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Selbsthilfekontaktstelle fühlt sich von Stadt Duisburg benachteiligt

04.06.2012 | 19:19 Uhr
Duisburg hat erst kürzlich die finanzielle Unterstützung einer eigenen Kontaktstelle des Vereins Loveparade-Selbsthilfe beschlossen. Doch an der soll jetzt aber gespart werden.Foto: Jakob Studnar

Duisburg.   Die Stadt Duisburg will ihren Beitrag für die Selbsthilfekontaktstelle streichen. Gezahlt hat sie ihn ohnehin noch nie, das übernahm seit 2005 die Sparkasse. PariSozial als Träger kritisiert die Ungerechtigkeit, dass für die Loveparade-Selbsthilfe trotz Sparhaushalt Gelder frei sind.

In der Haushalts-Sparliste der Verwaltung steht die Selbsthilfekontaktstelle unter der Nummer 6-530008. 10.000 Euro will die Stadt hier jährlich sparen. Geld, das sie ohnehin noch nie ausgezahlt hat, weil es zwar politisch beschlossen war, aber als freiwillige Leistung galt. Die Sparkasse springt seit 2005 ein. Ob sie das auch 2013 tut, ist fraglich.

Selbsthilfe-Kontaktstellen in NRW werden von vier Säulen getragen: den Krankenkassen, dem Land, dem Träger und der jeweiligen Kommune. Auf diese Weise kommen in Duisburg rund 80.000 Euro zusammen, von denen zwei halbe Fachkraftstellen und eine halbe Sachbearbeiterstelle finanziert werden. Zugute kommt die Arbeit, die von der PariSozial getragen wird, rund 180 aktiven Selbsthilfegruppen mit insgesamt über 2000 Mitgliedern. An dieser Stelle wird es heikel.

Denn die Stadt hat erst vor wenigen Wochen die finanzielle Unterstützung einer eigenen Kontaktstelle des Vereins Loveparade-Selbsthilfe beschlossen. 50.000 Euro hat die Bezirksregierung für die Initiative und eine jährliche Gedenkfeier abgenickt. „Unsere Klientel hat auch Probleme und greift dafür zum Mittel der Selbsthilfe“, erinnert Andreas Fateh, Geschäftsführer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, „die haben dann auch den gleichen Unterstützungsanspruch, es gibt ja keine Selbsthilfe 1. und 2. Klasse.“

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Insbesondere die Gruppen aus den Bereichen Sucht und Psychiatrie würden „wichtige flankierende Maßnahmen für die Gesundung der Betroffenen geben“, betont Fateh. Viele von der Loveparade Betroffene hätten in den letzten 20 Monaten schon die Dienste der Selbsthilfekontaktstelle in Anspruch genommen und wurden unter anderem an die Loveparade-Selbsthilfe und gegebenenfalls an Fachleute vermittelt , erklärt die Diplom-Pädagogin Anja Hoppermann.

„Wenn die Loveparade-Selbsthilfe eine Anlaufstelle braucht, hätte man auf die Ressourcen der Kontaktstelle zurückgreifen können“, ergänzt Fateh. Gefragt habe jedoch niemand.

Kontaktstelle hilft bei der Vermittlung passender Selbsthilfegruppen

Die Selbsthilfekontaktstelle hilft bei der Vermittlung passender Gruppen, unterstützt bei der Gründung einer Gruppe, begleitet die ersten Treffen moderierend. Die Themenpalette reicht von Adoptiveltern bis zur Zystenniere. Seit Ende 2011 werden auch Ingang-Setzer trainiert, also Ehrenamtliche, die der Selbsthilfe Starthilfe geben.

Die zentralen Akteure der Loveparade

Die Krankenkassen in NRW haben 2012 rund vier Millionen Euro in die Selbsthilfe gesteckt, davon flossen rund 1,5 Millionen Euro in die Kontaktstellen sowie 1,6 Millionen Euro in einzelne Gruppen. In Duisburg werden darüber 45 Gruppen aus dem Bereich Gesundheit mit 300 bis 2000 Euro gefördert, abhängig von der Mitgliederzahl. Bezahlt werden damit Flyer, Raummieten oder Portokosten.

