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Zähes Feilschen um den Tempel

08.02.2010 | 10:46 Uhr
Zähes Feilschen um den Tempel

Rheinhausen. Entscheidung um Abriss von Gemeindehaus und Jugendzentrum droht die evangelischen Christen in Bergheim zu spalten. Eine Alternative zum Sparen scheint es aber nicht zu gben.

Hätte man eine Kollekte gemacht, wäre sicher genug Geld für den Erhalt des Gemeindehauses Auf dem Wege in Bergheim zusammenkommen - zumindest bis zum Weihnachtsfest. So voll war es am Sonntag im Gotteshaus der Friedenskirchengemeinde. Rund drei Stunden lang diskutierten mehr als 500 Gemeindeglieder, dazu viele Katholiken und auswärtige Besucher das Sparkonzept der überschuldeten evangelischen Gemeinde.

Sachliche Diskussion

Erstes Fazit: Die Fronten haben sich verhärtet, die 6000-Seelen-Gemeinde durchlebt eine schwere Zeit, eine Art Schisma, das weiland katholische Westkirche und orthodoxe Ostkirche trennte. Denn zu unversöhnlich stehen sich die beiden zentralen Positionen gegenüber, anders gesagt: im Wege statt Auf dem Wege.

Daran änderte auch die Versammlung, die den Weg in eine friedliche, versöhnliche Zukunft ebnen sollte, nur wenig. Zwar blieb die Diskussion diesmal durchweg sachlich und auf hohem Niveau, abgesehen von ein paar Ausrutschern („Hier sollen doch Einfamilienhäuser gebaut werden!"). Neue Argumente blieben aber eher Mangelware.

Gleich zu Beginn machten die „Realos" um den Bevollmächtigtenausschuss, der die Geschicke der Gemeinde im Auftrag des Kirchenkreises Moers seit der Selbstauflösung des Presbyteriums leitet, ihre Rechnung auf: Die Gemeinde muss auf lange Sicht 100 000 Euro pro Jahr schultern. Und bis zum Jahr 2015 wächst der Schuldenberg auf 471 000 Euro, sollte das Sparkonzept nicht umgesetzt werden. Und falls die Stadt Duisburg ihr Haushaltssanierungskonzept 1:1 realisiert, könnten noch einmal 150 000 Euro Schulden dazu kommen.

Auch demografischer Wandel und Kirchenaustritte sind harte Fakten, mit denen die Gemeinde konfrontiert wird. Für das moderierende Moerser Ausschußmitglied Matthias Fritzsche steht fest: „Es wird Einschnitte geben. Aber wir haben noch nichts entschieden. Es ist noch nichts festgeklopft. Aber bis zum Frühsommer müssen wir uns entscheiden." So viel ist klar: Bevollmächtigtenausschuss, aber auch zahlreiche Gemeindeglieder sind für den Abriss des Gemeindehauses mit dem populären und viel besuchten Jugendzentrum Tempel. Die Gemeindearbeit soll am zweiten Standort, der Lutherkirche in Trompet, gebündelt werden - bei Erhalt des Familienzentrums an der Brunnenstraße.

„An der Lutherstraße haben wir jede Menge Ressourcen, um die Qualität unserer Gemeindearbeit zu sichern", argumentierte ein Ausschussmitglied. Das Gremium hat sich seine Aufgabe nicht leicht gemacht, in rund 30 Sitzungen 15 Modelle durchgerechnet, sieht aber kaum finanzierbare Alternativen. Aber, so der pensionierte Pfarrer Matthias Fritzsche: „Wir wissen, dass wir bei einem Abriss hier ganz viele Mitglieder verlieren werden. Das ist sehr schmerzlich!"

Die „Fundis", die Gruppe um den Anfang Januar gegründeten „Förderkreis Auf dem Wege" mit inzwischen 175 Mitgliedern, zu dem auch viele der 35 Gemeindeangestellten, aber auch zahlreiche Bergheimer Anwohner gehören, dominierten die Versammlung, nimmt man die Meinungsbeiträge und die Stärke des Beifalls als Maßstab. Sie sehen besonders die Qualität der Gemeindearbeit mit ihren zahlreichen Krabbel-, Kinder-, Jugend- und Seniorengruppen bedroht, sollten Gemeindehaus und Tempel abgerissen und das Gemeindezentrum an der Lutherstraße angesiedelt werden.

„Einzigartige Möglichkeiten”

Einige halten Schließung, Abriss und Umzug und Bündelung bereits für beschlossene Sache. Die Mehrheit dieser Gruppe will aber weiter für den Erhalt des Standorts kämpfen: „Dieses Gemeindehaus hat nicht nur Geschichte und Nostalgie, wir haben hier auch ein Potenzial mit einzigartigen Möglichkeiten", sagte Förderverein-Sprecher Volker Hanke, der wie andere 2008 aus dem Presbyterium austrat. „Wir möchten das Gemeindehaus hier erhalten." Hanke stellte den Antrag, dass der Förderverein gemeinsam mit dem Bevollmächtigtenausschuss eine Lösung findet. Prasselnder Beifall. Wenig Annäherung. Ende offen.

Martin Krampitz

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