Das aktuelle Wetter Duisburg 7°C
Rockerkrieg

Innenminister Jäger verspricht harte Hand im Rockerkrieg

22.02.2013 | 17:06 Uhr
Bewaffnete Polizisten der Einsatzhundertschaft kontrollieren seit der Eskalation der Gewalt in Duisburg Rockertreffpunkte. Innenminister Ralf Jäger aus Duisburg: „Der Staat setzt sich gegen diese Banden zur Wehr.“Foto: Stephan Eickershoff /WAZFotoPool

Duisburg.   NRW-Innenminister Ralf Jäger findet klare Worte zur Rockerfehde am Niederrhein: „Wir sind der Chef im Ring." Die Gewalt und die kriminelle Aura der Rocker haben viele Bürger verunsichert. Jäger verspricht: "Die Situation wird sich in den nächsten Wochen spürbar verbessern."

Die Rocker-Randale hält Duisburg in Atem , sorgt zudem für Negativschlagzeilen und beschert der Polizei fast tägliche Einsätze. Innenminister Ralf Jäger höchstselbst verspricht – als oberster Polizeidienstherr im Land und als Duisburger Bürger: „Wir sind der Chef im Ring. Die Situation wird sich in den nächsten Wochen spürbar verbessern“, sagte Jäger beim WAZ-Redaktionsbesuch.

Derzeit vergeht kein Tag, an dem die Polizei nicht mit starken Kräften und auch deutlich sichtbar bewaffneten Beamten zum Duisburger Rotlichtmilieu rund um die Vulkanstraße ausrückt und im großen Stil Personen und Kraftfahrzeugkontrollen vornimmt . Dahinter steckt nach den jüngsten Rocker-Machtkämpfen in Rheinhausen und Beeck, bei denen Fäuste und Kugeln flogen, System: Die Polizei verstärkt den Ermittlungs- und Beobachtungsdruck, zeigt, dass sie durchgreifen will, „keinen rechtsfreien Raum duldet“, wie Jäger betont.

Rockerkrieg
Anwohner wegen Rocker-Einsatz verängstigt und verärgert

Die Polizei hat am Freitagabend die Zufahrten zum Vereinsheim des Motorradclubs Satudarah dicht gemacht: Ihre Straßensperre verstärkten die Polizisten mit einem Panzerwagen. Die mit den Hells Angels verfeindeten Satudarah-Rocker hatten zum Clubabend eingeladen. Der Abend verlief laut Polizei ruhig.

500 Personen zählt die Polizei zum hiesigen Rockerumfeld, ein Dutzend Treffs sind bekannt und im Visier. Durch die Kontrollen gewinnt die Polizei weiter Personenkenntnisse, als „Beifang“, so Jäger, werden immer wieder Waffen aller Art sichergestellt . Und nebenbei dürften sich die Polizeikordons um die Bordelle nicht förderlich aufs horizontale Gewerbe auswirken.

Konkurrenz im Kampf um Einnahmen im Rotlichtmilieu

Doch um genau das geht es in der zerstrittenen Rockerszene. Ums Geschäft im Rotlichtmilieu. Und das Duisburger ist eines des größten bundesweit. „Das hat alles nichts mit Biker-Romantik zu tun, sondern es geht allein um Verteilungskämpfe im kriminellen Milieu“, so Jäger. Mit dem Auftreten der niederländischen Satudarah sei ein neuer Konkurrent hinzugekommen, eskaliert der Machtkampf. Zudem registrieren die Behörden Änderungen im Rockmilieu. Jäger: „Da fahren manche nicht mal Motorrad .“

Hintergrund
Warum die Rocker-Fehde an Rhein und Ruhr eskaliert

Sprengstoffanschläge, Schlägereien, Warnschüsse. Die Rocker in Duisburg und im Rheinland stehen unter Druck. Ein Chefermittler des LKA kennt die Ursachen. Zwei davon: Expansionspläne des Satudarah MC und eine neue Rockergeneration. Jüngere Migranten ohne lange Bikertradition gewinnen an Einfluss.

