Unter Piraten, Torten und Neandertalern
06.03.2011 | 18:36 Uhr 2011-03-06T18:36:00+0100Düsseldorf. Ein Piratenschiff kreuzt den Weg von zwei tanzenden Wolken. Am Mast hängt ein Skelett. Aufschrift: „Kölner beim Kö-Baumeln!“ Daneben schunkeln zwei Torten, dekoriert mit Himbeeren und Kirschen.
Die Krankenhausbelegschaft verschreibt sich derweil Hochprozentiges. Eine Gruppe in venezianischen Kostümen wird von Fotografen umringt. Sich einfach treiben lassen - beim Kö-Treiben. Anders geht’s auch nicht. Es ist voll. Vorwärts geht’s nur noch im Sog der Masse. Das schöne Wetter hat rund 300 000 Narren zum unorganisierten Karneval gelockt.
Mitten drin das „Außerordentliche Ordnungsamt“: Anja Vospel und Inge Heuschen stellen eine Glasflaschenerlaubnis aus. Schon 100 Stück in einer Stunde. Sie verbinden närrischen Spaß mit ernstem Hintergrund: „Plastik ist viel schädlicher als Glas“, sagt Heuschen und fordert die Abschaffung des Glasverbots und mehr Mülltonnen. Ob die Frauen vom närrischen Volk erhört werden? Viele Jecken, die am Sonntag über die Kö flanierten, hatten ganz ohne offizielles Glasverbot auf Plastik und Alu umgerüstet. Und das zum Teil stilvoll, wie die drei Damen in Luftschlangenkostümen mit bunten Plastik-Weinkelchen. Deutlich weniger Glas als in den Jahren zuvor sammelte sich am Straßenrand an.
Während sich ein Rudel Löwen am Straßenrand ausruht, schwimmt ein Pirat auf einem Hai vorbei. „Das war mal meine Matratze“, deutet Eveline (45) auf den Jäger des Meeres. Sie ist extra aus Gelsenkirchen zum Kö-Treiben angereist und findet es „cool, besonders bei dem Wetter.“
Ein paar Meter weiter feiert eine Horde Neandertaler. Ihr Anführer ist Bernhard Vormann. Der 45-jährige Düsseldorfer ist bereits zum zehnten Mal beim Kö-Treiben dabei, „weil das hier richtiger Straßenkarneval ist.“ Diese Überreglementierung bei anderen Veranstaltungen mache doch keinen Spaß, stimmen auch seine Arbeitskollegen aus Duisburg und Thüringen zu.
Neben dem Bautrupp schunkeln Kühe mit rosa Eutern auf dem Kopf. Darunter Rosi (44) und Christine (42) aus dem Pott: „Die Stimmung ist super und man kriegt hier keine Bonbons auf den Kopf.“ Für Stimmung sorgen bei Jörg (47) und seinen Freunden auch 30 Liter Bier. Das sei an den Buden zu teuer und so habe man vorgesorgt, erklärt die Gruppe. Nur zwei von ihnen sind noch zurückhaltend. „Das sind Freunde aus Kanada“, werden sie vorgestellt. Die finden das unorganisierte Treiben „very different“ (sehr anders) - aber sehr lustig.