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Kameras im 20. Stock

23.02.2009 | 21:00 Uhr
Kameras im 20. Stock

Heute starten im Hochheider Hochhausviertel wieder Dreharbeiten für einen Kinofilm. Für drei Monate hat sich die Produktionsfirma an der Ottostraße einquartiert, um die Komödie "Renn, wenn Du kannst" zu drehen. Warum die Weißen Riesen in der Filmbranche beliebt sind...

Für die einen sind die Weißen Riesen ein Problemviertel, für andere ein gewinnversprechendes Investment, für hunderte Hochheider ein Zuhause. Und für Filmemacher sie in jedem Fall eine beliebte Hintergrundkulisse. Ab heute wird wieder gedreht in den 20-stöckigen Hochhäusern. Drei Monate soll es dauern, bis die Firma Wüste-Film die Szenen für ihren Kinofilm „Renn, wenn Du kannst” im Kasten hat.

Die Wohnung an der Ottostraße 58 ist für den Dreh renoviert, Mietmanagerin Beate Schwegmann hatte der Filmcrew diverse Wohnungen gezeigt, darunter einige mit hübscher Aussicht auf den Niederrhein. Doch als sie die 84 Quadratmeter im 16. Stock betraten, in der vor wenigen Monaten auch Jürgen Vogel den Streifen „This is Love” gedreht hatte, hieß es direkt „Ja, dat isse”. Wer von dort aus dem Fenster schaut, hat direkt die gegenüberliegende, leerstehende Wohnblock-Ruine im Blick.

Fernsehstars aus NRW

Schon bei „This is love” musste das Viertel für das benötigte Schmuddelimage herhalten. Jürgen Vogel und sein Team waren bei der Drehort-Suche am Original-Schauplatz nicht fündig geworden und mussten für die authentische Ost-Berliner Plattenbau-Atmosphäre erst bis nach Homberg reisen. Der Film ist längst abgedreht, im Laufe des Jahres soll er in den Kinos anlaufen.

Jürgen Vogel, Daniel Brühl, UB40 und Iris Berben

Filmaufnahmen zu Elefantenherz in einer Hochheider Hochhaus-Wohnung (Foto: Sosic/Stadt Duisburg)

Prominent platziert war die Hochheider Hochhaus-Kulisse bereits bei „Elefantenherz”. Der 2001 gedrehte Streifen beginnt mit der eindrucksvollen Szene, die aus dem Helikopter gedreht wurde: Hauptdarsteller Daniel Brühl, der einen Ruhrpott-Rocky mimt, übt sich im Schattenboxen auf dem Hochhaus-Dach. Regisseur Züli Aladag hat Filmszenen später noch im Musikvideo zu „Rudie” von UB40 untergebracht, bei dem er ebenfalls Regie führte. Die britische Combo drehte mit Tilmann Otto alias Gentleman ebenfalls auf dem Dach, der Clip ist auf diversen Internetportalen zu finden. Bezeichnend für die Wahl des Drehorts bei Elefantenherz ist die Erklärung von Regisseur Aladag in einem Interview: „Wenn man dort die Häuser und Wohnungen filmt, versteht der Zuschauer sofort, warum unser Held Marko, den Daniel Brühl spielt, da raus will.”

Susanne Kirches, bei der Duisburger Wirtschaftsförderung für Drehort-Anfragen zuständig, weiß auch abseits der markanten Hochhaus-Kulisse um die Vorteile Duisburger Stadtansichten: „Bei der Suche nach bestimmten Milieus fällt Duisburg besonders oft in die Auswahl, wenn das Nebeneinander von Industrie und Wohnen oder zeitgeschichtliche Entwicklungen gezeigt werden sollen”. Beispiel: Der Film „Die Mauer - Berlin '61”, bei dem Iris Berben 2005 im Homberger Rheinpreußenpark vor der Kamera stand.

Produktionsbüro im Businesspark Asterlagen

Dreharbeiten auf dem Dach: Musikvideo von UB40. (Foto: Köppen/Stadt Duisburg)

Nach einem deutlichen Rückgang in den Vorjahren hätten die Anfragen der Filmbranche seit einem Jahr wieder zugenommen, berichtet Kirches. Die Wirtschaftsförderung legt die Drähte, weil Filmproduktionen auch Aufträge für die lokale Wirtschaft mitbringen. Das reicht von der Immobilienvermittlung über Catering und Handwerker bis zur Security und Absperrservice. Für „Renn, wenn Du kannst” hat Wüste-Film beispielsweise das Produktionsbüro in Rheinhausen im Businesspark Asterlagen bezogen. Die Firma hatte sich dort bereits 2005 eingerichtet, als Regisseur Fatih Akin die Komödie „Solino” mit Moritz Bleibtreu drehte. Auch „Renn, wenn Du kannst” gliedert Wüste-Film in das Komödien-Genre ein. Der erste Kinofilm von Regisseur Dietrich Brüggemann erzählt die Geschichte von Ben, der im Rollstuhl sitzt, von der großen Liebe träumt und sich in die gleiche Frau verliebt wie sein Zivi Christian.

Die Hochhäuser als Drehort sprechen sich in der Branche herum, sagt Mietmanagerin Schwegmann. Die Bewohner hätten damit keine Probleme. Im Gegenteil. 200 Leute hätten im Herbst noch spät abends vorm Haus gestanden, als die Front für den Dreh von „This is love” die ganze Nacht beleuchtet und die Straße abgesperrt war. Schwegmann freuen die Aufnahmen auch aus finanziellen Gründen: Die Mieteinnahmen fließen in den Neubau des Spielplatzes neben dem Haus.

Und auch die heute startenden Dreharbeiten werden nicht die letzten sein. Bereits im Dezember sollte an der Ottostraße ein Fernseh-Krimi mit einem Berliner Kommissar gedreht werden, die Aufnahmen aber dann auf einen unbekannten Termin verschoben. Für den Sommer gibt's eine weitere Anfrage. Dann will der WDR seine Kameras aufbauen. Sozialkritisch soll der Film werden und über Problemjugendliche handeln.

Ingo Blazejewski

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