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Karpfen sollen Toeppersee von Pflanzenplage befreien

03.12.2009 | 20:56 Uhr
Karpfen sollen Toeppersee von Pflanzenplage befreien

Duisburg. Gegen die Schlingpflanzen-Plage im Toeppersee zeichnet sich eine preisgünstige und natürliche Lösung ab: Eine einheimische Karpfenart könnten die Elodea wegfressen. Der Ruhrverband macht's vor: In seinen Stauseen hat er tausende Rotfedern als Algenfresser ausgesetzt.

Seit Jahren sorgt die Wasserpest im Toeppersee für Ärger. Angler, Segler, Surfer, Lebensretter - sie alle können das Klagelied über den Schlingpflanzenteppich anstimmen. In diesem Sommer war's besonders schlimm. Die Stadt steht dem Phänomen macht- und tatenlos gegenüber, hat aber eine halbe Million Euro zur Bekämpfung in den Haushalt gestellt. Doch es werde Millionen und Jahre kosten, das Problem zu lösen, prophezeite Peter Greulich noch im Sommer: „Ein Naturereignis kann die Politik nicht aufhalten.” Wenn sich der Umweltdezernent da mal nicht geirrt hat. Denn das Naturereignis könnte die Natur selbst aufhalten. Und die Politik kann dabei nachhelfen.

Wie das geht, macht der Ruhrverband derzeit vor: Er setzt in seinen Ruhrstauseen tausende Fische aus, die die Pflanzen wegfressen. Und die für Duisburg beste, weil meist entscheidende Nachricht: Die Lösung ist spottbillig.

Die 9000 gezüchteten Fische, die der Ruhrverband vor wenigen Wochen pro See ausgesetzt hat, kosten rund 6000 Euro. Die sogenannte „Rotfeder”, eine heimische Karpfenart mit blutroten Flossen, die in NRW zu den gefährdeten Arten zählt, frisst pro Tag bis zu 25 Gramm der lästigen Alge. Über die simple Variante zur Bekämpfung der „Elodea nuttallii”, die vom Grund so hoch wächst, dass sie den Toepper mit einem grünen Teppich bedeckt, wird bald auch in Duisburg diskutiert werden. Die Rheinhauserin Angelika Röder, designierte Vertreterin der Bürgerlich-Liberalen im Umweltausschuss, ist auf die Aktion des Ruhrverbands aufmerksam geworden.

Studie über 380 Seiten

„Warum sollte das nicht auch hier funktionieren?”, fragt sie. Die preisgünstige Lösung biete sich an, weil man angesichts der Finanzlage in Duisburg ohnehin nur noch „kleine Fische fangen” könnte. Mit einem entsprechenden Antrag im Umweltausschuss will sie das Projekt anstoßen.

Das Aussetzen einer so großen Menge an Fischen ist nicht ohne Risiko. Das beste Beispiel liefert derzeit die USA, wo asiatische Karpfenarten ausgesetzt wurden, um störende Algen zu beseitigen. Im Mississippi und anderen US-Flüssen haben sie inzwischen viele einheimische Fische ausgerottet. Die Riesenkarpfen als Allheilmittel sind selbst zur Plage geworden.

Schenkt man der Studie des Ruhrverbands Glauben, besteht bei der Rotfeder kein Grund zur Sorge. Auf mehr als 380 Seiten wurden Lösungen analysiert. Das bisher eingesetzte Mähboot zeigte keinen Erfolg und kostet pro Jahr über 200 000 Euro. Zwei pflanzenfressende Fischarten hat der Verband untersucht, die Rotfeder und den chinesischen Graskarpfen. Letztere eignet sich aber auch weniger, weil er andere Pflanzen im gleichen Maß frisst und erst bei hohen Temperaturen richtig Appetit bekommt. So hat der Ruhrverband vor wenigen Wochen jeweils 9000 Rotfedern in den Kemnader- und Baldeneysee sowie je 4500 in den Hengstey- und Harkortsee gesetzt. Entscheidend, und das wäre für Duisburg nicht anders, ist der Zeitpunkt: Die Rotfedern müssen sich erst fortpflanzen, um das Elodea-Wachstum entscheidend eindämmen zu können. Ein Weibchen legt im Frühjahr bis zu 200 000 Eier. Ist der Bestand groß genug, beginnt das große Fressen.

Ingo Blazejewski

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