Erfolge hatte der Innenminister mit Verboten von Rockertrupps in Köln und Aachen . Kann Duisburg ebenfalls darauf hoffen? Die Verbote müssen hohe juristische Hürden nehmen, müssen vereinsrechtliche Straftaten nachweisen und Bestand vor Gerichten haben, betont Jäger und schiebt nach: „Verbote macht man, über sie redet man nicht.“

Duisburger Polizei bekommt laut Jäger Verstärkung

Jäger ist auch Duisburger. Er weiß daher darum, dass Bürger, Anwohner erst recht, in ihrem subjektiven Sicherheitsgefühl durch die Gewalt und kriminelle Aura der Rocker verunsichert sind, wenn sie etwa nachts durch Schüsse hochschrecken. Noch gab es keine „Querschläger“ auf Unschuldige, blieb der Rocker-Mob unter sich. Eben auch um die Bürger zu beruhigen, zeigt die Polizei Präsenz und macht laut Jäger deutlich: „Der Staat setzt sich gegen diese Banden zur Wehr.“

Motorradkorso der Bandidos 2009

Die Duisburger Polizeipräsidentin Elke Bartels, deren Beamte schon jetzt 25.000 Überstunden vor sich herschieben, verspricht Jäger: „Sie bekommt die Kräfte, die sie braucht.“ Nicht nur die in Duisburg ansässige Hundertschaft ist im Einsatz, auch aus anderen Standorten würden massive Kräfte nach Duisburg abgeordnet. 

Oliver Schmeer



Aus dem Ressort
Sperrung im Kreuz Kaiserberg wegen Markierungsarbeiten
Verkehr
Autofahrer müssen am Wochenende mit Verkehrsbehinderungen im Autobahnkreuz Kaiserberg rechnen: Wegen Markierungsarbeiten wird die Verbindungen von der A3 aus Köln und Oberhausen kommend auf die A40 in Fahrtrichtung Venlo am Samstag von 8 bis 14 gesperrt. Eine Umleitung wird eingerichtet.
Sorgen um die Zukunft des Stahlstandorts Duisburg
Thyssen
Unruhe bei Thyssen-Krupp: Äußerungen von Konzernchef Heinrich Hiesinger haben in der Belegschaft Sorgen um die Zukunft des Stahlstandorts Duisburg geschürt. Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath warnte vor einem möglichen Verkauf des traditionsreichen Geschäftsbereichs.
Mitarbeiter sollen Krankenhaus durch Lohnverzicht retten
Medizin
Mitarbeiter im Johanniter-Krankenhaus in Duisburg sind empört: Sie sollen auf Lohn verzichten, um das Krankenhaus aus den Finanznöten zu retten. „Man setzt uns die Pistole auf die Brust“, klagen sie. Auch Stellen sollen eingespart werden. Krankenhausleitung spricht dagegen von Sanierungsprogramm.
Wo die meisten Verkehrsunfälle in Duisburg passieren
Verkehr
Verkehrsexperten suchen Lösungen für gefährliche Kreuzungen und Kurven in Duisburg, an denen sich immer wieder schwere Unfälle ereignen. Doch das kostet Zeit und Geld. Huptgründe für die vielen Unfälle: Mancherorts fahren die Autofahrer zu schnell und anderorts sind Kreuzungen unübersichtlich.
38-Stunden-Woche und nur Teilzeit-Kraft? Ärger in Duisburg
Arbeitsrecht
Straßenbahnfahrer der Bus Verkehr Duisburg GmbH gelten mit einer 38 Stundenwoche als Teilzeitbeschäftigte - erst ab 39 Stunden gilt man als vollzeitbeschäftigt. Der Betriebsrat beklagt, dass dies in den Stellenausschreibungen sowie in Einstellungsgesprächen nie ausdrücklich erwähnt worden sei.
Die Grundsteuer in Duisburg soll erhöht werden
Duisburg ist ganz schön pleite. Um die Schließung von Hallenbädern, Stadtteilbüchereien und Jugendzentren zu verhindern, dreht die Stadt an der Steuerschraube. Ist das ein legitimer Weg?

Duisburg ist ganz schön pleite. Um die Schließung von Hallenbädern, Stadtteilbüchereien und Jugendzentren zu verhindern, dreht die Stadt an der Steuerschraube. Ist das ein legitimer Weg?

 
Fotos und Videos
Sinteranlage
Bildgalerie
Stahlindustrie
Spaziergang durch Schmidthorst
Bildgalerie
Statteile im Norden
Bellydancer-WM in Duisburg
Bildgalerie
Bauchtanz
Die hohe Kunst des Bauchtanzes
Video
Bauchtanz-Festival