stoppenberg betrifft: Es handelt sich hier um eine private Bekenntnisschule. Die Schüler werden handverlesen; wer nicht spurt, fliegt. Mitwirkungsrechte für Schüler, Eltern und Lehrer gibt es nicht. In Einzelfällen kann auch eine großzügige Spende weiterhelfen (war selber an einer ähnlichen kirchlichen Einrichtung tätig). Für "normale" Schüler, Ausländer usw. bleibt also weiterhin nur das Chaos anonymer Gesamtschul-Lernfabriken oder das sterbende dreigliedrige System.
Tut mit leid, aber das ist absoluter Quatsch. Die Schule kann nicht mehr Schüler aufnehmen als Plätze vorhanden sind. Wenn sich bei jeder Anmeldung ein Viertel bis ein Drittel zuviel Schüler anmelden wollen, muß eine Auswahl getroffen werden.
Es stimmt dazu einfach nicht, dass wer nicht spurt, fliegt. Im Gegenteil, ich kenne keine Schule an der sich so um einzelne Schüler gekümmert wird, wie hier. Elternmitarbeit ist ausdrücklich gewünscht und wird auch eingefordert, wenn nicht genügend entgegengebracht wird. Ich hatte insgesamt über 15 Jahre meine drei Kinder auf dieser Schule und weiß wovon ich rede. Von Spenden, noch dazu Großzügigen, war nie die Rede und ich habe auch von keinem anderen Eltrenpaar je etwas in dieser Richtung gehört. Da ist wohl jemand auf die Erfolge des Schulzentrums am Stoppenberg neidisch...
17:38
Leider war es eben nicht normal, dass man "bei Befähigung die Schulform wechseln" konnte. In der Theorie hat das aber verdammt selten funktioniert.
Sonst müsste man ja nichts ändern. Die mangelnde Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems war ja bei internationalen Vergleichsstudien immer der Hauptkritikpunkt.
Ich bin sehr froh, dass es nun gerade eine katholische und damit eher konservative Schule ist, die hier den Vorreiter spielt. Sonst würden wir hier schnell wieder in eine ideologische Diskussion geraten.
14:39
Dieses Schulzentrum hatte schon immer mit einem Ansturm von Schülern zu kämpfen. So brauchte meine älteste Tochter schon vor 20 Jahren ein Empfehlungsschreiben des Pastors um an dieser Schule angenommen zu werden. Danach hatten auch die Geschwister keine Probleme mehr.
Im Übrigen war es auch früher ganz normal über die Hauptschule den 10 B Fachoberschulabschluß entsprechend dem Realschulabschluß zu erreichen oder bei Befähigung die Schulform zu wechseln. Da ist eigentlich kein Unterschied zur kommenden Sekundarschule zu erkennen...