Deutsch lernen mit türkischem Tee
08.03.2010 | 16:19 Uhr 2010-03-08T16:19:00+0100Emmerich. Mitten im Industriegebiet, zwischen Lastern und Lagerhallen, zwischen Tischlereien und Speditionen versteckt sich ein Stück morgenländische Kultur.
Im yezidischen Kulturzentrum wird grade Tee gebraut. In kleinen Gläsern mit Goldrand steht er auf dem Tisch, daneben drei Teller, randvoll mit Gebäck beladen.
So sieht also eine Deutschstunde aus. „Nicht immer“, versichert Kursleiterin Seyran Dag. „Ab Donnerstag konzentrieren wir uns auf das Lernen.“ Einige der Frauen sprechen kaum ein Wort Deutsch. „Es ist egal, ob die Familien schon seit 20 Jahren oder seit vorgestern in Deutschland sind“, weiß Alfred Schmitz vom Internationalen Bund.
Schmitz hat gemeinsam mit Seyran Dag den Deutschkurs ins Leben gerufen. Im ganzen Kreis Kleve betreut er Unterricht wie diesen.
Den Zugang zu den Migranten zu finden ist nicht immer einfach. „Meist sprechen sich die Kurse erst durch Mund-zu-Mund-Propaganda herum“, so Schmitz.
Das Konzept der Kurse funktioniert: Auch die Lehrer haben ausländische Wurzeln, die Frauen können ihre Kinder mitbringen, eine Erzieherin kümmert sich um die Betreuung. Im Unterricht wird viel gesprochen, natürlich auf deutsch.
Das ist vor allem deshalb wichtig, da nicht immer alle Teilnehmer lesen und schreiben können. „Bei Frauen aus der Türkei oder auch dem ehemaligen Jugoslawien kommt das öfter vor“, so Alfred Schmitz.
Bei einem Kurs waren zwölf der 35 Teilnehmer Analphabeten, berichtet Schmitz. Sollte die Situation in Emmerich ähnlich sein, kann der internationale Bund eine schnelle Lösung anbieten: „Ab acht Personen können wir Alphabetisierungs-Kurse organisieren.“
Zwölf Frauen sitzen am Anfang des Deutschkurses im festlich geschmückten Unterrichtsraum des yezidischen Zentrums. Girlanden und Fahnen hängen an der Decke, in rot-gelb-grün – nach den Farben der kurdischen und der yezidischen Flagge.
Nach und nach strömen weitere Familien in die alte Lagerhalle. Während im Klassenraum der Unterricht beginnt, trinken die Männer in der Halle Tee. Ein besonderes Flair hat der Raum, man sieht ihm die Lagerhalle immer noch an, doch die verklinkerten Wände und die gemauerten Bögen zur Küche, alles in Eigenarbeit errichtet, drücken Heimlichkeit aus. In dem weiten Raum werden religiöse Feiertage und Hochzeiten gefeiert. „Mal kommen 500 bis 600 Gäste, mal 1000“, erzählt Demiray Adil.
Seit 1993 gibt es den Verein, seit 2003 existiert das Zentrum am Ossenbruch. Circa 300 hauptsächlich kurdische Familien zählen zu den Mitgliedern. Sie organisieren Folklore-Kurse, die Kinder lernen etwas über die yezidische Religion. „Aber“, so Demiray Adil, „unsere Tür ist offen für alle Kulturen und Religionen.“
Parteien haben den großzügig mit Tischen und Stühlen ausgestatteten Raum schon als Kongressort genutzt, die Gemeinde arbeitet eng mit der Stadt zusammen. Auch für Seyran Dags Deutschkurs gilt der Grundsatz der offenen Tür. Frauen aus anderen Nationen dürfen und sollen ebenfalls im yezidischen Zentrum kostenlos Deutsch lernen können.
Seyran Dag wurde erst vor kurzem in den Integrationsrat gewählt. Der Deutschkurs scheint ein Schritt in die richtige Richtung im Sinne der Institution zu sein. Am 15. April bietet sich eine weitere Gelegenheit für weitere Fortschritte: Dann gibt es im Kulturzentrum ein großes Fest mit Live-Musik. Und die Tür steht allen offen.
20:23
Ich kenne Seyran Dag noch, als sie auf der Dederichstrasse bei ihren Eltern gewohnt hat. Sie leistet mit dieser Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Integration, was ich sehr begrüsse.
Und ein Alfred Schmitz scheint vielleicht wichtig zu sein. Aber nicht so wichtig, das ich danach in einem Kommentar nachfragen würde.
Tolle und wichtige Arbeit, die dort geleistet wird.
23:26
#3
Toll und wer ist Alfred Schmitz?
23:12
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10:47
Genau, wer ist Alfred Schmitz? Die Redaktion wird uns aufklären oder?
23:48
1000 Menschen, im ehemaligen Kuhstall im Ossenbruch, ist das denn nach der (zum Schutze der Besucher entwickelten) Versammlungsstättenverordnung überhaupt vorstellbar und zulässig?
...... und wer ist Alfred Schmitz vom Internationalen Bund??????
Never heard???