Baerler Widerstand ist 78 Seiten dick
10.07.2009 | 19:50 Uhr 2009-07-10T19:50:00+0200
Die Bürgerinitiative gegen das Grubengaskraftwerk hat ihre Einwände in Arnsberg eingereicht und debattierte am Freitag Abend im Rathaus mit dem Oberbürgermeister, Vertretern aus Arnsberg sowie von Evonik. Nebenbei hofft sie auch noch auf einen Ex-Minister.
Bis zur letzten Minute haben sie in den Unterlagen nach Schwächen gesucht. Und nach Gründen, die gegen ein Grubengaskraftwerk in Baerl sprechen. Gefunden haben die Bürgerinitiative und ihre Juristen jede Menge Einwände. Die haben sie jetzt bei der Bezirksregierung Arnsberg eingereicht – auf den letzten Drücker, am letzten Tag der Frist, auf stolzen 78 Seiten. „Das liest sich so spannend wie ein Thriller”, sagt Sprecher Thomas Balitzki-Schulze.
Die Einwände im Genehmigungsverfahren sind die eine Sache, mit der die Baerler gegen die von der Firma Mingas geplante Anlage vorgehen wollen. Parallel versucht sich die Initiative bei Entscheidungsträgern Gehör zu verschaffen. Wie zum Beispiel am Freitag im Duisburger Rathaus. Oberbürgermeister Adolf Sauerland hatte zum „Runden Tisch” geladen. Mehr als vier Stunden wurde bis in den Abend hinter verschlossenen Türen diskutiert.
Oliver Wittke: Nicht mit der Brechstange
Neben Vertretern der Bezirksregierung Arnsberg, der Verwaltung und der Mingas-Mutter Evonik saß auch ein eher unerwarteter Gast am Tisch: Oliver Wittke, der Ex-Landesverkehrsminister, der zuletzt mit seinem neuen Zweitjob als Manager bei der Hellmich-Gruppe für Schlagzeilen sorgte. Wittke war gestern als wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion angereist. Bereits vor einigen Tagen hatten Vertreter der Baerler Bürgerinitiative mit Wittke im Landtag über das Kraftwerk debattiert, der Baerler CDU-Ratsherr Thomas Kempken hatte den Kontakt hergestellt.
Von Wittke verspricht sich die Initiative, bei der Standortfrage die politische Ebene mit ins Spiel zu bringen. Zumindest gestand der Ex-Minister gestern ein, dass man solche Projekte nicht mit der Brechstange durchsetzen könne.
Erwartungen an den Oberbürgermeister
Was die Bürgerinitiative dagegen vom Oberbürgermeister erwartet, hat sie klar formuliert: Er soll sich „eindeutig schützend vor seine Duisburger Bürger” stellen. Was die Baerler bisher vermisst, hat der OB gestern nachgeholt. Auch er sieht einen Alternativstandort nicht ausreichend geprüft. Darüber soll ein weiteres Gespräch geben – allerdings erst nach den Ferien.
Aus dem Rathaus hätte sich die Initiative dennoch mehr Engagement im Vorfeld gewünscht. „Die Arbeit, die eigentlich die Mitarbeiter der Stadtverwaltung erledigen müssten, haben die Baerler Bürger gemacht”, sagt Balitzki-Schulte. In akribischer Kleinarbeit hätten die Baerler in sechs Wochen so viele juristische wie fachliche Gründe zusammengetragen, dass die Stadtverwaltung das Vorhaben jetzt begründet ablehnen kann. Die Stadt Duisburg hat zwar keine Entscheidungsgewalt, aber sie kann als betroffene Kommune in dem Verfahren Einwände formulieren, die in Arnsberg überprüft werden müssen.
Die beauftragten Fachleute und Juristen der Initiative zumindest kommen zu dem Ergebnis, dass die Anlage nicht genehmigt werden darf, weil die Voraussetzungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht vorliegen. Insbesondere seien die Pflichten zur Abwehr immissionsbedingter und sonstiger Gefahren und zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen nicht erfüllt.
Von „völlig unzureichend” bis „gänzlich außer Acht gelassen”
So würden die Grenzwerte für Formaldehyd im Abgas um das Dreifache überschritten, der Brand- und Explosionsschutz sei laut Initiative „völlig unzureichend”, zudem der Schutz gegen Hochwasser, Bergsenkungen und Erdbebengefahren „gänzlich außer Acht gelassen”.
