Vater eines Opfers fordert OB zum Rücktritt auf
04.09.2010 | 08:00 Uhr 2010-09-04T08:00:00+0200Auch sechs Wochen nach dem Tod seines Sohnes hat Karl-Theodor Becks aus Münster noch kein Zeichen des Bedauerns von der Stadt Duisburg bekommen.
Karl-Thoedor Becks hat seinen Sohn Benedict am 2. August beerdigt. Der 21-jährige Student aus Münster war am 24. Juli bei der Loveparade in Duisburg ums Leben gekommen. „Bis heute habe ich kein Zeichen des Bedauerns von der Stadt bekommen“, so der erschütterte Vater. In einem Offenen Brief hat er Oberbürgermeister Adolf Sauerland nun aufgefordert, von seinem Amt zurückzutreten.
„Ein Kind zu verlieren, ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann“, schreibt Karl-Theodor Becks. „Ich fordere Sie unmissverständlich auf, endlich von Ihrem Amt als Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, ohne wenn und aber, zurückzutreten - auch wenn Sie damit auf mögliche Pensionsansprüche verzichten müssen. Jeder Tag, den Sie länger im Amt bleiben, stellt eine Beleidigung und Verhöhnung der Opfer dar und schadet außerdem dem Ansehen der Stadt Duisburg.“
Dass Adolf Sauerland am 15. August in einem Fernseh-Interview behauptete, er kenne die Namen der Toten nicht, macht Karl-Theodor Becks fassungslos. „Schließlich hat es die Stadtverwaltung ja auch geschafft, uns über das Bestattungsunternehmen die Sterbeurkunde zuzustellen“, sagte er gestern der NRZ.
Mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft habe er eine halbe Stunde lang telefoniert, berichtet Karl-Theodor Becks. „Inzwischen haben wir vom Land 20 000 Euro Soforthilfe erhalten.“ Seine Ehefrau und die beiden Geschwister Benedicts würden therapeutisch betreut. Aus Duisburg dagegen sei kein Zeichen des Bedauerns gekommen. „Ich hätte es einfach als eine Form des Anstands betrachtet, dass die Stadtspitze wenigstens ein Kondulenzschreiben schickt oder einen Kranz zur Beerdigung.“
Karl-Theodor Becks fällt es sechs Wochen nach der Loveparade schwer, über den Verlust zu sprechen, der seine Familie getroffen hat. Wenn er von Benedict spricht, kann er die Tränen nicht zurückhalten. Das letzte Mal hat er seinen Sohn zwei Tage vor dessen Tod gesehen, als er mit seiner Frau in einen Urlaub aufbrach, der mit der Unglücksnachricht ein abruptes Ende fand. „Als wir uns verabschiedet haben, hat er uns umarmt und gesagt: Passt gut auf euch auf, damit euch nichts passiert. Uns ist ja nichts passiert, aber er war zwei Tage später tot...“
Nichts und niemand könne ihm seinen Sohn wiederbringen, sagt Karl-Theodor Becks. Aber was er tagtäglich aus den Medien an gegenseitigen Schuldzuweisungen mitbekomme, sei unerträglich. „Da bekommt man maßlose Wut und fühlt sich gleichzeitig so hilflos.“ Es sei an der Zeit, dass jemand ein Zeichen des Anstands setze. „Der Oberbürgermeister ist sicher nicht direkt Schuld am Tod von 21 Menschen, aber es würde von Charakter zeugen, wenn er endlich die politische Verantwortung übernimmt.“

17:32
# 97
...weil die Geschichte ja voll ist von Beispielen, wo die Mehrheitsmeinung stets und auch im Nachhinein als richtig zu bezeichnen ist. Sie haben sehr einfache sozialpsychologische Mechanismen nicht verstanden. Ich befürchte, Dummheit ist eigentlich ihr Schattenarchetyp. Mangelnde kognitive Leistungsfähigkeit lässt sich im Gegensatz zu Trauer nicht therapieren. Um Trauer zu heilen, muss man verarbeiten, nicht verdrängen. Freiherr von der Sonnenaue liegt richtig.
16:17
Habe heute in unserer Tageszeitung, die Borkener Zeitung, über den harten Schicksalsschlag der Familie Karl-Theodor Becks gelesen. Obwohl fast 8 Wochen seit der Loveparade vergangen sind, trotzdem bekam ich hierbei noch eine „Gänsehaut.“ Als Außenstehender kann man wohl gar nicht richtig nachempfinden, was diese Familie durchmachen musste und noch muss. Denn ein Kind zu verlieren ist für Eltern einfach das Schlimmste. Deswegen möchte ich an dieser Stelle der Familie Karl-Theodor Becks mein tiefstes Mitgefühl aussprechen und ihnen Trost und Zuversicht für die Zukunft zusprechen.
Genau, wie Herr Becks, habe ich am 17.08.2010 dem OB Sauerland in einer E – Mail zum Rücktritt aufgefordert. Nachdem die Ratsmitglieder der CDU – Fraktion die Abwahl des OB´s verhindert hat, sollten die Wähler bei der nächsten Kommunalwahl diese Verhalten im Gedächtnis halten und die CDU ihre Stimme verwehren.
