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Gewerkschaften warnen schon lange

"Zeitarbeit nimmt zu"

15.01.2010 | 09:00 Uhr

Billige Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen statt fester Belegschaft – die Drogeriemarktkette Schlecker ist dafür in die Schlagzeilen gekommen, aber Ulrich Rieger vom Deutschen Gewerkschaftsbund ist sicher: „Das ist nur die Spitze des Eisberges.”

Erfahrungen mit einer veränderten Belegschaftspolitik von Unternehmen gibt es nicht nur im Handel.

„Die Firmen sparen Kosten auf dem Rücken der Kollegen”, nennt Rieger das Vorgehen. Outsourcing, Einsatz von Fremdfirmen – das gebe es seit geraumer Zeit. Die soziale Absicherung von Zeitarbeitern sei „fast bei Null”. Schon vor einem Jahr warnte der DGB: „Leiharbeit droht immer mehr reguläre Beschäftigung in Duisburg zu verdrängen.

Zu dem Zeitpunkt gab es fast 5000 Leiharbeitskräfte in Duisburg, 2000 mehr als vier Jahre zuvor. Und jeder achte Leiharbeiter war laut DGB-Erhebung auf ergänzende Leistungen vom Arbeitsamt angewiesen.

„Leiharbeit nimmt zu, aber belegen konnten wir es bisher nur bei Schlecker”, hat Thomas Keuer, Geschäftsführer der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, festgestellt. In den Unternehmen habe man die „Personalreserven weggespart”, bei Krankheit, Urlaub, Fortbildung entstünden sofort Lücken. Es fehle an einer „vernünftigen Kontrolle”, damit Tarifverträge nicht unterlaufen werden können.

„Wir haben wenig Möglichkeiten einzugreifen”, sagt Hans-Georg Grein von der Agentur für Arbeit, „solange es sich im rechtlichen Rahmen hält.” Derzeit werde die rechtliche Situation vom Bundesarbeitsministerium überprüft.

Bereits eingegriffen hat die IG Metall. In der örtlichen Stahlindustrie hatten vor der Krise bis zu 3500 Beschäftigte im Rahmen von Werk- und Unterwerkverträgen gearbeitet, so Gewerkschafter Jürgen Dzudzek. Es habe unter anderem oft an der Kenntnis der spezifischen Unfall- und Brandgefahren gemangelt, auch am Überblick über die eingesetzten Arbeitskräfte. Die IG Metall sei daher „kein Freund der Leiharbeit”, akzeptiere sie allenfalls bei kurzfristigen Auftragsspitzen.

Und mit weitreichendem Schutz für die Leiharbeiter. Das habe man für die stahlwerksnahen Dienstleistungen per Tarifvertrag und bei HKM durch Betriebsvereinbarung erreicht. Zudem arbeite man als Gewerkschaft eng zusammen mit seriösen Zeitarbeitsfirmen wie beispielsweise „Start” und „PEAG”.

Willi Mohrs



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