Neue Skepsis fährt der Liebe in die Parade
03.12.2009 | 07:00 Uhr 2009-12-03T07:00:00+0100
Duisburg. Innnerhalb der Stadtverwaltung Duisburgs hat eine Debatte über die Loveparade 2010 begonnen. Doch die ist angesichts eines Nothaushaltes der Stadt und unausweichlicher Kosten von reichlich Skepsis bestimmt. Die Bedenken gegen die Loveparade wachsen an.
Links eine sechsspurige Autobahn, rechts Bundesbahngleise über die im Stundentakt nicht nur ein ICE gleitet - mittendrin eine Million „Raver”, die auf einem bislang noch nicht entwickelten Güterbahnhof-Gelände eine Loveparade feiern?
Skepsis wächst
Nach der überraschenden Intervention von Kulturdezernent Karl Janssen zur geplanten Techno-Party-Meile für Hundertausende im Sommer, macht macht sich unter den Politikern Skepsis gegenüber der großen Sause breit.
„Wir halten diese Loveparade für absolut entbehrlich”, erklärt SPD-Fraktionschef Herbert Mettler, „der kostspielige Aufwand, der für die Sicherheit der vielen entfesselten Teilnehmer betrieben werden müsste, bringt die Stadt in Zwänge, die völlig unnötig sind.” Es sei für eine arme Stadt wie Duisburg sinnvoller statt einer teuren Tages-Fete dauerhafte Angebote im Jugend- und Kulturbereich zu unterstützen.
Eine Fete neben Bahngleisen
Wieviel kostet der Spaß einer Loveparade am Ende die Stadt? Eine halbe Million Euro?, so hatte die NRZ-Redaktion einen Experten in der Stadt befragt. Eher das Doppelte, lautete seine Antwort.
Unter diesen Umständen winkt auch Bürgermeister Benno Lensdorf (CDU) ab: „Eigentlich finde ich eine Loveparade für Duisburg absolut okay, man muss sie nur ordentlich organisieren, damit nicht wie der Kulturdezernent meinte „Saufen, Sex und Drogen” auf breiter Front geschehen können,” sagt er, „aber wenn die Stadt oder ihre Töchter Kosten im sechstelligen Bereich für Sicherheitsmaßnahmen oder ähnliches zahlen müssten, kann man das Thema sofort vergessen.”
Teure Sicherheitsvorkehrungen
Vom Loveparade-Beauftragten der Stadt, Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe waren keine Hinweise auf entstehende Kosten zu erfahren. Dafür gibt es mahnende Hinweise von Sicherheitsexperten, die ungenannt bleiben wollen: „Pro Stunde können in Höchstlast 25 000 Personen durch den Hauptbahnhof mit Sonderzügen weggeschleust werden. Das bedeutet: Wenn am Ende der Parade Hunderttausende gleichzeitig fortwollen, werden Zehntausende sechs, sieben Stunden lang in Hitze und Bedrängnis ausharren müssen.”
Die Bahngleise müssten massiv (teuer!) abgesichert werden. Was, wenn Menschen drüberklettern? Tote auf der Loveparade? Furchtbar. Auch die Partymeile selber: Heute voller Krater, Büsche, Steine, Splitter. „Das Publikum kommt aber in Schläppchen und Turnschuhen, das Gelände muss richtig befestigt werden, es einfach nur roden, wird nicht reichen.” Alles sei natürlich machbar, aber alles sei doch recht teuer. Was aber kann sich die Stadt mit einem Nothaushalt leisten?
Die Antwort lautet: Gar nichts und schon gar nicht eine Loveparade!

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