Und hier meine Mail vom 17.08.2010 an OB Sauerland:
Sehr geehrter Herr OB A. Sauerland,
als ich am letzten Wochenende Ihr Interview im WDR-Fernsehen sah, wären mir vor Rührung und Mitleid fast die Tränen gekommen - Was Sie so alles in den letzten 14 Tagen erleben mussten, das muss ja schrecklich für Sie und Ihrer Familie gewesen sein. - Und dann noch diese von Ihnen geschilderte Morddrohung. - Ach neee, tut mir das Leid!!??
Nein, so empfinde ich es wirklich nicht. Da nützt Ihr neuer PR – Berater Ihnen auch nicht mehr viel. Für Menschen, wie Sie und den Veranstalter Schaller und die Mitarbeiter aus der Genehmi-gungsbehörde habe ich leider keinen Funken Mitleid.
Sie haben weder den Mumm, noch den Anstand aus Ihren dilettantischen Entscheidungen, die von Geltungsdrang und Gier geprägt waren, wie man in der Presse mehrfach lesen konnte, wenigsten die politisch notwendige Konsequenz hieraus zu ziehen. - Selbst nach fast drei Wochen Bedenkzeit haben Sie da nichts zu gelernt!!
Und hier nur ein kleiner Ausschnitt aus der Presse:
„Kommentatoren ließen kaum ein gutes Haar an ihm: Sauerland gebe noch immer keine Antwort auf die drängenden Fragen nach der moralischen und politischen Verantwortung, kritisierte die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (Essen), in der auch von Selbstgerechtigkeit und Verdrängungstaktik die Rede ist. Seinen ersten Auftritt im Duisburger Stadtrat hat Adolf Sauerland am 6. September bei einer Sondersitzung zur Loveparade. Dpa“
Man muss schon hart gesotten sein, um so fest auf seinem Stuhl zu kleben und zwar mit der fadenscheinigen Begründung, dass Sie zunächst zur Aufklärung beitragen und dann erst über Ihre Konsequenzen hieraus nachdenken wollen. - Nebenbei gesagt, könnte man das auch andersrum machen. Zuerst die Konsequenzen ziehen und dann zur Aufklärung beitragen. Denn dass könnten Sie auch ohne noch ein Amt inne zu haben. Das ist der Staatsanwaltschaft und den entsprechenden Gremien völlig egal. - Andererseits hatte ich auch bereits gelesen, dass Sie, Herr Sauerland, mit Ihrer Abwahl durch die Ratsmitglieder einverstanden waren. So etwas müsste man als einen klassischen Widerspruch auffassen. Oder ist diese Doppelzüngigkeit kaltes Kalkül von Ihnen, um nicht auf Ihre „Pfründe“ verzichten zu müssen. Das heißt, dem Steuerzahler auch noch weiterhin auf die Tasche liegen können. Das ist, wäre das Ihr wirklicher geheimer Hintergedanke, schon an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten.
Was ich da im „Stern“ - Nr.31 und auch in den anderen Medien lesen konnte, wenn hier diese Angaben so zutreffen, dann ist für mich die Schuldfrage eindeutig. Denn -
schon in 2007 gab es eindeutige Warnungen von allen Seiten für diesen Austragungsplatz der Loveparade – Ihre Aussage, Herr Sauerland, in der ersten vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz behaupteten Sie u.a., Sie hätten von den Warnungen nichts mitbekommen. Und gleichzeitig wurde ein Dokument in die Kamera gehalten, das so eine schriftliche Warnung an Sie adressiert war. - Also, eine Lüge von Ihnen in aller Öffentlichkeit? Auch waren solche Warnungen schon vorher mehrfach im Internet und in den Zeitungen
aber alle, diese Kritiker wurden als Spaßbremsen abgetan und Sie sogar ihren Rücktritt aus dem Amt gefordert haben sollen
laut Stern sollen sogar die Ratsmitglieder, die Bedenken hiergegen äußerten, von Ihnen, Herr Sauerland und Ihrer CDU – Fraktion ausgetrickst worden sein. Ebenso die Feuerwehr bei den Sicherheitsgesprächen, usw. - Alle Sicherheitsbedenken der Feuerwehr sollten laut Stern einfach unterm Tisch gekehrt worden sein
und die Polizei wurde erst herbeigerufen, als die Loveparade schon längst im vollen Gange war und vor dem Hilferuf an die Polizei sollen Halbwüchsige jugendliche Leute, behinderte Menschen und Rentner für Ordnungstätigkeiten eingesetzt worden sein und der Leitstand im Container auf dem Austragungsplatz soll nur aus drei Leuten bestanden haben, die ohne oder nicht funktionierenden, kommunikative Hilfsmittel vor der Front alles regeln sollten, aber nicht in der Lage dazu waren
und die Loveparade hätte an dieser Stelle nie und nimmer stattfinden dürfen. - Darüber waren sich die allermeisten Fachleute einig. - Das war der größte Fehler. Denn dieser Austragungsplatz war wie ein „Freiluftgefängnis“, das zudem völlig überfüllt war. - Bochum war da einsichtiger und sicherheitsbewusster und nicht so geltungsbedürftig. - So hätte auch in Duisburg entschieden werden müssen!!!!
