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A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen

04.06.2012 | 08:00 Uhr
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
Diplom-Ingeneurin Annegret Schaber.Foto: Svenja Hanusch

Essen.   Am 7. Juli beginnt die Vollsperrung der A 40 in Essen. „3 statt 24“, hat Straßen.NRW sein 16-Millionen-Projekt überschrieben: In drei Monaten erledigen, was sonst locker zwei Jahre Bauzeit kosten würde: Bau- und Verkehrsplaner, Evag und Polizei sind vorbereitet. 100.000 Autos werden täglich ausweichen müssen.

Drei Monate ohne Autobahn, drei Monate für eine Operation am offenen Verkehrsherzen: Am 7. Juli beginnt die Vollsperrung der A 40 in Essen, in einem Zug sollen die maroden Helbingbrücken am Hauptbahnhof, dazu die nahe S-Bahn-Brücke, der Innenstadt-Tunnel und die Fußgängerbrücke an der Steubenstraße saniert werden (die NRZ berichtete) . „3 statt 24“, hat der federführende Landesbetrieb Straßen.NRW sein 16-Millionen-Projekt überschrieben: In drei Monaten erledigen, was sonst locker zwei Jahre Bauzeit kosten würde. Dagegen ist nichts einzuwenden – wäre da nicht das ärgerliche Kleingedruckte: Denn „3 statt 24“ bedeutet auch, dass sich fast an die 100.000 Fahrzeuge täglich ihren Weg abseits der Schnellstraße suchen müssen.

Ob das vom 7. Juli bis zum 30. September zu einem Kollaps führen wird, ob Essen im Dauerstau erstickt, auf nahezu allen Hauptverkehrsadern? Eine Prognose dazu will keiner treffen, nicht bei Straßen.NRW, nicht bei der Stadt, nicht bei der Polizei: „Das wäre Kaffeesatzleserei.“ Dass es schwierig wird, betonen sie unisono. Das Durcheinander in Grenzen zu halten, haben sie sich alle auf die Fahnen geschrieben und arbeiten deshalb seit eineinhalb Jahren an einer Art Masterplan Umleitung. Der ist mittlerweile so weit fortgeschrieben, dass sich die Beteiligten auf der Zielgeraden sehen: „Eigentlich könnten wir anfangen.“

Zeit ist knapp

In den Startlöchern steht zum Beispiel Annegret Schaber, die Projektleiterin bei Straßen.NRW, die mit den drei Baufirmen Eurovia Beton, Eurovia Teerbau und Heinrich Walter Bau das A-40-Vorhaben stemmen wird. „Keine unerfahrenen Firmen“, wie sie betont. Die Messlatte liegt allerdings hoch: Am Montag, 1. Oktober 2012, muss der Verkehr wieder rollen, alles andere würde für die Unternehmen teuer.

Auf tapetenähnlichen Plänen hat Annegret Schaber in ihrem Bochumer Büro den dreimonatigen Ablauf notiert. Eng beschriebenes Papier, das vor allem zeigt: Zeit ist knapp. Zwar will Straßen.NRW den Menschen im Umfeld der Brücken nicht völlig die (Nacht-)Ruhe rauben, zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens sollen die Arbeiten ruhen, aber: „Wir brauchen die Nachtschichten auch für Betonarbeiten.“ Und wenn’s eng wird, geht es eben über 22 Uhr hinaus: Die Sondergenehmigungen liegen schon in der Schublade.

Die erste wird bereits für den Baustart gezogen: Am Abend des 6. Juli werden die Bautrupps in den Seitenstraßen und unter den Helbingbrücken auf den Startschuss warten. Um 22 Uhr will Straßen.NRW damit beginnen, den Verkehr umzuleiten, Punkt Mitternacht gehört die A 40 zwischen den Anschlussstellen Essen-Zentrum und Huttrop den Bauarbeitern. Parallel dazu startet der Abriss der Stadtwaldbrücke über der S-Bahnstrecke. Bereits am 6. Juli will die Bahn den Zugverkehr einstellen, die Oberleitungen abhängen, Signale abräumen. Wer zwischen Düsseldorf-Unterrath und Essen Hauptbahnhof verkehren will, muss dann auf Busse umsteigen – und mindestens die doppelte Fahrzeit einkalkulieren.

