Das aktuelle Wetter Duisburg 14°C
Integration

„Heroes“ nehmen das Ruder in die Hand

04.06.2012 | 06:00 Uhr
„Heroes“ nehmen das Ruder in die Hand
Auszeichnung der Heroes im Binnenschiffahrtsmuseum in Duisburg-Ruhrort, am Freitag den 01.06.2012.Vordere Reihe von links: Burak Ergüner, Oguz-Han Uzun, Bilal Kayaoglu, Samet Yetik, Charif Mohamed Shahin und Laudatorin Renan Demirkan.Mittlere Reihe von links: Selahatin -Burak Yilmaz, Bürgermeister Erkan Kocalar, Fatih Demirel, Abdul Kader Shahin und Holger Venghaus.Hintere Reihe von links: Museumsleiter Bernhard Weber, Volker Rau, Susanne Lohaus und Cemil Fuat Hendek.Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Duisburg. Jetzt sind sie offiziell Helden. Die ersten sieben Teilnehmer des „Heroes“-Projektes haben ihre Ausbildung hinter sich. Am Freitag wurden sie im Binnenschifffahrtsmuseum für ihr Engagement für Gleichberechtigung und gegen Unterdrückung geehrt. Schauspielerin und Schriftstellerin Renan Demirkan überreichte ihnen sprichwörtlich das Ruder.

Seit einem Jahr beschäftigen sich die sieben Jungs mit den „Fragen der Ehre“. Von nun an dürfen sie selber Workshops in Schulen leiten, um die Jugend für Themen wie Diskriminierung, Zwangsheirat oder Mord im Namen der Ehre zu sensibilisieren.

Das Projekt für junge Männer aus Migrantenfamilien, das von „Jungs e.V.“ und dem Jugendamt geleitet wird, stammt ursprünglich aus Berlin, in enger Kooperation mit den Initiatoren wurde es in Duisburg nun ebenfalls umgesetzt. Auch in München und Augsburg werden bereits Heroes ausgebildet, in Köln und weiteren Städten laufen die Planungen. Grund genug zufrieden zu sein, doch für die „Heroes“ ist damit erst der Grundstein gelegt: „Der erste Schritt ist gemacht, doch es liegt noch ein weiter Weg vor uns“, brachte es Bürgermeister Erkan Kocalar, der ebenfalls gratulierte, auf den Punkt.

Junge Männer leiden oft ebenso unter dem Druck in einer sogenannten Ehrenkultur wie junge Frauen. Die sieben Jungs kennen das auch aus ihrem eigenen Umfeld. „Die Tendenz wird sogar eher stärker, das ist das Schlimme. Ich bin froh, dass wir jetzt endlich aktiv werden können“, sagt Absolvent Bilal Kayaoglu.

In ihren Workshops setzen sie auf konfrontative Rollenspiele, von denen auch die Gäste der Veranstaltung eine lautstarke Kostprobe genießen durften. Die „Heroes“ sollen helfen, die Ehrenkultur zu hinterfragen und Unterdrückungsmechanismen zu widerstehen. „Wir wollen aber niemanden umerziehen, sondern zum Diskutieren anregen und Denkanstöße bieten.“, betont die Projektleiterin Susanne Lohaus. Das gleiche Anliegen hat auch Renan Demirkan. Seit Jahrzehnten setzt sie sich Schauspielerin und Patin des Projekts für die Menschenrechte ein. „Wir brauchen jeden auf dem Weg zu mehr Menschlichkeit. Als ich gefragt wurde ob ich bei diesem tollen Projekt mitmachen will konnte ich nur zusagen, das ist eine Frage der Ehre!“, schwärmt die Schauspielerin.

Keine Frage dagegen ist, ob das Projekt im nächsten Jahr erneut stattfinden soll. Die Planungen laufen bereits, das Interesse ist groß, die Kurse sind praktisch ausgebucht. Lediglich die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Doch auch diese letzte Hürde wollen die Initiatoren nehmen.

