Umstrittener Pfarrer nimmt den Hut
29.01.2010 | 17:24 Uhr 2010-01-29T17:24:00+0100
Rheinhausen. Andreas Satzvey verlässt die Friedenskirche: „Dass mich ein Teil der Menschen nicht akzeptiert hat, bekümmert mich”, sagt der Geistliche, der sich fortan um Schulen kümmern wird.
In der Evangelischen Gemeinde Friedenskirche gibt es die nächste faustdicke Überraschung: Nach der Nachricht, dass das Gemeindezentrum Auf dem Wege in Bergheim womöglich aus Spargründen aufgegeben wird, nimmt jetzt der Pfarrer seinen Hut. Andreas Satzvey bricht sein Zelt in Bergheim ab und nimmt eine Stelle als Schulpfarrer im Kirchenkreis an.
Die Personalie fällt in eine Zeit, in der die Gemeinde vermutlich vor ihrem größten Umbruch der jüngeren Vergangenheit steht. Im Vorjahr hatte sich das Presbyterium nach Differenzen mit dem Pfarrer aufgelöst, in den nächsten Wochen wird der Bevollmächtigten-Ausschuss die wegweisenden Sparbeschlüsse treffen.
Satzvey hat bereits am morgigen Sonntag seinen letzten Auftritt in der Gemeinde. Um 9.30 Uhr hält er den Gottesdienst in der Friedenskirche in Oestrum, um 11 Uhr steht er das letzte Mal in Bergheim im Gemeindezentrum auf der Kanzel. Bereits einen Tag später tritt er seine neue Stelle an, bei der er sich um zwei Schulen in Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn kümmert.
Sein Wechsel sei weder eine Flucht, noch habe dieser etwas mit den bevorstehenden Sparmaßnahmen zu tun, sagt Satzvey gestern im Gespräch mit der Redaktion. Die Entscheidung sei so kurzfristig gefallen, weil die Stelle zum Halbjahreswechsel am Montag zu besetzen sei. Erst in der vergangenen Woche sei ihm der Posten angeboten worden.
Der 42-jährige Pfarrer war in der Gemeinde umstritten, was in dem Zerwürfnis und der Auflösung des Presbyteriums gipfelte. „Dass mich ein Teil der Menschen nicht akzeptiert hat, bekümmert mich und macht mich traurig”, sagt Satzvey, der sechs Jahre in der Gemeinde tätig war. Dass man die Konflikte nicht habe lösen und die unterschiedlichen Auffassungen nicht klären können, das nage an ihm und habe ihn auch dazu bewogen, in letzter Zeit nach einer anderen Stelle Ausschau zu halten.
In den sechs Jahren habe er „viel Großartiges, aber auch viel Trauriges” erlebt, eine „vielfältige und gewachsene Gemeindearbeit” sowie „engagierte und warmherzige Menschen”, die auch „selbstbewusst, sehr kritisch und sehr vorgeprägt in ihren Ansprüchen” seien, sagte Satzvey.
Am Sonntag werde er die Gemeinde in den Gottesdiensten informieren. Die Nachfolge ist laut Kirchenkreis noch ungeklärt. Ein Abschiedsgottesdienst, der üblich ist, wenn ein Pfarrer die Gemeinde verlässt, soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
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