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Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben

09.03.2012 | 06:43 Uhr
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Rainer Schaller (M.) und der ehemalige Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland. Foto: afp

Duisburg.   Loveparade-Chef Rainer Schaller wollte nach der Katastrophe in Duisburg mit einer Pressekampagne offenbar die Schuld an dem Unglück der Polizei in die Schuhe schieben. Ein Crowdmanager sollte ihm dabei zur Seite stehen.

Knapp einen Tag nach der Katastrophe der Loveparade wurde nach Recherchen der WAZ im Lager des Loveparade-Chefs Rainer Schaller die Idee geboren, mithilfe einer Pressekampagne, die Schuld am Desaster der Polizei in NRW in die Schuhe zu schieben. Schlüsselfigur dieser Überlegungen war der so genannte Crowdmanager Carsten W.. Dieser war für die Sicherheit am Eingang der Loveparade zuständig.

Wie aus Zeugenbefragungen hervorgeht, die dieser Zeitung vorliegen, versuchten Schallers Leute Carsten W. zu überreden, bei dieser Anti-Polizei-Kampagne mitzuhelfen. Am Freitag nach der Katastrophe kam es nach einer Aussage von Carsten W. zu einem persönlichen Gespräch mit Schaller. Den Angaben zufolge traf sich Schaller mit Carsten W. in der Alfred-Schütte-Allee in Köln direkt am Rhein.

Crowdmanager fand Schallers Aussagen "strange"

Schaller soll demnach moralisch-theologische Fragen angesprochen haben. Drei Leibwächter schützten ihn. Schaller sagte laut Carsten W., er müsse stark sein für seine Leute. Es war „strange“, also seltsam, was Schaller da redete, sagte Carsten W. aus. Schaller habe ihn in sein Team holen wollen, dann sei er stets für W. da. Schon vorher sei klar gewesen, dass Schaller ihn für eine Anti-Polizei-Kampagne gewinnen wollte.

Carsten W. sagte, er sei nicht in Schallers Team gewechselt. Das kann man glauben, muss es nicht. Carsten W. gab nach der Katastrophe mehrere Interviews, in denen er die Polizei schwer belastete. W. sagte, die Journalisten hätten ihn angerufen, und er sei so überrascht gewesen, dass er sein Herz ausgeschüttet habe.

Aus Sparwillen minderwertiges Sicherheitsmaterial eingesetzt?

Dass Schaller eine Pressekampagne brauchte, um von Fehlern in den eigenen Reihen abzulenken, ist bei einem Blick in die Akten nachvollziehbar. Zeugen sagten aus, bei der Loveparade sei offenbar aus Sparwillen minderwertiges Sicherheitsmaterial eingesetzt, andere Anlagen gar nicht aufgebaut worden.

Video
Duisburg. Eine Augenzeugin filmte bei der Loveparade die Situation in der Nähe des Unglücksortes. DerWesten zeigt ihren Film, der einen Eindruck von der Lage vor Ort vermittelt.

Selbst beim Sicherheitspersonal gab es Probleme: Vielleicht hätte die Katastrophe gemildert werden können, wenn alle getan hätten, was sie tun sollten. Nach Aussagen der Verantwortlichen an der Zugangsschleuse vor dem Osttunnel sei die Schleuse auf Anordnung von W. zunächst abgesperrt worden. Verantwortlich dafür war Sebastian S.

Doch dann wurde der Druck vor den Sperren immer größer. Sebastian S. berichtet von tobenden Menschen, Kindern und junge Frauen in Not. Sebastian S. sagt, er habe befürchtet, dass es vor den Schleusen Tote gibt.

Aus eigenem Entschluss die Schleuse geöffnet

Sebastian S. sagt, er habe die kritische Situation Carsten W. gemeldet. Und Carsten W. habe ihm Polizeiunterstützung versprochen. Doch die sei nicht gekommen. Schließlich habe W. gar nicht mehr reagiert, obwohl der Funk der Ordner nicht ausgefallen sei.

Die zentralen Akteure der Loveparade

Dann sagt Sebastian S., er habe die Schleusen kurze Zeit später mehrfach aus eigenem Entschluss geöffnet. Weil er nicht mehr wusste, wie er mit den Massen draußen vor den gesperrten Schleusen umgehen sollte. Sebastian S. sagt, er habe von den Polizeiketten im Tunnel nichts mitbekommen. Der Damm war gebrochen. Die Polizeiketten rissen.

Auch die Polizeiführung ist nicht frei von Schuld

Doch auch die Polizeiführung ist nicht so schuldfrei, wie Innenminister Ralf Jäger (SPD) bislang getan hat. Nicht nur, dass es nach Aussagen von Zeugen in den entscheidenden Augenblicken in der Stabsstelle der Polizei zuging wie in einem Taubenschlag. Mindestens drei Besuchergruppen samt Ministerbesuch sind in den Akten bezeugt.