Steffen Letmathe



Kommentare
04.06.2012
10:54
„Heroes“ nehmen das Ruder in die Hand
von comember | #1

Es gehört wohl eine starke Persönlichkeit und viel Mut dazu, sich aus diesem mittelalterlichen Umfeld zu lösen. Es erinnert stark an die 68er-Bewegung, nur dass damals der große Teil der Jugend rebelliert hat, während hier wohl nur ein klitzeklitzekleines Häuflein an Aufrechten zu sehen ist.
Auf jeden Fall scheint großer Handlungsbedarf zu bestehen. Wenn diese Wahrnehmung in der Öffentlichkeit (Politik und Medien) erreicht und thematisiert wird, ist schon ein erster Schritt getan. Leider nur ein ganz kleiner.
Noch eine kleine Anregung: wie wäre es mit Öffentlichkeitsarbeit in Marxloh, Bruckhausen usw. wie z.B. Demos gegen Zwangsheirat, falsche Ehrbegriffe sowie Info-Stände für die dortige Bevölkerung. Mit anderen Worten: raus an die Front.

Aus dem Ressort
Loveparade-Prozess wird große Aufgabe für Duisburger Gericht
Loveparade
37.000 Seiten Ermittlungsakte, 800 Aktenordner Beweismittel und 900 Stunden Video-Material. Das ist das Fakten-Material, das dem Landgericht Duisburg vor dem Loveparade-Prozess zur Verfügung steht. Der neue Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender spricht über die große Herausforderung.
Zeltstadt für Asylbewerber in Duisburg bleibt unbewohnt
Flüchtlinge
Das umstrittene Zeltdorf, das in Duisburg für die Unterbringung von Flüchtlingen errichtet wurde, bleibt weiter unbewohnt. Die Bezirksregierung Arnsberg hat stattdessen jetzt grünes Licht für die Nutzung des leerstehenden St. Barbara-Hospitals gegeben. 300 Asylbewerber sollen dort Platz finden.
Schüler-Demo gegen Rechts weckt Interesse des Staatsschutzes
Demonstration
Eigentlich wollten die Schüler in Duisburg eine Demonstration gegen Rechts auf die Beine stellen, hatten den Protestzug auch ordnungsgemäß angemeldet, aber wegen eines Formfehlers das Interesse des Staatsschutzes auf sich gelenkt. Jetzt haben sie die Demonstration am Samstag ganz abgesagt.
Loveparade-Prozess wird große Aufgabe für Duisburger Gericht
Loveparade
7000 Seiten Ermittlungsakte, 800 Aktenordner Beweismittel und 900 Stunden Video-Material. Das ist das Fakten-Material, das dem Landgericht Duisburg vor dem Loveparade-Prozess zur Verfügung steht. Der neue Landgerichtspräsident Ulf-Thomas Bender spricht über die große Herausforderung.
Falscher Streifenwagen - Duisburger soll Bußgeld zahlen
Polizeiauto
Christopher Sapendowski fährt einen nachgemachten Streifenwagen. Weil auf dem Dach ein Blaulicht geleuchtet haben soll, soll er ein Bußgeld bezahlen. Er wehrt sich dagegen vor Gericht: Der Kasten enthalte gar keine Technik. Doch drei Polizeibeamten sind sicher, dass sie das Leuchten gesehen haben.
Umfrage
In Duisburg gibt es noch zwei große Warenhäuser. Karstadt ist seit geraumer Zeit in den Turbulenzen. Jetzt sollen es neue Sortimente und Beschäftigte in Teilzeit rausreißen. Ist Karstadt für Sie als Kaufhaus noch attraktiv?

In Duisburg gibt es noch zwei große Warenhäuser. Karstadt ist seit geraumer Zeit in den Turbulenzen. Jetzt sollen es neue Sortimente und Beschäftigte in Teilzeit rausreißen. Ist Karstadt für Sie als Kaufhaus noch attraktiv?

 
Fotos und Videos
Rundgang durch Obermeiderich
Bildgalerie
Stadtteile
I-Dötzchen aus Duisburg
Bildgalerie
Einschulung
QR-Codes im Duisburger Kantpark
Bildgalerie
Kantpark
Duisburg bewegt sich
Bildgalerie
Sport