Die Trumpfkarte aber, die die Gegner im Ärmel halten: Der Standort soll nach ihrer Argumentation in einem „faktischen Vogelschutzgebiet” liegen, das Vorhaben sei schon damit nicht mit dem Naturschutz zu vereinen. Die Stadt Duisburg hatte das gesamte Binsheimer Feld als EU-Vogelschutzgebiet angemeldet, die Bezirksregierung Düsseldorf das Areal um das geplante Kraftwerk aber wieder herausgestrichen – weil die Firma Mingas interveniert haben soll, ist die Initiative überzeugt. Der Landtag stimmte den neuen Grenzen schließlich zu – aus rein wirtschaftlichen Gründen und nicht aus ökologischen, beklagt die Initiative und hofft auf die europäische Rechtsprechung.
Überhaupt gibt sich die Initiative selbstbewusster als je zuvor. „Unsere Begründungen sind so hammerhart und wasserdicht, dass wir nur noch die Möglichkeit sehen, dass die Anteilseigner Evonik und RWE das Vorhaben jetzt endgültig stoppen müssen”, sagt Balitzki-Schulze.
23:08
Der Strom wird für uns sowieso teurer werden, egal, ob alternativ oder konventionell!
Die Frage ist doch einfach, ob Bürger sich unter dem Schild der regenerativen Energien alles gefallen lassen müssen.
Das, was jetzt in Baerl geplant ist, ist ein Witz, aber über den kann ich nicht lachen!
20:03
Wer alternative Energien haben will,sollte man ein Windkraftrad in die Nähe stellen.
Wir habe eins.Das Geräusch der Flügel und die Schattenspiele sind wunderbar.Alles hat seine Vor und Nachteile.Und Solar wird hier nicht efektiv sein bei unseren Sonnestunden
10:53
Dieser Baerler Widerstand ist nicht nachvollziehbar. Ich habe selbst neben solch einer Bohrstelle gewohnt. Man merkt nichts. Die Eigeninteressen dieser Gemienschaft trübt den Blick auf die Wahrheit.
Man kann nur hoffen, dass gebohrt wird und die Baerler kein Recht bekommen.
20:34
Der benötigte Strom kann auch durch alternative Energien erzeugt werden, die die Nachteile für die Bevölkerung wesentlich geringer halten.
Außerdem halte ich es für ein Ammenmärchen, dass wir dadurch billigen Strom erhalten sollen.
Und Leute, die sich engagieren, sich mit den Fakten vertraut machen und auf Fehler und Gefahren hinweisen, mit irgendwelche Bürger zu titulieren wie MannMeiderich es in seinem Kommentar tut, find ich ziemlich unverschämt.
14:33
Sicher brauchen wir alle Strom, aber für eine Industrieanlage einen Standort nahe eines Wohngebietes dafür zu nutzen, der allen Nachbarn nur Nachteile bringt (Abgase, Lärm Tag und Nacht), sowie sich nachteilig auf Flora und Fauna auswirkt, nur damit ein Wirtschaftsunternehmen seine Gewinne maximiert, ist nicht in Ordnung. Vor allem dann nicht, wenn es Alternativstandorte gibt, und diese aus wirtschaftlichen Interessen nicht genutzt werden ( die Kosten für die Errichtung liegen höher, sind für eine Firma wie Mingas, bzw Rwe und Evonik aber sicher zu verschmerzen).
Es ist ja wohl sehr zu begrüßen, dass hier nicht einfach drauflos gebaut werden darf, sondern die Bürger in dem Genehmigungsverfahren beteiligt sind.
Und wir fordern selbstrversträndlich von unseren gewählten Vertretern in der Politik, dass sie die Bürger auch unterstützen, und Politik im Sinne der Bürger betreiben. Häufig genug werden die Interessen der Bürger mit Füßen getreten, zugunsten der Gewinnmaximierung großer Firmen. Im übrigen ist es wie so häufig auch hier der Fall, dass keine neuen Arbeitsplätze entstehen.
15:34
alle wollen billigen strom.aber keiner ein kraftwerk in seiner nähe!! überall hört man,daß arbeitsplätze vernichtet werden,oder erst gar nicht entstehen,weil irgendwelche bürger hier meinen richter spielen zu müssen.wann wird unsere regierung endlich wach,und baut einfach drauflos??
wir brauchen neue kraftwerke.sonst ist unser strom bald nicht mehr zu bezahlen.
21:22
Hier wurde für Erdwärmer gebohrt... viel spaß
http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/rhein-ruhr/2009/7/10/news-125295554/detail.html