Sicherheit der Wehrhahn-Linie auf dem Prüfstand
09.02.2010 | 17:43 Uhr 2010-02-09T17:43:00+0100
Düsseldorf. Die Nerven im städtischen Verkehrsmanagement liegen blank. „Pfusch auch in Düsseldorf?", titelte der Kölner Stadtanzeigers zu Pannen beim U-Bahnbau in der Domstadt. Ein Bauarbeiter soll in Köln zu wenige Eisenbügel eingebaut haben und später an der Wehrhahn-Linie mitgebaut haben.
in Köln soll ein Bauarbeiter gestanden haben, dass unweit der Unglücksstelle, wo vor fast einem Jahr das Kölner Stadtmuseum einstürzte, angeblich auf Anweisung eines Poliers zu wenige Eisenbügel in die Außenwand eines U-Bahnschachtes eingebaut worden seien, um Materialien an einen Schrotthändler zu verkaufen. Das Brisante: Der beschuldigte Polier arbeitete bis zuletzt auch auf der Baustelle für die Wehrhahnlinie.
Die städtische Projektleitung hat sofort auf den Alarmknopf gedrückt und eine Untersuchung angeordnet. Sämtliche Unterlagen zum Bau der Schlitzwände werden noch mal überprüft. Die Bezirksregierung als technische Aufsichtsbehörde hat die Stadtspitze zuerst informiert und vorgewarnt. Man habe die Stadt um „erhöhte Aufmerksamkeit” gebeten, berichtet der zuständige Hauptdezernent Matthias Vollstedt.
OB Elbers erteilt Verdächtigten Baustellen-Verweis
Oberbürgermeister Dirk Elbers reagiert prompt und gibt eisern die Marschrichtung vor: „Bis zur abschließenden Klärung der Vorwürfe in Köln möchte ich möglicherweise involvierte Personen nicht mehr auf U-Bahn-Baustellen in Düsseldorf sehen. Die Sicherheit der Düsseldorfer steht über allen Dingen.” Klarer geht es nicht.
Das Unternehmen Bilfinger & Berger das für den Kölner U-Bahn-Bau tätig ist, aber auch hier einen großen Teil des Projektes Wehrhahnlinie stemmt, hat den Polier, der die Vorwürfe bestreitet, vom Düsseldorfer U-Bahn-Bauprojekt inzwischen abgezogen.
Jetzt versuchen die U-Bahn-Planer in der Stadtverwaltung die Schockstarre zu überwinden. Zu Gute kommt ihnen, dass hier strengere Kontrollverfahren als in Köln mit klaren Zuständigkeiten angewendet wurden. „Darüber wurde ausführlich in der Kleinen Kommission berichtet. Das hatte uns damals nach dem Kölner Unglück beruhigt”, erinnert sich der grüne Verkehrsexperte Norbert Czerwinski.
Über die aktuelle Sicherheitssituation fordern die Grünen möglichst bald einen neuen Bericht: Für Czerwinski ergeben sich zwei weitere Fragen: Wird die Wehrhahnlinie erst später fertig? Verteuert sich der Bau? Fragen, die das Rathaus derzeit nicht klar beantworten kann. Dazu muss erst die Überprüfung abgewartet werden. Die aktuell wichtigste Nachricht: Die Bauarbeiten gehen weiter. Insofern bleibt man bis auf Weiteres im Zeitplan.
Die nächsten Schritte:
Seit Dienstag werden die Kontrollen auf den U-Bahn-Baustellen ausgeweitet und verschärft.
Sämtliche Arbeiten, die an den Schlitzwänden gemacht wurden, werden nochmals geprüft. Die Kontrolleure sichten alle Bau- und Abnahmeprotokolle sowie Dokumente der Bauüberwachung zu den Schlitzwand-Lamellen, die für die Stabilität der Außenwand wichtig sind. Und es wird genau nachgeschaut, ob die vom Statiker vorgegebenen Stahlmengen auch tätsächlich in die Schlitzwände eingebaut worden sind.
84.000 qm Schlitzwände bereits eingebaut
Gerade der letztgenannte Punkt ist entscheidend. Sollte nicht genug Stahl in einer der Außenwände der fünf U-Bahnhöfe sein, wäre das ein Sicherheitsrisiko. Die bis zu 40 Meter tiefe Außenhaut muss absolut stabil sein, um Unterspülungen zu verhindern. Ein großer Teil der insgesamt 84.000 Quadratmeter großen Schlitzwände ist bereits eingebaut worden.
Sollten die Inspekteure nur eine einzige Schwachstelle finden, „dann müssen wir das korrigieren”, betont Rathaus-Sprecher Manfred Blasczyk. Der letzte größere Vorfall ereignete sich in den 90er Jahren auf der U-Bahn-Baustelle Kölner Straße. Weil für Dutzende Stützpfeiler der falsche Beton verwendet wurde, verzögerte sich der Bau um über ein halbes Jahr.
0mitdiskutieren