Loveparade
Loveparade 2010 - Tragödie in Duisburg

Die Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg endete in einer Katastrophe: 21 Tote, über 500 Verletzte forderte die Massenpanik. Auf unseren ...

Auch der Wechselerlass des Ministeriums, die Einsatzkräfte in der kritischen Zeit austauschen zu lassen, wird weiter untersucht. Schon im Herbst 2010 regte die Kölner Sonderkommission „Loveparade“ deswegen Ermittlungen im Innenministerium an. Mehrere Beamte hatten gegen den Wechselerlass protestiert. Im Eröffnungsbeschluss der Staatsanwaltschaft wurde nicht geklärt, wer für die Verschiebung der Wechselzeiten verantwortlich war.

Duisburger wählen Sauerland ab

David Schraven

Kommentare
28.06.2012
16:29
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Sentinel | #35

Die geplante Katastrophe begann im Rathaus & trägt den Namen Wolfgang Rabe (Dezernent für Sicherheit & Recht). Ihm untersteht das Ordnungsamt in dem Genehmigungen erteilt wurden die schon auf Grund des Sicherheitskonzeptes von Lopavent niemals hätten genehmigt werden dürfen. Weiter wurden Kontrollen erst gar nicht angestrebt & Defiziete am Veranstaltungstag unter den Teppich gekehrt. Es war bekannt, das am Veranstaltungstag ca. 500 Ordner angeblich "NICHT" zum Dienst erschienen sind. In der Gesamtzahl bedeutet das, gut 1/3 Sicherheit konnte nicht besetzt werden. Dazu war das Ordnungsamt verpflichtet, die Positionen zu überprüfen denn Ordner haben keine Ausbildung & dürfen u.a. keinen Einlass durchführen, keine Notausgänge besetzen od. die Floads sichern etc. Hierzu benötigt man eine spezielle Ausbildung bzw. Prüfung. Weiter ist das O-Amt verpflichtet, die Vorgaben des Sicherheitskonzeptes vor einer Veranstaltung zu überprüfen. Fahrlässige Tötung & -Körperverletzung durch Unterlassung!!

10.03.2012
09:06
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von altid | #34

Die Polizei hat alles richtig gemacht, damit es zur Katastrophe kommen konnte.

09.03.2012
22:48
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Obyon | #33

...und Sauerland ist damals auf diesem Zug aufgestiegen - Kopfschütteln

09.03.2012
19:47
@ WilliWullu | #31
von Vergeltung | #32

Doch davon ist auszugehen ab dem Zeitpunkt, wo die Polizisten die Ordner dort alleine ließen.

09.03.2012
19:31
Ich glaube dem nicht.
von WilliWullu | #31

Ich glaube dem sogenannten Crowdmanager nicht und zwar wegen folgender Aussage: "Sebastian S. sagt, er habe befürchtet, dass es vor den Schleusen Tote gibt." Wohl niemand konnte davon ausgehen, dass es hier Tote gibt- egal, wie voll es vor, im oder hinter dem Tunnel war. Vergleichbares gab es hierzulande noch nicht. Jeder weiß wohl, wie voll es auf Veranstaltungen, auf der Kirmes, auf dem Weg in ein Stadion, vor der Bühne bei einem Konzert etc. sein kann. Aber niemand hat hier wohl früher jemals daran gedacht, dass hier Menschen zerquetscht werden könnten. Insofern glaube ich es einfach nicht, dass bei der Loveparade irgendwelche Leute vorher gedacht, geschweige denn gesagt hätten, es gäbe dort später Tote zu beklagen. Ich halte dies stattdessen für Wichtigtuerei. Und dies halte ich für widerlich. Das gilt für den sogenannten Crowdmanager, aber auch für andere Menschen, die zu Lasten der Opfer ihr Konterfei in die Kameras halten (etwa Dr. Motte) und irgendwelche Reden schwingen.

1 Antwort
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von 1rudi | #31-1

Zitat : "Wohl niemand konnte davon ausgehen, dass es hier Tote gibt- egal, wie voll es vor, im oder hinter dem Tunnel war. Vergleichbares gab es hierzulande noch nicht. Jeder weiß wohl, wie voll es auf Veranstaltungen, auf der Kirmes, auf dem Weg in ein Stadion, vor der Bühne bei einem Konzert etc. sein kann. Aber niemand hat hier wohl früher jemals daran gedacht, dass hier Menschen zerquetscht werden könnten. Insofern glaube ich es einfach nicht, dass bei der Loveparade irgendwelche Leute vorher gedacht, geschweige denn gesagt hätten, es gäbe dort später Tote zu beklagen"

Doch, genau dieses wurde von mehreren WAZ User hier im Forum , Tage VORHER genau beschrieben ! So kam es dann auch !!!

09.03.2012
16:00
Nr. 27 teamtronic, Bezug?
von woody41 | #30

Was wollen Sie uns damit sagen? Das Herr Jäger mehrere Hunderttausend Besucher erwartete, statt den propagierten 1,4 Mio? Dass er glaubte bestmöglichen Schutz zu gewährleisten? Das er den Besuchern ein unbeschwertes Event wünschte?
Was wollen Sie?

