Katzenstein trägt die Flügellast
29.05.2007 | 09:51 Uhr 2007-05-29T09:51:15+0200MÜHLENTAG. Scholtenmühle war Vorläufer der Windkraftanlage, produzierte anno 1920 Strom.
REES. Der Deutsche Mühlentag erfreut sich immer größerer Beliebtheit im ganzen Land und so öffnete die Scholtenmühle in Rees am Pfingstmontag wieder einmal ihre Türen, um einen Eindruck von der Historie und Funktionsweisen zu geben.
Zwar hemmte das Regenwetter den Besucherandrang, dennoch fanden vor allem Familien mit Kindern den Weg in die alten Mauern der 1848 erbauten Wallholländer Windmühle. Dort gewährte der heutige Besitzer, Alfred Scholten, mit Bildern einen Einblick in die Geschichte der ehemaligen Hermannsmühle, die vor der Umbenennung in den heutigen Namen "Rosenbaummühle" hieß.
Die Mühle, mittlerweile in der fünften Generation vererbt, leistete bis 1961 ihren Müllern gute Dienste, war 1994 nach 33 Jahren Stillstand aber schon dem Verfall nah.
Erst Manfred Naatz, ein pensionierter Mühlenbauer, regte die Sanierung an, die dann ab 1995 in sechs Jahren und drei Bauabschnitten für neue Flügel, eine neue Haube und ein neues Innenleben sorgte.
Und dieses war an diesem Tage ebenfalls zu bestaunen: Paul Wissing, als Kind selber mit einer Mühle aufgewachsen, führte durch die vier Söller.
Im oberen Kappsöller wartete er bei dem Anblick der großen Zahnräder mit erstaunlichen Fakten auf: So drehen sich alle Mühlen linksrum, weil sonst die Kraft der Erdumdrehung mit 8,75 Kilogramm entgegenwirken würde und die Leistung der Windmühle beträgt bei Windstärke vier 120 PS. Diese enorme Kraft kommt vor allem durch die besonderen Flügel zu Stande, die weltweit nur an fünf Mühlen zu finden sind. Sie wurden 1920 zur Stromerzeugung als Vorläufer der heutigen Windkraftanlagen konstruiert und 1940 in der Reeser Mühle eingebaut.
Ebenfalls gut zu sehen ist von oben aus der "Katzenstein", der die gesamten 8,5 Tonnen der Flügel trägt und wenn er heiß ist, riecht wie ein Kater.
Darunter liegt der Aufzugssöller, durch den die Königswelle führt, die dann im Steinsöller endet. Dort wird das Korn zu Mehr gemahlen und in den Mehlsöller geleitet, zwei Zentner in der Stunde schafft die Mühle in Bestform, nach 500 bis 600 Zentner ist der Stein stumpf und musste früher in Handarbeit eine Woche lang mit dem Billhammer wieder geschliffen werden.
Auch wenn zurzeit nicht gemahlen wird, heute wäre die Mühle immer noch einsatzfähig, durch die Windrose stehen die Flügel auch immer automatisch richtig im Wind. (sat) Auch die Kornwindmühle auf dem Möllenbölt in Elten empfing gestern Besucher.

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