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Kindertagespflege

Ermittlungen gegen Chefin des Vereins "Im Nimmerland" eingeleitet

20.03.2013 | 18:43 Uhr
Ermittlungen gegen Chefin des Vereins "Im Nimmerland" eingeleitet
An der Schwartzkopfstraße sollen Tagesmütter im Kita-Verein „Im Nimmerland“ schamlos ausgenutzt worden sein.Foto: Mark Keppler

Duisburg.   Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung ermitteln gegen die Mitgründerin des Kindertagesstätten-Verein "Im Nimmerland e.V.", Marion Valland. Zehn Tagesmütter erheben schwere Vorwürfe gegen sie. Sie soll die Tagesmütter "abkassiert" haben. Auch das Jugendamt Duisburg steht in der Kritik.

Der Kindertagesstätten-Verein "Im Nimmerland e.V." war ein Prestige-Projekt für die Stadt, die Vorsitzende Marion Valland in Medien als Vorzeige-Tagesmutter des Nordens omnipräsent.

Jetzt ermitteln Staatsanwaltschaft und das Finanzamt für Steuerstrafsachen in Essen gegen die Nimmerland-Mitgründerin. Wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Es geht auch um „Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Bezahlung von Tagesmüttern“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Detlef Nowotsch. Gegenüber der WAZ erheben zehn ehemalige Tagesmütter des Nimmerlands (Namen der Redaktion bekannt) schwere Vorwürfe gegen Valland. Sie soll seit 2009 den Großteil der Honorare der freiberuflich tätigen Nimmerland-Tagesmütter in bar „abkassiert“ haben.

Jeden Monat. Von jeder Tagesmutter . Die Frauen sollen sogar in Begleitung zu ihren Hausbanken gefahren worden sein.

Aus tiefen Krisen heraus angeworben

Der Steuerberater von fünf mutmaßlich Geschädigten (siehe Artikelseite 3, unten) geht nach einer Hochrechnung von einer Schadenssumme in Höhe von rund 1 Million Euro aus. Die Tagesmütter belasten auch den Geschäftsführer und 2. Vorsitzenden des Vereins schwer. Gegen ihn wird nach Stand der Recherchen derzeit nicht ermittelt.

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Marion Valland, sagen die Frauen, habe sie alle aus tiefen Krisen heraus angeworben. Eine hatte plötzlich ihre Eltern verloren, eine andere den Tod ihres Kindes verkraften müssen. Andere galten als unvermittelbar, wurden vom Jobcenter in die Einrichtung gebracht.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit unterschrieben alle Frauen bis zu acht Betreuungsverträge für Kinder, die entweder mit den Eltern selbst oder mit dem Jugendamt geschlossen wurden. Auch die Frauen, die vom Jobcenter kamen, unterschrieben. Obwohl sie dies gar nicht durften.

Für die Kinder-Betreuung erhielten die Frauen ein monatliches Brutto-Honorar. Auf ihren Girokonten landeten zwischen 2000 und 5000 Euro monatlich.

Frauen durften nach eigener Aussage nur 1000 Euro behalten

Behalten, so sagen sie übereinstimmend, durften sie nur unversteuerte 1000 Euro. Marion Valland oder der Geschäftsführer hätten das Geld stets im Büro der Kita an der Schwartzkopfstraße entgegen genommen, die Zahlungen streng kontrolliert.

Warum sie ohne Murren gezahlt haben? „Marion war eine Freundin, eine enge Vertaute, wir schuldeten ihr was“, sagt eine der Frauen, „außerdem bezahlten alle anderen auch.“

  1. Seite 1: Ermittlungen gegen Chefin des Vereins "Im Nimmerland" eingeleitet
    Seite 2: Tagesmütter kritisieren auch das Jugendamt Duisburg
    Seite 3: Steuerberater der Geschädigten kontaktierte Steuerfahndung

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Kommentare
22.03.2013
21:54
Ermittlungen gegen Chefin des Vereins
von casimir1 | #24

Ein früherer ehemaliger Superminister würde dies als eine innovative Geschäftsidee bezeichnen.

21.03.2013
15:42
Chefin des Kita-Vereins
von mKasperski | #23

AusHamborn | #8, wieso das erst jetzt heraus kommt. Eine Frau ging zum Steuerberater. Der teilte ihr dann mit das sie 7000 € Steuern nach zahlen muss. Der Steuerberater hat dann im Auftrag der Frau Selbstanzeige an das Finanzamt erstattet. Dadurch kam das Verfahren in Gang.