Sicherlich lassen sich hier noch eine Vielzahl von weiteren Gründen aufzählen, die für eine eindeutige Schuld der o.g. sprechen. Es tut mir leid, aber ich kann für Leute, die fahrlässig das Leben von Menschen aufs Spiel setzen, keinerlei Mitleid empfinden. Im Gegenteil, ich wünsche ihnen eine gerechte und harte Strafe.
Und bitte, Herr Sauerland, hören Sie auf in dieser Situation zu taktieren, wie z. B. die Schuldfrage hin und her zu schieben. Sie sind oder waren der Leiter der Behörde, die diese Veranstaltung zu koordinieren hatte und Sie als Leiter müssen für sich und auch für Ihre Mitarbeiter die Konsequenz hieraus ziehen und zwar sofort!!! - Auch schon deshalb, damit die Bürger der Stadt Duisburg wider erhobenen Hauptes durch ihre Stadt laufen können. - Und Sie sollten mit mir zusammen den Angehörigen der 21 Menschen, die ihr junges Leben hierbei lassen mussten und den über 500 verletzten Menschen, die teilweise bis zu ihrem Lebensende physische und psychische Leiden ertragen müssen, unser tiefes Mitgefühl aussprechen. - Und Sie sollten sich bei ihnen entschuldigen.
Mit freundlichen Grüßen
Albrecht Henke
20:50
Und irgend wann werden auch die Letzten kapieren, daß der Herr Sauerland niemals seinen Rücktritt bekannt geben wird, sondern sich fein abwählen läßt, damit er seine Bezüge auch schön behält!!!
16:41
#96
Schweigen sollte - angesichts solcher dummdreisten Empfehlungen - lieber der Ratgeber.
Wenn Sie sich die Resolution der Angehörigen- vorgetragen durch einen betroffenen Vater - letzten Montag im Rat angehört hätten, dann hätten Sie auch registriert, dass es sich bei der Rücktrittsforderung nicht um eine Einzelmeinung handelte.
16:17
Ich kann die Trauer des Vaters nachvollziehen und verstehe auch, dass er für sein Seelenheil einen Schuldigen braucht. Das ist Teil seiner Verarbeitungsstrategie und den meisten würde es genauso gehen.
Wenn er dem Herrn Sauerland eine persistente Unfähigkeitseigenschaft zuschreibt, müsste er allerdings irgendwie sicherstellen, dass ein möglicher Nachfolger davon nicht betroffen wäre.
Dass jemand in Zukunft nicht wieder ein identisch lückenhaftes Sicherheitskonzept befürworten würde, reicht dann nicht aus. Sauerland wird dies nämlich sicher auch nie wieder tun.
Was bleibt dem Vater also, wenn man die Argumente gegeneinander abwägt? Ein Bestreben, anderen die Schuld zuzuweisen. Im letzten Satz prangert er sich also selber an.
Lieber Vater,
Sauerland kann dir deinen Sohn nicht wiederbringen. Schweig und akzeptiere deine fürchterliche und schmerzliche Situation. Anders wirst du keinen Frieden finden.
15:15
Na, Sauerland ist ja nicht dumm. Ich habe gehört, dass er die Pension im Sack hat, wenn er bis Oktober durchhält. Dann tritt er zurück und lacht sich kaputt.
Das mit der Soforthilfe ist mir auch nicht klar. Und dann noch von Steuergeldern? Hm. Die Betroffen tun mir Leid und sowas wünscht man keinem. Aber die Soforthilfe widerstrebt mir und das soll doch nur den Staat gut aussehen lassen.
06:38
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22:03
Wie lange noch, Herr Sauerland?
19:32
@taosinn
wir sehen auch vieles ähnlich.
mich ärgert vielmehr, diese Unfehlbarkeit, die manche eindeutig zu Unrecht dem Herrn OB andichten. An anderer Stelle schrieb ich von Scheuklappen.
Man gewinnt den Eindruck, Herr Sauerland kann sich verhalten wie er will und er wird trotzdem hier von Usern unterstützt.
Zugegeben, ich war sehr schnell von dem Verhalten AUS DEM Rathaus empört. DANN reihten sich Tag für Tag Fettnäpfchen aneinander, sodass man einfach in seiner Meinung bestätigt wurde.
Zumal wir immer wieder von POLITISCHER VERANTWORTUNG durch (MIT)- verantwortung der Stadt Duisburg ausgehen bzw. danach argumentieren.
Für gewisse Verteidigungsstrategien aus dem Rathaus kann man ja Verständnis haben...aber über dem Strich?
Kein gute Außenwirkung, miserables Management.
Leider spielt alles keine Rolle, ohne eigene Einsicht -aus dem Rathaus selbst- bleibt ALLES BEIM ALTEN!
Armes Duisburg!
19:15
#90: Ich denke, dass passt. Der OB agiert auf sehr abgesenkten Level, seine Anhänger agitieren auf der selben Schiene. Solche Leute dürfen in DU nicht an die Stadtspitze.