Ob das auch für den normalen Berufsverkehr gilt? Klaus Stock, Leiter der städtischen Verkehrsbehörde, hat da seine eigene Rechnung: „Ein Teil des Verkehrs wird Essen großräumig umfahren, über die A 52 oder die A 42. Bleiben für uns vielleicht 80.000 Fahrzeuge. Da Ferien sind, rechnen wir mit 68.000, die sich neue Wege durch die Stadt suchen müssen. Vielleicht pendelt sich der Verkehr in den Ferien ein, sucht sich neue Wege, verteilt sich zeitlich anders“, sagt Stock, der Mega-Stau würde ausbleiben. Aus Fahrtrichtung Duisburg rechnen die Verkehrsplaner noch mit den größten Problemen: Ab Essen-Zentrum soll es über die Friedrich-, Hohenzollern-, Kronprinzen-, Kurfürsten- und Markgrafenstraße zur Anschlussstelle Huttrop zurück auf die A40 gehen. Und trotz neuer Ampelphasen, trotz Halteverboten an den Umgehungsstraßen, trotz der rund 60 Hinweisschilder, trotz der Internet-Seite, die noch in Arbeit ist, blickt Stock mit Sorgen auf den Abschnitt, „weil da auch an normalen Tagen die Aufnahmefähigkeit der Straßen ausgeschöpft wird.“

Jürgen Lückemeyer, Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei, hält die ersten drei Tage für entscheidend: „Wenn es da einigermaßen läuft, wenn der Verkehr sich nicht allzu sehr staut, dann bin ich optimistisch.“ Wichtig sei, dass sich alles verteile, Ortskundigen empfiehlt er, Schleichwege zu suchen: „Wer einen gefunden hat, sollte das für sich behalten. Wir werden jedenfalls keine weiteren Umweg-Alternativen anbieten, das wäre nicht hilfreich.“

„Brechpunkte“ für Buslinien

Auf Schleichwege wird die Evag nicht zurückgreifen können. Etwa 15 Linien wird der Stau treffen, mit spürbaren Folgen für die Fahrpläne. An „neuralgischen Punkten“ wollen die Verkehrsbetriebe deshalb zusätzliche Busse und Bahnen bereit halten, die an „Brechpunkten“ die Linie fortsetzen. Dies gilt vor allem für die Buslinien 142, 145, 146, 147, 154, 155, den SB 15, 160, 161 und 166. Bei den Straßenbahnen setzen allerdings die Tunnelkapazitäten enge Grenzen. Und ob die 101, 103, 105, 106 oder 109 dann wirklich betroffen sind, „das lässt sich jetzt noch gar nicht abschätzen“, sagt Evag-Sprecher Olaf Frei.

Nein, für die dreimonatige Vollsperrung einer Stadtautobahn gibt es einfach keine Erfahrungswerte, versichern alle Beteiligten. Zudem bleiben einige unbekannte Größen: Die S 6 ruht zwischen dem 6. Juli und 20. August, dazu die S 9 vom 21. Juli bis 3. August. Beide Bauzeiten liegen in den Ferien, aber ohne verkehrliche Folgen wird die zuglose Zeit nicht bleiben. Und natürlich werden die Lkw, die sonst über die A 40 anrollen, nun von Norden oder Süden den Weg in die Stadt suchen, über die Alfredstraße, die Ruhrallee, die Gladbecker oder Bottroper Straße. Welche Folgen das haben wird? Näheres dazu findet sich höchstens im Kleingedruckten.

Hans-Karl Reintjens



Kommentare
29.06.2012
16:43
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Ruhrkritiker | #20

Was ein Glück das die U11 nach Karnap auch gleichzeitig den Betrieb einstellt für 6 Wochen. Die Busse die dann fahren werden natürlich die tolle alternative... Naja betrifft ja nur ÖPNV nutzer daher ist davon auch reichlich wenig in der WATZ zu lesen...
Und das man das parallel zu der A40 Sperrung macht... TOP. Daumen hoch. Weiter so.

20.06.2012
12:49
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Emil1972 | #19

Nun ja, ein Gutes hat die Sperrung der A 40 schon: der Verkehr wird in Essen noch weiter runtergebremst und da die Grünen ja eh ein generelles Tempo 30 Limit in den Städten fordern, wird man sehr schön sehen können was dies bedeutet.
Wer dann regelmäßig auf das Auto angewiesen ist und Grün wählt dem ist nicht mehr zu helfen.
Denn Tempo 30 in Ortschaften ist erst der Anfang...dann max Tempo 70 außerorts und 100 auf der Autobahn....es lebe die Mobilität

08.06.2012
21:08
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Kritiker2012 | #18

Der Leiter der Verkehrsbehörde labert so einen Bullshit, ich bekomme das kotzen! Alternativ über die A42 macht natürlich Sinn, oder uber die Gladbecker. Ja, fein. Schon mal ausprobiert? Der Herr hat keine Ahnung. Wer jeden morgen über die A42 in Richtung Düsseldorf muss, steht spätestens an der Auffahrt zur A3 - bis Duisburg Wedau.

