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Die Gedanken sind noch ganz weit weg

09.12.2008 | 18:07 Uhr

Die Indientour hat bei den fünf Bergheimern tiefe emotionale Spuren hinterlassen.

Die Karmariders sind am vergangenen Samstag von ihrer achtwöchigen Indientour zurückgekehrt - körperlich. Gedanklich und emotional sind die fünf jungen Männer aus Bergheim noch „total weit weg”. Wer ihre Tagebucheinträge auf der Internetseite auch nur ansatzweise verfolgt hat, war sich schnell im Klaren darüber, dass diese 58 Tage auf dem Subkontinent den bislang größten Einschnitt im Leben von Karsten Meyer, Niels Petersen, Oliver Schrenk, Christian Dominik und Tobias Schüppen bedeuten würden.

„Wir sind froh, dass wir noch nicht mit dem Alltag konfrontiert worden sind”, sagen Petersen, Dominik und Schüppen im Gespräch mit der Redaktion. Was für Meyer und Schrenk allerdings nicht gilt, ihr Studienplan hat sie in einem harten Schnitt zurück in die deutsche Wirklichkeit geholt. Eine Realität, die nach einer so langen Zeit in einer Region, wo es manchmal einfach nur ums Überleben geht, kaum auszuhalten ist. „Plötzlich stören mich diese Kleinigkeiten, über die sich die Menschen hier ärgern. Etwa die Suche nach einem Parkplatz”, gibt Petersen einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt. Tobias Schüppen machte seinen Vater darauf aufmerksam, dass der Betrag für die neue Schachtel Zigaretten in Indien ausreichen würde, um eine Familie ein Woche zu ernähren. Und Dominik verkriecht sich beinahe, um langsam in den Alltag zu starten.

Wenn sie in diesen Tagen Fotos (über 5000) und Filmmaterial (etwa 40 Stunden) anschauen, komme es ihnen surreal vor, wenn sie sich selbst sehen. „Wie ein langer Traum.” Und wenn ein Anekdote nach der anderen aus ihnen heraussprudelt, bekommt man das Gefühl, dass das Aufwachen sehr schwer fällt. Doch das ist nur allzu verständlich angesichts der unglaublichen Reizüberflutung. „Jeder Tag war so, als ob er 36 Stunden hätte.”

Diese Flut brach zudem völlig unvorhergesehen auf das Radtteam ein. Vor dem Abflug im Oktober hatten sie noch damit gerechnet, dass sie teilweise völlig alleine über die Pisten rollen würden. Dass sie mit ihrer Vorstellung völlig daneben lagen, offenbarte sich bei der Ankunft am Flughafen. Von 300 Menschen und diversen Medien empfangen zu werden, bedeutete einen regelrechten Schock. „Wir waren nicht nur woanders, wir waren auch etwas ganz anderes”, blicken sie auf ihre Rolle zurück. Sie waren Stars. Viele der Einheimischen - gerade Kinder - sahen zum ersten Mal einen Menschen mit weißer Hautfarbe. Die Karmariders schätzen, dass sie bei den unzähligen Empfängen und Radtouren rund 80 000 Menschen in irgendeiner Form begegnet sind.

Diese Berühmtheit hat ihre Ursache auch darin, dass die Gäste aus Deutschland zu Friedensengeln emporgehoben wurden. Wie berichtet, gab es während des Aufenthaltes Unruhen in der Provinz Assam.

Die Herausforderung, rund 2500 Kilometer in schwierigem Gelände mit dem Rad zu bewältigen, entpuppte sich als völlig unproblematisch. „Das war fast Entspannung. Da konnten wir eine Auszeit im Kopf nehmen.”

Alles andere als entspannend seien teilweise die Anblicke gewesen, die sich den Karmariders boten. Ein nacktes Baby, das vor einem Bahnhof auf dem Beton lag, hat sich bei ihnen ins Gedächtnis eingebrannt, ebenso wie der Besuch einer Leprastation. Angesichts der allgegenwärtigen Armut - wobei es auch eine Art Mittelstand gebe - seien die gesammelten 45 250 Euro so etwas wie der Tropfen im Ozean.

Für die beiden Projekte, die die Karmariders und die Child-Aid-Stiftung unterstützen, sei die Summe bestens investiert. Mit einer Gemeinschaftsschule wird Kindern im Alter von zehn bis 25 Jahre Zugang zu Bildung ermöglicht - Zehnjährige arbeiten in Indien in aller Regel schon... Und im Snehalaya-Projekt wird Straßenkindern eine Bleibe geboten. Die Karmariders hoffen, dass in den kommenden Tagen noch Spenden kommen.

Ihre Erlebnisse wollen die Karmariders in einem Film und in Buchform festhalten. Sie könnten sich sogar vorstellen, die Art der Hilfe weiterzuführen, wenn sie damit den Lebensunterhalt verdienen - aber nicht mit dem Rad.

Tobias Bolsmann

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Kommentare
15.12.2008
10:27
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