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Prozess um Flucht aus dem Gericht

„Und weg war er“

14.06.2012 | 06:00 Uhr
„Und weg war er“
Die der Fluchthilfe beschuldigten Männer vor Gericht im März 2012. Foto: Foto: Sergej Lepke / WAZ Foto Pool

Düsseldorf. „Es war ein wahnsinniger Tumult und weg war er.“ Auf diese kurze Formel brachte eine Zeugin (70) die spektakuläre Flucht eines Angeklagten aus dem alten Landgericht 2008. Gestern begann zum zweiten Mal der Prozess gegen fünf junge Männer, die damals dabei geholfen haben sollen. Vier der Angeklagten schweigen, einer bestreitet, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Im Mai 2008 verhandelte das Landgericht – damals noch im Gebäude in der Altstadt – gegen Hakim A. (27) wegen Drogenschmuggels und Waffenbesitz. Am Morgen des 27. Mai 2008 nutzte er eine Verhandlungspause, sprang über die Absperrung vor der Anklagebank und rannte durch den Zuschauerausgang direkt in den Innenhof. Von dort erreichte er die Neubrückstraße und entkam in einem schwarzen Golf, der auf ihn gewartet hatte. Er wurde später in Abwesenheit zu zwölf Jahren Haft verurteilt, ist aber seither verschwunden.

Geholfen haben sollen ihm drei seiner Brüder, heute 23, 28 und 30 Jahre alt sowie zwei Bekannte, 24 und 26 Jahre alt. Laut Anklage hatten sie sich so postiert, dass sie ihm eine freie Bahn sicherten. Einer soll die Tür des Zuschauerausgangs offen gehalten haben, die sonst bei Alarm automatisch schließt. Weitere sollen sich auf dem Hof Verfolgern in den Weg gestellt haben. Ein Wachtmeister wurde dabei am Knie verletzt. Der 26-Jährige soll einer der Männer im Hof gewesen sein und das Fluchtauto zur Verfügung gestellt haben. Doch er bestreitet jede Beteiligung an dem Geschehen.

Die Erinnerung der Zeugen ist nur noch dünn. Die Schöffin (70) der damaligen Verhandlung weiß noch, dass ein junger Mann als Zuschauer den Saal betrat, sich an seine Mütze fasste, „dann ging der Tumult los“. Es sei alles „wahnsinnig schnell“ gegangen. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der 28-Jährige mit der Mütze ein Zeichen gab. Wiedererkannt hat die Zeugin den jungen Mann gestern nicht.

Andere Zeugen erinnern sich, dass im Hof jemand in der Tür stand, mehrere Wachtmeister Hakim A. verfolgten, einer niedergeboxt wurde. Passanten sahen junge Männer Richtung Altstadt weglaufen. Aber wie diese aussahen, wissen sie nicht mehr.

Der Fall sollte erst vor dem Landgericht verhandelt werden, wurde dann ans Amtsgericht verwiesen. Im März hatte der Prozess zum ersten Mal begonnen. Doch weil eine Schöffin erkrankte, muss er nun von vorn beginnen. Ein Urteil könnte am 27. Juni fallen.

Von Katharina Rüth



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