Annington-Mieter kritisieren Kostenflut beim Wassergeld
31.01.2010 | 08:40 Uhr 2010-01-31T08:40:00+0100Duisburger-Rheinhausen. Hochemmericher Mieter sind sauer auf Vermieter Deutsche Annington. Der Immobilien-Gigant aus Bochum langt bei den Nebenkosten kräftig zu. Wie die Abrechnungen zustande kommen, ist noch unklar.
„Schön, hier zu wohnen”, wirbt die Deutsche Annington schwarz-rot-weiß in ihren Siedlungen landauf, landab. Nur leider können nicht alle Mieter des Bochumer Immobilien-Giganten den flotten Werbeslogan unterschreiben.
In Rheinhausen im Wohnblock Friedrich-Ebert-Straße 70-74 sind sie sogar richtig sauer: Denn dort flatterte den rund 100 Bewohnern des siebenstöckigen Hochhauses eine satte, rekordverdächtige Erhöhung der Heizungs- und Betriebskosten für 2008 ins Haus. Jeweils um mehr als 100 Prozent!
„Schöner Wohnen” sieht anders aus: Die Keller sind mit blauen Tüten zugemüllt, das äußere Umfeld schmuddelig, der Aufzug streikt, Flur und Außenfassade des Mehrfamilienhauses mit dem Charme der frühen 60er könnten auch mal wieder einen frischen Anstrich vertragen. Und im Flur riecht es nach Kohlsuppe. Früher gab es einen Hausmeister vor Ort. Sein Nachfolger wohnt irgendwo, aber nicht in Duisburg. „Schön hier zu wohnen”? Na, ja...
Einige sind schon ausgezogen oder haben es vor. Susanne (42) und Fred (54) Meyer, die in der 89-Quadratmeter-Wohnung im zweiten Stock von Nummer 70 ab 2001 eine neue Heimat fanden, wollen bleiben.
Wasserkosten sollen um 125 Prozent gestiegen sein
Wenn da nur nicht diese Horrorabrechnungen wären: Die Gesamtkosten für Wasser sollen für den gesamten Block von 2007 auf 2008 um mehr als 125,74 Prozent gestiegen sein, von 11 837,62 Euro auf 26 722,47 Euro. Gar um 135,97 Prozent, errechnete Meyer, steigerten sich die Kosten für Entwässerung von 12 326,42 auf 29 086,60 Euro. Das Einzige, was in den Abrechnungen der Annington noch halbwegs logisch klingt, sind die folgerichtig stark erhöhten Vorauszahlungen ab 1. Februar 2010: Bei den Betriebskosten von 109 auf 155 Euro (42,2 Prozent plus), bei den Heizkosten von 165 auf 201 Euro (49,28 Prozent plus). Fred Meyer, der auch die Interessen sechs anderer Mitmieter, denen es ähnlich geht, vertritt, findet das: „Sagenhaft!” und „Wahnwitzig!”
„Hier wohnen schon seit vielen Jahren eine große Anzahl älterer Menschen, die von kleinen Renten leben müssen dazu einige Hartz-IV-Empfänger”, sagt der Schifffahrtskaufmann, ein gebürtiger Bremer: „Ein telefonischer Kontakt zur Deutschen Annington ist nur über die Service-Hotline möglich Bis man da überhaupt jemanden an die Strippe bekommt, muss man schon viel Geld ausgeben. Einige meiner Nachbarn haben bis zu 20 Minuten in der Warteschleife gehangen. Deswegen habe ich es gar nicht erst versucht.” Und wenn jemand antworte, werde man mit der Aussage beschieden: „Schreiben Sie uns - telefonisch geben wir keine Auskünfte.”
Genau das tat Fred Meyer letzte Woche und legte schriftlich Einspruch gegen den Bescheid von Anfang Januar ein. „Unsere Mitmenschen hier können sich nur schwer gegen diese überhöhten Abrechnungen, Nachzahlungen und Vorauszahlungen wehren”, gibt Fred Meyer zu bedenken. „Sie ergeben sich ihrem Schicksal und lassen die Beiträge per Lastschrift abbuchen. Denn die wenigsten wissen, wie mit solchen Lastschriften umzugehen ist. Ist das Geld einmal abgebucht, ist es für diese Leute auf Nimmerwiedersehen weg Und danach kommt für die meisten hier die Armut.”
Jetzt will man erst nochmal nachrechnen
Über ähnliche Fälle in einer Bonner Siedlung berichtete vor einigen Wochen auch die WDR-Info-Sendung „Aktuelle Stunde”. Damals musste die Deutsche Annington überhöhte Abrechnungen öffentlich einräumen.
Wie dieser Fall ausgeht, steht zur Stunde noch in den Sternen. Annington-Pressesprecherin Katja Weisker sagte dieser Zeitung eine genaue Überprüfung der Abrechnungen für die Hochemmericher Mieter zu: „Wenn etwas nicht stimmt, bringen wir es in Ordnung. Aber so auf die Schnelle können wir nichts bestätigen. Da brauchen wir etwas Zeit.”
Sollen sie haben: In der kommenden Woche will die Annington nachrechnen und reagieren. Man darf gespannt sein. Sind die Meyers und ihre Nachbarn auch.
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