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Prozess-Auftakt

Vater soll Säugling schwer misshandelt haben

06.09.2010 | 17:16 Uhr

Düsseldorf.Ein 27 Jahre alte Mann sitzt wegen Misshandlung seiner sechs Wochen alten Tochter Nicoletta in Düsseldorf auf der Anklagebank. Unter anderem stellten die Ärzte der Düsseldorfer Uniklinik einen komplizierten Bruch am Oberarm und gebrochene Rippen fest.

Nicoletta war gerade mal anderthalb Monate alt, als Ärzte der Düsseldorfer Uniklinik sie Mitte Dezember untersuchten. Ihr rechter Oberarmknochen war kompliziert gebrochen. Die vierte bis siebte Rippe links: gebrochen. Dazu ein dicker blauer Fleck am rechten Oberschenkel. Und: Die kleine Nicoletta war bereits drei Wochen zuvor mit einer Gesichtsprellung und einem blauen rechten Auge in einer Neusser Klinik behandelt worden. Seit gestern sitzt der Vater, Robert Tibor N.-B. (27), im Landgericht auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Anklage: ein „enormes Ausmaß an Gewalt“

Um die noch sehr elastischen Kinderknochen zu brechen, sei ein enormes Ausmaß an Gewalt nötig, sagte der Anklagevertreter; dies bei einem hilflosen Säugling. Dass Nicoletta kein Wunschkind war, erklärten sowohl Vater als auch Mutter. So wurde die Schwangerschaft erst in der 27. Woche „bemerkt“. Es sei alles schlicht zu viel gewesen, die ganze Belastung.

Im starken Kontrast dazu steht die heutige Lebenssituation der Familie: Nicoletta, ihr drei Jahre alter Bruder Julius Alexander, Mutter Elena und der Angeklagte leben zusammen in Olpe. Einmal pro Monat kommt eine Vertreterin des Jugendamts. Nur vier Wochen lang waren die beiden Kleinkinder auf Anordnung der Behörden in einer Pflegefamilie.

Das junge Paar macht deutlich, dass dies nicht mehr nötig sei. Sie wollen vermitteln: Die Probleme sind überwunden. Zwischenzeitlich hatten sich die beiden getrennt und wieder zusammengerauft. Robert Tibor N.-B. war in Therapie, „wegen meiner depressiven Episoden“. Nun äußert er sich zu den Vorwürfen. Der Oberarmbruch geschah bei einem Blackout. Er wisse schlicht nicht, was passiert sei. Auf einmal habe er in seinem Sohn sich selber und in Nicoletta seinen Stiefbruder gesehen.

„Ich möchte meine Kinder auf das Leben vorbereiten!“

Plötzlich baumelte Babys Arm so komisch herunter. Das blaue Auge, die blauen Flecken? Nicolettas Bruder habe zugeschlagen - vermutlich aus Eifersucht. Die Rippenbrüche? Aus Sicht des Angeklagten entstanden bei Übungen gegen Kleinkind-Koliken. „Das hat uns die Hebamme gezeigt.“ Weil sich die Kleine aber so steif gemacht habe, „mussten wir sie zu zweit festhalten. Wir haben vermutlich zu stark zugepackt.“

Sich selbst bezeichnet der Angeklagte „als strengen Vater“. „Ich möchte meine Kinder auf das Leben vorbereiten.“ Er selbst sei von seinem Vater täglich geschlagen worden. In einer Verhandlungspause nimmt sich das Paar in den Arm und weint. Die 5. Strafkammer hat drei weitere Prozesstage angesetzt.

Dirk Walter

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