Von Wikingern und süßen Ungarn
21.11.2010 | 16:12 Uhr 2010-11-21T16:12:00+0100
Das Wetter spielte zum Auftakt des Duisburger Weihnachtsmarktes mit. In den ersten Tagen war es rappelvoll.
Im Jahre 883 suchten die Wikinger Duisburg heim und bescherten der Stadt die erste urkundliche Erwähnung. Die Nordmannen hätten wohl die Welt nicht mehr verstanden, hätte ihnen jemand gesagt, dass 1127 Jahre später auf dem Weihnachtsmarkt ausgerechnet aus dem Nachbau eines ihrer Schiffe heraus Glühwein und andere flüssige Leckereien feil geboten werden.
Gastronom Thomas Seven hat für den neuen Blickfang am König-Heinrich-Platz gesorgt. „Vor einem Jahr ist das Boot noch als Ausflugsschiff auf der Havel geschwommen“, erklärt er. Doch dann war eine Generalüberholung nötig, die der frühere Eigentümer sich wohl nicht leisten konnte. „Ich habe das Ding bei einer Internet-Versteigerung entdeckt und gleich zugeschlagen“, grinst Seven. Drei Monate lang wurde das Drachenboot mit dem passenden nordischen Götter-Namen „Freyja“ in Brandenburg umgebaut. Nun hat es in Duisburg den ersten Einsatz.
Premiere hat in der City auch der ungarische Baumkuchen, der aufgrund des unaussprechbaren Namens als „Tolle Rolle“ an die Kunden gebracht wird. Ausgerechnet eine Duisburger Familie betreibt den neuen Stand an der Düsseldorfer Straße. „Wir hatten uns schon früher beworben“, erklärt Gabriele Epskamp. „Aber erst in diesem Jahr hatten wir Glück, weil jemand abgesprungen war.“ Nun verkaufen sie die knusprige,vor den Augen des Kunden frisch zubereitete Spezialität, deren Rezept ursprünglich aus Siebenbürgen stammt. Über Holzrollen wird der Teig gegrillt - außen knusprig, innen saftig. „Und die Kalorien haben wir schon rausgemacht“, grinst Gabriele Epskamp. „Die waren in dem Loch in der Mitte.“
An seinen 130 Ständen und Fahrgeschäften hat der Weihnachtsmarkt nicht viel Neues zu bieten. Die meisten Händler sind genau dor zu finden, wo sie schon seit Jahren stehen. Viele Verkäufer sehen das ebenso als Vorteil, wie es die Besucher zu schätzen scheinen. Dass der Weihnachtsmarkt bei passendem Wetter brummt, bewiesen bereits die ersten Tage nach der Eröffnung: Bis in den späten Abend herrschte Hochbetrieb. „Zum Glück“, meint Thomas Seven, der sich mit Schaudern an Regen und Schneestürme des vergangenen Jahres erinnert.
Doch auch mancher Stand, der schon länger auf dem Weihnachtsmarkt zu finden ist, lohnt einen zweiten Besuch. Zum Beispiel Josef Bachmanns Tiroler Schnitzereien vor dem Forum. „Seit vier Jahren kommen wir nach Duisburg und sind zufrieden“, meint der Chef eines traditionellen Familienbetriebs. Seine Krippen gibt es in barocken, aber auch in dynamischen modernen Formen.
Ziemlich dynamisch wirkt auch Tija Liukkonen. Sie verkauft am Kuhtor Honig aus arktischen Regionen. „Zweieinhalb Monate haben die Bienen nur Zeit“, weiß sie. Die junge Finnin hat neben dem Verkauf ihrer nordischen Spezialität noch ein persönliches Ziel: „Ich will mein Deutsch verbessern.“

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