Thomas Jacobs führt das Friedensdorf kommissarisch
16.09.2009 | 09:54 Uhr 2009-09-16T09:54:00+0200
Rheinhausen/ Oberhausen. Der Rheinhauser Thomas Jacobs führt das Friedensdorf nach dem Tod des Leiters Ronald Gegenfurtner kommissarisch weiter. Seit zehn Jahren ist er der Stellvertreter. Seit 28 Jahren arbeitet Jacobs schon für das Friedensdorf.
Tage der Trauer in voller Verantwortung für die Arbeit: Der Rheinhauser Thomas Jacobs (Foto oben Mitte) ist vom Tod Ronald Gegenfurtners (Foto oben rechts), dem Leiter des Oberhausener Friedensdorfes, unmittelbar betroffen. Jacobs arbeitet seit 28 Jahren in der weltweit bekannten und angesehenen Einrichtung und ist seit zehn Jahren Gegenfurtners Vertreter.
„Ronald hatte Weitsicht und die Fähigkeit, Situationen klar zu analysieren. Er war auch immer zugänglich für die Sorgen und Note der Mitarbeiter, hat auch im Privaten Hilfestellung geleistet.” Jacobs erlebte den Chef des Friedensdorfes zu Beginn der gemeinsamen Tätigkeit in einer entscheidenden Umbruchphase: „Während des Vietnamkrieges hatte das Friedensdorf verletzte Kinder aus diesem Land aufgenommen und die medizinische Versorgung organisiert.”
Mit dem Ende des Krieges 1975 war klar: „Die Kinder konnten in das nun kommunistisch regierte Land nicht zurück. Deshalb hat Ronald mit uns Mitarbeitern ein Eingliederungsprogramm für die vietnamesischen Kinder in der Bundesrepublik entwickelt.” Hinzu kam die in der Öffentlichkeit gesunkene Aufmerksamkeit für das Friedensdorf, „Nach dem Vietnamkrieg waren wir fast vergessen.”
Ohne Spenden geht nichts
Gegenfurtner knüpfte Kontakte zu Politik, Medien und vor allem zu Bevölkerung um die Spendenbereitschaft zu verstärken. Neben der Betreuung verletzter Kinder aus weltweiten Krisenherden, die für schwere Operationen nach Deutschland geflogen werden, hat das Friedensdorf in von Kriegen zerstörten Ländern auch medizinische Stützpunkte für die Bevölkerung eingerichtet. Jacobs: „In Kambodscha haben wir im Februar die elfte Gesundheitsbasis errichtet. Die zwölfte ist in Bau.”
Das sind kleine medizinische Stationen, in denen die allgemeine Versorgung wie Impfvorsorge, Begleitung von Schwangeren und auch akute Fälle wie einfache Frakturen, behandelt werden.
In Sri Lanka (früher Ceylon), wirkt das Friedensdorf mit Maßnahmen „zur Förderung des interkulturellen Austausches und Kontake zwischen den verschiedenen Ethnien wie Ceylonesen und Tamilen. Da veranstalten wir Wochenenden mit Sportprogrammen für Kinder und Jugendliche aus allen Provinzen. Sport ist auch hier völkerverbindend.”
Tiefe Lücke
Der Tod Gegenfurters reißt eine tiefe Lücke in das Friedensdorf. Jacobs: „Unsere Strukturen sind aber auch aufgrund von Ronalds Arbeit so gut gewachsen und verdichtet, dass die weitere Arbeit auch in seinem Sinn gewährleistet ist.” Sorgen bereiten, so Jacobs, der Rückgang der Spendengelder seit 2007: „Im letzten Jahr hat sich der Zufluss zwar stabilisiert. Aber für 2010, wenn die Folgen der Wirtschaftskrise vielleicht auf die kleinen Leute niederschlägt, befürchten wir weitere Löcher im Etat.”
Die Beerdigung Ronald Gegenfurtners mit internationalen Trauergästen findet am Freitag statt. Über die personelle Situation im Führungsstab will der Vereinsvorstand des Friedensdorfes in den kommenden Wochen in Ruhe entscheiden.
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