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Eurovision Song Contest

Wir gucken Lena

28.05.2010 | 15:49 Uhr
Wir gucken Lena

Emmerich. Man kennt das ja nur zu Genüge seit dem Sommermärchen, das Deutschland vor vier Jahren in Atem gehalten hat. Lauter Menschen sitzen in Kneipen oder an öffentlichen Plätzen vor riesigen Leinwänden und schauen Fußball. Public Viewing heißt dieses Massenphänomen. Was den Fußballern in nur wenigen Tagen ihre Weltmeisterschaft sein wird, ist den Gesangsfreunden am Samstagabend der Eurovision Song Contest.

Deutschlands Star für Oslo heißt Lena – in Norwegens Hauptstadt wird sie mit ihrem Hit „Satellite“ versuchen, als erste Deutsche seit Nicole 1982 sozusagen die Gesangs-Europameisterschaft zu gewinnen. Auch hierzulande drücken viele der 19-Jährigen die Daumen. Da wird das Umschalten mit der Fernbedienung unter Tabu gestellt, denn in Emmerich gilt: Wir gucken Lena.

Auf der Internetseite der Billardgarage läuft ein Countdown: Noch 13 Tage und ein paar Stunden zeigte dieser gestern an, dann wird hier die Fußball-WM auf zwei LCD-Fernsehern und zwei Großleinwänden übertragen. Samstagabend aber huscht erstmal Lena über die Mattscheiben. „Wir haben hier auch schon DSDS geguckt“, erklärt Besitzer Waldemar Zielinski den Fernseh-Ausflug, „wenn es die Kundschaft wünscht“, wird nach Oslo geschaltet.

Denn wenn seine Gäste schon einen Abstecher zu Dieter Bohlens Barden-Casting gemacht haben, ist der Nachfolger des „Grand Prix d’Eurovision de la Chanson“ doch ein Muss. Während sich die Gäste der Billardgarage mal für ein paar Stunden ihres gewöhnlichen Fernsehverhaltens – Fußball und natürlich Formel 1 mit dem Emmericher Nico Hülkenberg – entledigen können, bleibt „Zum Raben“ der Apparat wohl aus. „Bei uns interessieren sich die Leute für Sport“, sagt Angelika Welling. Sie ist sich aber sicher, dass im weiteren Verlaufe des Abends die Flimmerkiste wieder angeschmissen wird: „Nachher kommt doch noch Boxen, das läuft dann wieder.“

Dass sich die Emmericher aber zusammenrotten, um Lena singen zu hören, scheint nicht der Fall zu sein. „Ich verfolge das, aber wir treffen uns deswegen nicht extra“, sagt Jörg Reichow vom Emmericher Männerchor. Er mag ihr Lied, obwohl Reichow von einer Überdosis bedroht wird: „Als Fahrlehrer höre ich es ja 20 Mal am Tag im Radio.“ Ob’s mit dem ersten Sieg seit 1982 klappen kann? Reichow: „Wenn’s im Ausland so ein Ohrwurm wäre wie bei uns, dann ja.“

Ob Erste oder 25., das ist Annemarie Osteresch von der Chorgemeinschaft happy sound relativ egal. „Das Ganze ist doch eine Farce geworden“, sagt sie. Nur zu gerne verweist sie auf den Moment, als neulich der Muscial-Starkomponist Andrew Lloyd Webber bei Thomas Gottschalk auf der Wetten-dass-Couch saß und Lena sowie deren Förderer Stefan Raab fragte: Warum singen Sie nicht auf Deutsch...?!? „Es geht doch nur noch ums Geschäfte machen“, sagt Annemarie Osteresch, „und das stört mich.“ Ob sie aber dennoch den Fernseher anschaltet? „Wenn, dann würde ich ihn nebenherlaufen lassen und lieber etwas spielen.“

Andreas Berten



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So haben unsere Leser abgestimmt

Ja, ich bastle selber schon fleißig die bunten Bänder.
6%
Ja, ich trage die Loom-Bänder sehr gern am Handgelenk.
15%
Nein, diesen Trend mache ich nicht mit.
48%
Nein, ich kenne Loom-Bänder überhaupt nicht.
30%
93 abgegebene Stimmen
 
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