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Alt-Walsum - Sprudelwasser und Wacholder

08.03.2011 | 09:00 Uhr
Der Duisburger Stadtteil Alt-Walsum ist zu einem erheblichen Teil geprägt durch Neubaugebiete. Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Straßennamen wie Zum Alten Mann, Zum Füllort, Zum Aufhauen erinnern an Walsums Bergbauvergangenheit - aber ansonsten ist beileibe nicht alles alt in Alt-Walsum. WAZ-Redakteur Willi Mohrs ließ sich für die Serie Stadtteilrundgang herumführen.

Alt-Walsum? Von wegen alt – alles ist neu am Beginn des Rundganges, den sich Elmar Klein für uns ausgedacht hat. Obwohl: Straßennamen wie Zum Alten Mann, Zum Füllort, Zum Aufhauen erinnern an Walsums Bergbauvergangenheit. Aber die Häuser links und rechts sind definitiv nicht älter als zwei Jahrzehnte.

Wir starten nahe der Trasse der historischen Bahnlinie Richtung Voerde und Oberhausen an einem Mahnmal zur Erinnerung an einem Lager für Zwangsarbeiter, die für die Nazi-Wirtschaft Kohle machen mussten. Bahnlinie, Kaiserstraße und Nordhafen begrenzen Alt-Walsum, das in den letzten Jahren ordentlich gewachsen ist. Auf 2500 bis 3000 schätzt Klein, CDU-Ratsherr und Karnevalist, die Zahl der Neu-Alt-Walsumer. Doch trotz der Vielzahl überwiegend schmucker Neubauten sei es gelungen, die „dörfliche Gemeinschaft“ zu erhalten. Zumal viele Ur-Walsumer – Klein nennt sie Dörfler – in die neuen Siedlungen mit ihren gepflegten Spielstraßen gezogen sind.

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Über die Förderstraße erreichen wir einen Spielplatz, wie er seinesgleichen sucht, mit jungen Bäumen, einer Liegewiese, einem Bolzplatz . Ein paar Schritte weiter kommen wir an ein Gehöft mit grasenden Gänsen, weitere stattliche alte Höfe finden sich an der Kaiserstraße, denkmalgeschützt, sehenswert, wenn auch nicht mehr der Landwirtschaft gewidmet.

Natur - dank Industrie

Zahlen und Daten
Alt-Walsum in 60 Sekunden

Alt-Walsum gehört zum Stadtbezirk Walsum, dem nördlichsten der sieben Duisburger Bezirke, und hat nach amtlichen Angaben 4326 Einwohner. Davon sind 2197 weiblichen und 2129 männlichen Geschlechts. Der Ausländeranteil liegt bei 3,9 Prozent.

Besonders sehenswert ist das Naturschutzgebiet Rheinaue Walsum, das auf einer Fläche von über 500 Hektar Lebensraum für zahllose, zum Teil seltene Tier- und Pflanzenarten ist. Gezählt wurden allein 187 verschiedene Vogelarten als Brutvögel, Durchzügler und Wintergäste.

Eine Besonderheit Walsums ist die Fährverbindung nach Orsoy, die auch Rad-Ausflügler schnell und bequem ins Linksrheinische bringt. Empfehlenswert für Radler wie Wanderer ist auch der gut ausgebaute Weg über den Rheindeich.

Auf der anderen Straßenseite beginnt die Walsumer Rheinaue, ein Stück Natur, das ganz wesentlich der Industrie zu verdanken ist. Der Bergbau in der Tiefe führte weiträumig zur Absenkung des Geländes. Und Kohle war und ist nicht der einzige Schatz in Walsums Boden: Die Rheinfels-Quelle fördert nach wie vor und sehr erfolgreich Mineralwasser aus dem Untergrund der Aue.

Beliebt ist das ausgedehnte Naturschutzgebiet mit seinen vielen Gewässern bei brütenden Vögeln und erholungsuchenden Spaziergängern gleichermaßen. „Schäfer sind hier an dauernd unterwegs“, erklärt mir Klein, als wir die Höhe des Rheindeichs erklimmen, ein einzigartiger Panoramablick vor unseren Augen, vom 181 Meter hohen Kühlturm des neuen Walsumer Kraftwerks über den Hafen von Orsoy auf der anderen Rheinseite bis zur leuchtend weißen Wolke über dem Kraftwerk Voerde im Norden, dazu der Turm der Dionysius-Kirche im Dorf sowie die beiden Fördertürme der im Juni 2008 stillgelegten Zeche Walsum, von denen einer erhalten bleiben soll.

Duisburgs Stadtteile III

Über den Deich, der hier mehr einem Hochplateau gleicht, geht’s an Massen von Wildgänsen im grünen Rhein-Vorland vorbei an der denkmalgeschützten stählernen Hubbrücke über den Nordhafen und ins Dort zurück.

Die Kirche im Mittelpunkt

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Die katholische Kirche markiert den Mittelpunkt, gegenüber die laut Klein fast 300 Jahre alte Gaststätte „Wacholder-Claus“, wo es das hochprozentige „Nationalgetränk“ der nördlichsten Duisburger gibt. Die Jahreszahl 1715 prangt stolz am Brennerei-Anbau. Kirchenchor, Karnevalsverein, Schützenverein – so laute der „Walsumer Dreisatz“, erklärt Elmar Klein, der Alt-Walsumer sei dort in der Regel überall Mitglied. Domizil des munteren Vereinslebens ist der Festsaal „Zum Johanniter“ an der Königstraße. Und das sonstige gastronomische Angebot? „Nun ja“, lacht Klein, man habe noch zwei „Glückauf-Schenken“. Das habe nichts mit Bergbau-Historie zu tun: „Man muss Glück haben, wenn die auf haben.“

Duisburgs Stadtteile II

Duisburgs Stadtteile I

Auch zum Einkaufen müsse man in den meisten Fällen Alt-Walsum verlassen. Bäcker, ein kleiner Lebensmittelladen gibt’s, wer mehr will, muss beispielsweise zum Franz-Lenze-Platz ins nahe Vierlinden. Weiteres Wachstum ist fest eingeplant in Alt-Walsum. Den Friedhof habe man auf Erweiterung geplant, die nicht mehr nötig sei, sagt Klein. Platz für Neubauten könne man hingegen brauchen.

Bilder aus 115 Jahren Stadtgeschichte in...

 

Willi Mohrs

Kommentare
21.03.2011
11:00
Alt-Walsum - Sprudelwasser und Wacholder
von Ruhr2010bis2011 | #9

@8 ZebraZ1

Danke!

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2011-03-08 09:00
Duisburg