3 Antworten
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von teamtronic | #30-1

Daß er mit allem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Unschuld vom Lande spielt.

Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Harry.Hirsch | #30-2

Jepp, genau das!
Herr Jäger hat kein Mittel ausgelassen um allen beteiligten klar zu machen das die LP 2010 statt zu finden hat. Um mehr hat er sich nicht gekümmert. Nicht um sicherheit, nicht um Geld, nicht um Warnungen von Menschen, die Ahnung von sowas haben. Er hat sie alle platt gebügelt und mit Druck belegt. Bis eine gewisse Dame nicht mehr anderes wusste als zu sagen: OK, ihr (Veranstalter) bekommt die Genehmigung. Zu den abgespeckten Sicherheitsbedingungen. Unterschreibt das! Im Gegenzug sagen wir zu eben diese abgespeckten Bedingungen nicht mal mehr zu prüfen.
Das lässt sich aus den Protokollen wunderbar erlesen. Zahlen müssen jetzt die, die dem Druck nachgeben haben.
Dabei liegt der ganz anders wo im Pfeffer. Nämlich im Jägers Garten, in dem er den Pfeffer züchtet.

Was für ein Land!

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #30-3

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09.03.2012
15:58
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Herby52 | #29

@teamtronic
Sie haben leider vergessen anzugeben, wer denn für die Vorbreitung der LP im Innenministerium zuständig war.

Für dieSicherheit auf dem Gelände, dazu gehören auch die Zugänge, war nun mal der Verstalter und nicht die Polizei zuständig. Dafür hatte dieser aber zuwenig Personal.
Nur deshalb war ein Einsatz von Polizeikräften auf dem Gelände überhaupt notwendig.

1 Antwort
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Harry.Hirsch | #29-1

Und er hatte nur zuwenig Personal überhaupt einstellen können, weil er wusste, das die Stadt nicht kontrolliert. Und die Stadt hat nicht kontrolliert, weil sie wusste, das was da von ihnen gefordert wurde (von der "Politik") nicht zu erfüllen war.

09.03.2012
15:45
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von teamtronic | #28

. "Wir wünschen, dass die vielen Besucher dieses Events unbeschwert feiern können."


Innenministerium NRW
Pressestelle
Haroldstr. 5
40213 Düsseldorf

Tel.: 0211/871-2300
Fax: 0211/871-2500

pressestelle@im.nrw.de

1 Antwort
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Harry.Hirsch | #28-1

Und vorher hat das Innenministerium nicht eine möglichkeit ausgelassen auch den letzten zweifler Mundtot zu machen. Sei es seitens der Stadt, der Polizei, der Feuerwehr..........! Die LP hat im Jahr 2010 statt zu finden! Egal zu welchem Preis! Den Preis zahlen jetzt die, die dem Druck nicht standhalten konnten.
Schon pervers!

09.03.2012
15:42
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von teamtronic | #27

Ministerium für Inneres und Kommunales
Alle Inhalte der Pressemappe anzeigen
23.07.2010 | 10:35 Uhr
Innenministerium: Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Polizei professionell auf Love-Parade vorbereitet
Düsseldorf (ots) - Mehr als 2.000 Polizistinnen und Polizisten, rund 2.000 Sanitäter und Ärzte und über 300 Feuerwehrleute sind am morgigen Samstag für die Love-Parade in Duisburg im Einsatz. "Alle sind hoch motiviert und haben sich professionell vorbereitet", sagte Innen- und Kommunalminister Ralf Jäger heute (23. Juli) in Düsseldorf. Die Stadt Duisburg und der Veranstalter erwarten mehrere hunderttausend Besucher.

Bei Bedarf steht weitere schnelle und koordinierte Hilfe zur Verfügung. Dazu sind landesweit im Rahmen der überörtlichen Hilfe rund 1.000 Behandlungs- und Betreuungskräfte und 500 Feuerwehrleute in Bereitschaft. "Damit sind wir in der Lage sind, schnell zu helfen und den bestmöglichen Schutz für die Menschen zu gewährleisten", stellte Jäger fest. "Wir wünschen, dass die

09.03.2012
15:14
Schaller wollte die Schuld am Loveparade-Unglück offenbar der Polizei zuschieben
von Demo_kratie | #26

Alles Gelaber drum herum.
Die Party hätte vor dem Zug nicht erlaubt werden dürfen,
Bochum hatte zuvor bereits einmal abgesagt.

Der Einzige der richtig Kasse gemacht hätte war der Herr Schaller!

Möchte nicht wissen wie er die Genhemigung hinbekomen hat.

Im Übrigen, die Polizei hat im Vorfeld große Bedenken angemeldet und die Polizei ist nicht für den Schutz innerhalb des Veranstaltungsraumes zuständig, soviel ich weiß, sondern nur für den Außenschutz, Anfahrt, Abfahrt usw..

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