Am besten es ziehen noch mehr Bürger aus dem SPD verseuchten NRW weg! Dumme Politiker und unfähige Mitarbeier bei Strassen.NRW - ich muss echt kotzen....

07.06.2012
01:13
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von nothdurft | #17

Hoffentlich wird auch die Feinstaubplakette kontrolliert, oder wird die U-Zone für 3 Monate ausser Kraft gesetzt, was in Brüssel beantragt werden muß, da sonst die Gesundheit der Anlieger grfärdet ist.
Hier kann man dann mal erleben, was eine richtige Verstopfung ist.

2 Antworten
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Wetterchen | #17-1

Ich wette die Feinstaubgeschichte wird ignoriert werden. Zuviel Verkehr, zu wenig Platz um "mal eben" abzukassieren.

^^

A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von willm | #17-2

Richtige Verstopfung ist, wenn man drückt und drückt, und es kommt nichts !!!

07.06.2012
00:05
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von kerzenlicht | #16

Zitat von Herrn Stock zur innerstädtischen Umleitung: „weil da auch an normalen Tagen die Aufnahmefähigkeit der Straßen ausgeschöpft wird.“
Genial, man weiß schon das es nicht klappt und macht es trotzdem??

Wie will man die Vorschriften zum Lärm- und Emissionsschutz in Wohngebieten einhalten?
Die Häuser am Abschnitt sind alle nicht so gedämmt wie manch einer das gerne hätte.

An der A40 gibt es Lärmschutzwände, sollen die Anwohner der Umgehungsstraße für drei Monate einem Experiment mit offenem Ausgang ausgesetzt werden?

Was ist mit LKW über 3,5 t? Sollen die dann auch alle dort durchrauschen?

Warum gibt es keinerlei detaillierte Informationen zum Projekt? Befürchtet man etwa einen Sturm der Entrüstung??

1 Antwort
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Wetterchen | #16-1

Es ist wohl selbstverständlich, das den Bewohnern von Essen 3 Monate "Tolleranz" abverlangt wird. Schließlich sollen es "nur" 3 Monate werden und keine 24.

Unter diesen Aspekt nimmt man es wohl in Kauf. Da können die Einwohner noch so sehr stöhnen.

05.06.2012
20:37
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Mandy_11 | #15

Hoffentlich denkt der VRR wenigstens diesmal bei der Planung mit und verzichtet wahrend der A-40-Vollsperrung auf den kunden-unfreundlichen Sommerferien-Fahrplan.Für die berufstätigen Fahrgäste ist er eh jedes Mal wieder ein grosses Ärgernis, also habt bitte Mitleid und setzt zumindest in diesem Jahr MEHR statt weniger Busse und Bahnen, die sicherlich trotzdem rappelvoll sein werden,ein.

05.06.2012
15:58
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von edding06 | #14

Hallo
Die armen Autofahrer !!!! Wer denkt an die Anwohner in der Zeit?????????????
Der Lärm ,der Dreck es wird wahrscheinlich Sommer...........
Genehmigung hin oder her die Auflagen sind sehr hoch ........vorallem beim Lärm.....
Bin mal gespannt wie das ausgeht.......
Vielleicht gibt es auch Proteste...............

05.06.2012
13:19
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von Eduard79 | #13

Es ist wie so oft: Erst beschweren sich die Menschen über den schlechten Zustand einer Sache (muss nicht unbedingt eine Straße sein) und darüber, dass ja niemand etwas dagegen tut. Kaum stehen Umbauten/Neubauten/Reparaturen an, wird sich über die Behinderung durch diesselben und die vermeintlich schlechte Abwicklung beschwert.

Man könnte zu dem Schluß kommen, dass manche Menschen einfach nicht zufrieden sind, wenn es sie keine ausreichenden Gelegenheiten zum Meckern und Besserwissen haben.

05.06.2012
12:00
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von NurderMSV | #12

Hoffentlich kann man zu dieser Zeit wenigstens zweispurig
von der A52 auf die A40 wechseln!!!!!

1 Antwort
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von amo17 | #12-1

Das werden die schon hinbekommen.

04.06.2012
20:25
A-40-Vollsperrung - 100.000 Autos müssen jeden Tag ausweichen
von amo17 | #11

Die EVAG gibt sich wieder hasenfüßig.
Welche Linien alle betroffen sein sollen, nur weil sie in die "Nähe" der A40 kommen.
Ich würde mir ein anderes Signal wünschen:
"Es kann zwar zu Komplikationen in der besonderen Situation kommen, aber wir werden alles tun, um einen wichtigen Beitrag zu leisten, dass eben nicht das Chaos ausbricht."
Stattdessen entschuldigt man sich schon jetzt, weil man nocht weiss, was alles passieren kann.


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