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Emmericher Fachkräfte behandeln häusliche Gewalt

20.11.2013 | 17:30 Uhr
Emmericher Fachkräfte behandeln häusliche Gewalt
Der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt Emmerich lud Fachkräfte zu einer Tagung ins PAN. Es ging um die Besonderheit von Patchwork-Familien.Foto: DIANA ROOS

Emmerich.   Bei der Fachtagung im PAN in Emmerich standen Patchworkfamilien im Fokus. Der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt hatte eingeladen. Referenten wiesen auf die Besonderheiten der nicht traditionell zusammengesetzten Familien hin.

Den Begriff Patchworkfamilie kann man nicht mehr als neumodisch bezeichnen. Heutzutage gibt es viele bunte Familien, in denen zum Beispiel der Mann nicht der leibliche Vater aller Kinder im Hause ist. Für Erzieher ergeben sich dadurch besondere Herausforderungen im Umgang mit Kindern aus – nennen wir es mal -- nicht-traditionellen Familienkonstellationen. Besonders dann, wenn es zur häuslichen Gewalt kommt.

Dies war am Mittwoch Thema einer Fortbildung im PAN, zu der der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt in Emmerich unter der Federführung der Gleichstellungsbeauftragten Elisabeth Schnieders eingeladen hatte. Über 40 Lehrer, Erzieher oder Fachkräfte, die mit Kindern Kontakt haben, waren dabei. Diplom-Sozialpädagoge Stefan Schneppe und Diplompädagoge Michael Veit von der Patchwork Ambulante Hilfen GBR aus Bochum und Essen standen als Referenten zur Verfügung.

Patchworkfamilien, schildert Schneppe, haben nur eine Chance, wenn der schwer beladene Rucksack mit den Problemen aus vorher gescheiterten Beziehungen geleert ist. Ist die Vergangenheit nicht bewältigt und die Eltern stehen sich feindselig gegenüber, gibt’s Probleme, die Kinder belasten.

Gespräche auf Augenhöhe

Es entstehen etwa Loyalitätskonflikte. Es gibt Ärger bei den Besuchszeiten. Weil Papa den Unterhalt nicht zahlt, kriegt das Kind das ersehnte Smartphone nicht. Die Eltern sprechen schlecht übereinander. Die Kinder werden sogar über das andere Elternteil ausgefragt. Und keiner sagt dem Kind in seinem egozentrischen Denken, dass es nicht Schuld ist an der Trennung. All dies erzeugt Druck beim Kind. All dies ist Nährboden für Gewalt. Deshalb sei eine wertschätzende Atmosphäre sehr wichtig, schildert Schneppe.

Prinzipiell sind drei Arten von Gewalt zu unterscheiden: körperlicher, psychischer und struktureller Natur. „Strukturelle Gewalt ist genau so schlimm wie körperliche oder psychische“, verrät Veit. Gerade Patchworkfamilien seien anfällig dafür. Es handelt sich um eine „heimliche“ Gewalt. Zum Beispiel: Für Patchworkfamilien sind in den ersten fünf Jahren – die Zeit des Zusammenwachsens – Rückzugsräume wichtig. Kommt das Kind dann am Wochenende in die „Zweitfamilie“ etwa des Vaters, steht dem Kind dort womöglich kein eigenes Zimmer zur Verfügung. Es schläft beim Kind der Stiefmutter. Womöglich liefern sich die Kinder einen Stellvertreterkrieg in Loyalität zu ihren „Hauptfamilien“. Es entsteht eine strukturelle Gewalt. Ein striktes Regelwerk oder zu aufdringliches Erziehenwollen der neuen Lebenspartner können ebenfalls Ursachen sein.

Was nehmen nun die Tagungsteilnehmer mit? Wenn sie bei einem Kind zum Beispiel im Kindergarten Symptome für häusliche Gewalt entdecken, sei es wichtig, den Eltern im Gespräch „auf Augenhöhe“ zu begegnen. Nicht skandalisieren, keinen Druck erzeugen, nicht auf Konfrontation setzen, sondern die Eltern einbeziehen: „Helfen Sie mir, dass es ihrem Kind hier besser geht. Haben Sie eine Idee, wie das gelingen könnte?“ Die mögliche Gewalt sollte nicht direkt angesprochen werden, sondern im Kontext einer Gesamtbetrachtung oder eingebettet von mehreren Themen eingestreut werden. Am besten dann, wenn ein gewisses Vertrauen aufgebaut wurde, schildert Veit. Komme man dann nicht voran, mache es Sinn, entsprechende Institutionen einzubeziehen: vom Kinderschutzbund bis zum Jugendamt.

Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Schnieders betont: „Man sollte keine Angst vor dem Jugendamt haben. Das nimmt den Eltern nicht sofort die Kinder weg, wenn es Probleme gibt. So arbeiten die Mitarbeiter heute nicht. Sie beraten vor allem.“ Auch Schnieders selbst könne vermittelnd tätig werden. Kontakt:  02822/750.

Der 25. November ist der Tag zu Nein gegen Gewalt an Frauen. Auf Initiative von Terres des Femmes beteiligt sich der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Kleve an einer Unterschriftenaktion, die auf eine Gesetzeslücke bei Vergewaltigungsopfern hinweist. Wer unterschreiben möchte, wendet sich an Schnieders.

Marco Virgillito

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Emmericher Fachkräfte behandeln häusliche Gewalt
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2013-11-20 17:30
Emmerich