Das aktuelle Wetter Duisburg 11°C
Großrazzia

Razzia im "Problemhaus" - 400 Strafverfahren anhängig

14.11.2012 | 06:00 Uhr
Razzia im "Problemhaus" - 400 Strafverfahren anhängig
Das „Problemhaus“ an der Straße In den Peschen in Bergheim ein Polizeieinsatz statt.Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Das sogenannte "Problemhaus" in Duisburg ist im Zuge der Großrazzia im Ruhrgebiet von 50 Beamten durchsucht worden. Das ist der bisherige Höhepunkt der Geschehnisse rund um das überwiegend von Roma bewohnte Haus. NRW-weit sind laut Polizei 400 Strafverfahren anhängig mit dieser Adresse.

In den Peschen 3-5, Rheinhausen-Bergheim. Ruhig ist es rund um das sogenannte „Problemhaus“. Es ist so etwas wie die Ruhe nach dem Sturm. Deutlich mehr als 50 Polizisten hatten das Haus wenige Stunden zuvor durchsucht , 256 Personen kontrolliert und vier von ihnen mit auf die Wache genommen. Das ist der bisherige Höhepunkt der Geschehnisse rund um das überwiegend von Roma bewohnte Haus im bürgerlichen Bergheim.

Was sich hier in den vergangenen Monaten abgespielt haben soll, beurteilen Anwohner auf der einen und Polizei und Stadt auf der anderen Seite unterschiedlich. Im Stadtteil ist die Rede von einem Haus, in dem Verbrecher wohnen, die sich zudem asozial verhalten, ihren Müll auf die Straße kippen und eine Bedrohung für die Nachbarn darstellen. Immer wieder gibt es Beschwerden von Nachbarn, sie sprechen von misslungener Integration und beklagen, dass herumliegender Sperrmüll nicht häufig genug abtransportiert wird.

400 Strafverfahren führten zur gleichen Adresse

Laut Polizei könne man nicht pauschal davon sprechen, dass in dem Haus überwiegend Verbrecher leben. Allerdings seien NRW-weit 400 Strafverfahren anhängig mit der Adresse „In den Peschen 3-5“, eine Zahl, die die Polizei als sehr hoch beschreibt. Diese Zahl war auch Anlass für die Behörde, die gestrige Razzia neben neun weiteren Städten im Ruhrgebiet auch in Rheinhausen-Bergheim zu machen. Einbrecher fanden die Beamten aber letztlich ebenso wenig wie Diebesgut. „Die vier Personen, die wir zur Ermittlung der Personalien mit auf die Wache genommen hatten, sind inzwischen wieder frei“, sagt der Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat.

40 Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten die Polizisten begleitet. Ein Eingreifen, sprich, etwa verwahrloste oder elternlose Kinder in Obhut zu nehmen, war nicht erforderlich. „Die Kinder waren wohlauf und konnten Eltern zugeordnet werden“, heißt es aus dem Rathaus. Gemeldet seien in dem Haus aktuell 177 Menschen, 90 Prozent davon Rumänen, der Rest Bulgaren.

Keine Lösung in Sicht

Der seit Monaten schwelende Konflikt rund um das Haus hat inzwischen deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Diverse Kamerateams waren vor Ort, die überregionale Presse berichtet. Doch eine Lösung scheint nicht in Sicht. Laut Heiner Augustin – der Pfarrer hat den „Runden Tisch offenes Rheinhausen “ ins Leben gerufen – steht das Recht der Anwohner auf Unversehrtheit dem Recht der Roma gegenüber, hier leben zu dürfen.

Verjagen könne man sie nicht, das Benehmen lasse aber auch gelegentlich zu wünschen übrig, die kulturellen Unterschiede seien immens groß. „Wir müssen weiter miteinander reden“, sagt Augustin. Der nächste runde Tisch ist ebenso geplant wie eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Stadt und diversen SPD-Politikern am kommenden Freitag.

Daniel Cnotka


Aus dem Ressort
Entscheidung zu Duisburger Delfin-Verbot wohl erst im Herbst
Tierschutz
Nach gescheitertem Grünen-Vorstoß gegen die Delfin-Haltung versucht es jetzt die Piratenpartei auf Landesebene. Betroffen von einem NRW-Alleingang wäre dann alleine der Duisburger Zoo mit seinem Delfinarium. In der rot-grünen Regierung würde man das Thema lieber erst nach dem Wahlkampf diskutieren.
Duisburgerin bekommt durch Umbaumaßnahme Laterne in Einfahrt
Verkehrsposse
Die Walsumerin Tanja Fandrich ist mit der drei Meter breiten Einfahrt vor ihrem kleinen Häuschen eigentlich zufrieden. Die Stadt will ihr nun eine sieben Meter breite, abgesenkte Einfahrt vor’s Haus bauen – mittendrin eine Straßenlaterne. Dafür soll die Krankenschwester rund 2300 Euro zahlen
Geburtstagfeier endet mit Schlägerei und Großeinsatz
Polizeieinsatz
Eine Geburtstagsfeier im Duisburger Stadtteil Untermeiderich ist am Mittwochabend dermaßen eskaliert, dass 13 Streifenwagen der "Party" einen Besuch abstatteten. Rund zehn Personen waren nach einem Streit aufeinander losgegangen und schlugen mit Holzlatten sowie Stühlen aufeinander ein.
Duisburgerin betreibt eine Privatklinik für Teddybären
Freizeit
Auf dem Sofa von Barbara Wahnemühl warten Teddys ohne Ohren oder solche mit ramponiertem Fell. Die Duissernerin betreibt eine Teddybären-Klinik. Teilweise muss man bei ihr zwei Monate auf einen Termin warten. Ihre „Privatpatienten“ kommen aus der gesamten Republik – und teilweise aus dem Ausland.
Betrunkener greift Rettungskräfte während eines Einsatzes an
Angriff
Sie war gerade auf dem Weg zu einem Verletzten, als sie selbst verletzt wurde: Die Besatzung eines Einsatzwagens ist in Duisburg von einem Betrunkenen geschubst und geschlagen worden. Ein Zeuge kam den Rettungskräften zur Hilfe. Der Angreifer muss sich nun mit einem Strafverfahren auseinandersetzen.
Fotos und Videos