21.03.2013
15:16
Chefin des Kita-Vereins
von Kulturredakteur | #22

Zitat: Marion Valland am 02.06.2012 - 23:53 Uhr
"Was ich mir von den Politikern wünsche? Menschlichkeit. Den meisten geht es doch nur um Macht und Geld."
Quelle: www.bild.de

21.03.2013
14:55
Chefin des Kita-Vereins
von heinxel | #21

Am besten schnell in die Politik wechseln, denn

die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Schuldigen der Love Parade
die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kaykin
die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wulff
die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gysi

(Sarkasmus aus)

21.03.2013
14:51
Chefin des Kita-Vereins
von Infomann | #20

Ermittlungen seid 2011. Warum dauert das den so lange?

21.03.2013
13:24
Chefin des Kita-Vereins
von lieser | #19

Die Nachforderungen des Finanzamtes werden in vielen Fällen noch das kleinere Übel sein. Die Tätigkeit als "nebenberuflich" selbständige Tagesmutter unterliegt auch der Rentenversicherungspflicht (hier zeigt sich der Widerspruch des "Konstruktes Tagesmutter" ganz eklatant: Selbständigkeit und Rentenversicherungspflicht). Den Zahlungen an das Finanzamt werden also auch noch Nachzahlungen an die Rentenversicherung folgen. Die betroffenen Tagesmütter können einem nur Leid tun.

21.03.2013
12:02
Chefin des Kita-Vereins
von lieser | #18

Eine Qualifizierung zur Tagesmutter umfasst in vielen Fällen einen Lehrgang mit 160 Unterrichtsstunden. Das wurde von der Politik so geregelt. Erwartet man in dieser kurzen Zeit auch noch eine Grundausbildung im Steuer- und Sozialversicherungsrecht.
Da werden die Tagesmütter völlig alleine gelassen. Sie sind sich der letzten Konsequenzen aus den von Ihnen geschlossenen Verträgen gar nicht bewusst. Hier hat die Politik und haben auch die Jugendämter versagt.

21.03.2013
11:59
Chefin des Kita-Vereins
von CaptainWillard | #17

Wenn die Steuerfahndung seit 2011 ermittelt, dann dünkt mich, dass da auch der Staat durch die Chefin des KITA-Vereins abgezockt wurde.

Mir fallen beim Studium des Artikels jedenfalls einige Tatbestände ein, die unter das Thema "Verwaltungsakzessorität des Strafrechts" fallen.

Und das Führen "Schwarzer Kassen", wie im Bericht angedeutet, könnte schon per se auf einen Untreuetatbestand schließen lassen.

Insofern ist eine fundierte und gut recherchierte Verdachtsberichterstattung durchaus statthaft und geboten.

21.03.2013
11:55
Chefin des Kita-Vereins
von lieser | #16

Viele der hier abgegebenen Kommentare, sehen die Schuld eher bei den Tagesmüttern selber. Diese Sicht ist mir völlig unverständlich. Schon seit Monaten weise ich bei Berichterstattungen zur Tagespflege darauf hin, dass die Tagesmütter von der Politik völlig „im Regen stehend“ gelassen werden. Das Konstrukt „freiberufliche Selbständigkeit“ wurde von der Politik geschaffen, um teure „feste Arbeitsverhältnisse“ zu vermeiden und Sozialversicherungsbeiträge etc. zu sparen. Kaum eine Betroffene war sich über die Konsequenzen im Klaren. Jetzt die Schuld bei den Tagesmüttern zu suchen ist der falsche Weg. Die Tagesmütter hätten auch lieber ein geregeltes festes Einkommen mit Anspruch auf Lohnfortzahlung und Krankengeld im Krankheitsfall. Alle diese Ansprüche besitzen sie nicht.

1 Antwort
Chefin des Kita-Vereins
von Okling | #16-1

Es wird nicht die Schuld bei den Tagesmüttern gesucht, sondern gefragt, wo denn die Straftat der Leiterin liegt.

Bei der Selbständigkeit muss man leider brutal sagen: wer keine Ahnung hat, sollte es lieber bleiben lassen. Auch ohne Kita-Leiterin, die den Frauen das Geld abgeluchst hat, wären die bei dem offensichtlich vollkommen unbeleckten Kenntnisstand über die Selbständigkeit, doch geschäftlich garantiert auf der Nase gelandet.

Die haben sich anscheinend wie tausende andere auch, von einer ausgefuchsten Abzockerin von der Selbständigkeit überzeugen lassen, ohne auch nur im Geringsten über die Folgen nachzudenken.

21.03.2013
11:29
Chefin des Kita-Vereins
von Kulturredakteur | #15

Die "Tagesmütter" wurden allesamt "aus tiefen Krisen heraus angeworben" und dann auf Kinder losgelassen. Ist das nicht der eigentliche Skandal?

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