Annette Kalscheur


Kommentare
05.06.2012
15:19
KritikierMH | #3
von JuergenRohn | #4

Ihr Appell verhallt ungehört. Denn OB Sauerland, den Sie mit ihren Zeilen vermutlich meinen, ist mittlerweile nicht mehr im Amt.

05.06.2012
12:35
Selbsthilfekontaktstelle fühlt sich von Stadt Duisburg benachteiligt
von KritikierMH | #3

Haben die ach so Betroffenen noch immer nicht genug Kasse gemacht? Muß ja echt lohnend sein, nach einem Unglück auf Psycho zu machen. irgendwann muß aber nun wirklich mal gut sein! Einfach mal A...backen zusammenkneifen und sich zusammenreisen!!!

05.06.2012
07:58
Selbsthilfekontaktstelle kritisiert Ungerechtigkeit
von J_Hagemann | #2

Es ist schon eine erstaunliche Leistung eines "großen" Verbandes, dem nach Angaben des Berichtes 80000,- EUR für 3 halbe Stellen zur Verfügung stehen (macht 26666,- pro halber Stelle), die kommunale Förderung eines Minijobs auf 400,- Basis, an einer anderen Stelle für die eigene drohende finanzielle Schieflage verantwortlich zu machen.

Die argumentative Vermengung mit den Kosten für die Gedenkfeier zum Jahrestag (ein völlig anderes Thema) macht den Beißreflex nicht seriöser.

Die Vereinsführung der Loveparade-Selbsthilfe arbeitet übrigens rein ehrenamtlich und absolut kostenlos (dazu gehört auch der Verzicht auf jegliche Aufwandsentschädigung).

Bei aller verständlichen Kritik an den Kürzungen, empfehle ich für selbige den korrekten Adressaten. Unbegründet neidvolle Seitenblicke(hiebe) auf einen kleinen Verein, dessen ehrenamtliche und engagierte Arbeit nun durch eine Minijobkraft gestärkt wird, sind ebenso unverständlich wie verzichtbar.

04.06.2012
22:32
Selbsthilfekontaktstelle kritisiert Ungerechtigkeit
von JanundPitt | #1

Äh, das verstehe ich jetzt nicht.
"Die Stadt will ihren Beitrag für die Selbsthilfekontaktstelle streichen. Gezahlt hat sie ihn ohnehin noch nie, das übernahm seit 2005 die Sparkasse."

Die LoPa in Duisburg fand 2010 statt. Was haben die Kunden der Stadtsparkasse mit den LoPa-Opfern zu tun?

"Denn die Stadt hat erst vor wenigen Wochen die finanzielle Unterstützung einer eigenen Kontaktstelle des Vereins Loveparade-Selbsthilfe beschlossen. 50.000 Euro hat die Bezirksregierung für die Initiative und eine jährliche Gedenkfeier abgenickt."

Die Bezirksregierung hat 50.000€ abgenickt und trotzdem sollen LoPa-Opfer - warum auch immer - an die Selbsthilfekontaktstelle - von der Stadtsparkasse finanziert - verwiesen werden? Was löhnt denn bitte die Stadt für ihre Fehlplanungen an die LoPa-Opfer? Was erstattet die Kanzlei der Frau Dr. Jaspers für das Fehlgutachten im Gegenzug an die Stadt Duisburg?

Konfuser gehts nicht. An wen bitte sollen sich LoPa-Opfer wenden?

1 Antwort
Selbsthilfekontaktstelle kritisiert Ungerechtigkeit
von Daredevil | #1-1

Hier gehts um die Streichung der (ohnehin bisher nicht direkt von der Stadt finanzierten) "allgemeinen" (!) Selbsthilfekontaktstelle. An die wenden sich halt auch immer mal wieder LoPa-Geschädigte, die dann entsprechend weiter verwiesen werden und für die die Stadt aber -eher widersprüchlicher Weise, da in diesem Fall offenbar nicht "freiwillige Leistung"- kürzlich die Einrichtung einer (LoPa-)Selbsthilfe beschlossen hat.

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