Schacht Gerdt: Grün gegen Gewerbe
01.12.2009 | 17:05 Uhr 2009-12-01T17:05:00+0100
Homberg. Die Freiraum-Pläne der Stadt für das Gelände um den alten Schacht Gerdt sind für den neuen Eigentümer „nicht nachzuvollziehen”. Die "Gewerbepark Gerdt GmbH" will die alte Halle gewerblich nutzen und 700.000 Euro investieren. Zwei Jahre lang sprach offenbar nichts dagegen.
Carsten Matthießen schüttelt immer wieder den Kopf. Der Geschäftsführer der „Gewerbepark Gerdt GmbH” kann die Stadt nicht so richtig verstehen. Immerhin will er investieren, hier auf der Industriebrache rund um den alten Schacht Gerdt. Die Substanz der mehr als 50 Jahre alten Halle mit 3700qm und 800qm Büros sei noch in Ordnung, habe ein Gutachten ergeben. Rund 700 000 Euro müsse man da hereinstecken, dann ließe sie sich für einen modernen Betrieb nutzen. Doch die Stadt hat andere Pläne mit dem Areal. Sie will das Gelände wie berichtet zur öffentlichen Grünfläche umwidmen. Das war nicht immer so.
Schließlich hält Matthießen einen Vorbescheid in den Händen, nachdem die gewerbliche Nutzung planungsrechtlich zulässig sei. „Öffentliche Belange” würden durch das Vorhaben nicht beeinträchtigt, hat ihm die Stadt vor zwei Jahren bescheinigt. Also hat die Gesellschaft aus Moers das Areal gekauft. Seit Januar ist sie Eigentümerin des 26 000qm großen Grundstücks. Und wird die alte und vorläufig unter Schutz gestellte Schachtanlage aus der Bergaufsicht entlassen, was in Kürze der Fall sein soll, dann sind die Moerser Besitzer des kompletten Areals mit 43 000qm.
Schnell Nägel mit Köpfen machen
Doch das gesamte Gelände in einen Gewerbepark zu verwandeln, dürfte schwierig werden. Denn letzte Woche hatte die Stadt Matthießen mitgeteilt, dass der Vorbescheid nicht verlängert wird. Das Vorhaben sei nicht zulässig, es beeinträchtige „öffentliche Belange”. Matthießen wundert sich. „Die Gründe, die damals dafür gesprochen haben, sprechen jetzt dagegen.” Er stellt die „Verlässlichkeit und Kontinuität” der Verwaltung in Frage. „Enttäuschend und nicht nachzuvollziehen” sei ein solcher Umgang mit Investoren. Das hat Matthießen auch dem Oberbürgermeister geschrieben. Heute soll es ein Gespräch im Rathaus geben, in der Bürgersprechstunde des OB.
Das Ergebnis dürfte klar sein, sollte sich Adolf Sauerland nicht gegen die Pläne seiner eigenen Fachverwaltung stellen. Nach Ansinnen des Planungsamtes soll das Gelände Freiraum und Bindeglied zwischen Uettelsheimer See und Rheinvorland werden. Weil die Verlängerung des Vorbescheides ansteht, wollte die Stadt schnell Nägel mit Köpfen machen und überraschte die Bezirkspolitik auf ihrer letzten Sitzung mit einem entsprechenden Beschluss. Doch so schnell wollte sich zumindest die CDU nicht zwischen Grün oder Gewerbe entscheiden – und lehnte ab.
Zwischen Umspannwerk und Grubengaskraftwerk
Matthießen hält das Gelände ideal für ein Gewerbepark. Einerseits wegen der guten Anbindung an die wenige Meter entfernte A42, andererseits „weil es eines der wenigen Grundstücke ist, bei dem keinerlei Konflikte mit Anwohnern zu befürchten sind”.
Zudem stehe die gewerbliche Nutzung „in krassem Widerspruch” zu bereits genehmigten Nutzungen auf dem Gelände. Die Firma Mingas betreibt neben dem Schacht ein kleines Kraftwerk, dass Grubengas verbrennt und in Strom verwandelt. Und laut Matthießen haben die Stadtwerke eine Genehmigung für ein Umspannwerk, das allerdings jetzt doch an anderer Stelle entstehen soll.
Entsorgungsunternehmen will sich ansiedeln
Wogegen sich die Stadt vor allem wehren dürfte, ist die Art des Gewerbes, die den Investoren für die Halle vorschwebt. Den Antrag hatte die Firma BEC Umwelttechnik gestellt, ein Entsorgungsunternehmen aus Moers, dem die eigene Fläche in der Nachbarstadt zu klein ist.
Die Gespräche mit anderen Firmen, die sich für eine Ansiedlung interessieren, lässt der neue Eigentümer erst einmal ruhen. Bisher habe man ein Teil des Geländes von Gestrüpp befreit, wobei man eine Cannabis-Plantage entdeckte, zudem Asbest und Altölfässer entsorgt. Vorstellbar sei in einem Gewerbepark vieles, sagt Matthießen, von einem Discounter für das nahgelegene und unterversorgte Baerl bis zu einer gastronomischen Nutzung des Schachts. „Doch erst einmal müssen wir endlich Klarheit haben, ob die Stadt an dieser Stelle Investitionen und Arbeitsplätze wünscht oder eben nicht.”
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