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Neu im Kino

Rockende Würmer und abgestandenes Autorenkino

30.10.2009 | 07:36 Uhr
Rockende Würmer und abgestandenes Autorenkino

Düsseldorf. Angestaubtes von Altmeister Theo Angelopoulos, eine eidgenössische Kleinstadtromanze und ein Ohrwurm auf der großen Showbühne - immer donnerstags laufen die neuen Filme im Kino an. Philipp Koep hat sie schon gesehen. Hier seine Bewertung.

Dust of Time

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The Dust of Time

Regie: Theo Angelopoulos

Darsteller: Willem Dafoe, Bruno Ganz, Irène Jacob, Christiane Paul und andere

Autorenfilm-Patina. Wenn man den elegischen Erzählstil von Altmeister Theo Angelopoulos nicht angestaubt nennen möchte, dann ist dies doch Kino aus einer anderen Zeit: schwerblütig, symbolträchtig und lakonisch melancholisch. Ohne die Zuwendung der Filmstiftung NRW wäre wohl auch dieser zweite Teil seiner „Trilogie des Exils” wie „Die Erde weint” dem DVD-Markt vorbehalten geblieben.

Über 50 Jahre spannt sich Angelopoulos´ Rückblick auf das 20. Jahrhundert, ein amerikanischer Regisseur griechischer Abstammung (Willem Dafoe) macht sich an die Dreharbeiten zu einem biographischen Film über das Schicksal seiner Eltern. In komplexen Rückblicken und Zeitsprüngen wird die Geschichte des Exils zwischen Amerika und Stalins sibirischen Straflagern gespannt. Der eiserne Vorhang verläuft zwischen den Liebenden bis zur Vereinigung im Berlin des Mauerfalls, das Ziel der Suche nach Heimat und Geborgenheit bleibt ein leerer Mythos. (Metropol)

Die Standesbeamtin - Drei sind eine zuviel

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Die Standesbeamtin

Deutscher Kinostart: 29. Oktober 2009

Regie: Micha Lewinsky

Darsteller: Marie Leuenberger, Dominique Jann, Beat Marti, Oriana Schrage und andere

Ja ohne Amen. Der Schwarz-Weiß-Filmverleih hat seit „Brot und Tulpen” immer wieder Außenseiterfilme in den Mittelpunkt eines dankbaren Publikums stellen können. Der Kritiker hat schon mehrfach Skepsis durch Staunen ersetzen müssen. Bei dieser schweizerischen Version amerikanischer Hochzeitsbammelkomödien überwiegen (noch) Vorbehalte: Die eidgenössisch brave Kleinstadtromanze hat vor allem Fernsehformat.

Sehenswert oder vielmehr hörenswert machen die klischeelastige Herzensbildung allenfalls Marie Leuenberger in der Titelrolle und die Gott sei dank nicht synchronisierten (aber gottlob untertitelten) schwytzerdütschen Dialoge. Die übrige Handlung (kriselnder Popstar kehrt in die Heimat zurück um seine Promizicke romantisch zu heiraten, begegnet aber in der vorgesehenen Standesbeamtin Rahel seiner ehegefrusteten Jugendliebe) ist so absehbar wie das richtige Ja auf dem Standesamt. (Bambi)

Looking for Eric

Eric Cantona während eines Pressetermins zum Film "Looking for Eric" über einen Manchester United Fan bei den Internationale Filmfestspiele in Cannes. (c) imago

Nun hat ManU den Kino-Hattrick komplett. Nach George Best („Fußball wie noch nie”), David Beckham („Kick It Like Beckham”) hat es auch Eric Cantona zu Leinwand-Ehren geschafft - wenn auch nur als guter Geist (und Co-Produzent). Ken Loach wendet sich nach dem Globalisierungsdrama „It's a Free World” dem Fußball und den heiteren Seiten des einfache-Leute-Lebens zu, freilich nicht ganz ohne Sorgen und Nöte des kleinen Mannes.

Eric Bishop ist am Ende, die Geisterfahrt im Kreisverkehr ist Sinnbild seines aus den Fugen geratenen Lebens. Der Job als Postbote schlaucht, die beiden Stiefsöhne gehen aus dem Ruder und er bereut den größten Fehler seines Lebens schmerzlich: dass er seine Liebe Lily schwanger sitzen gelassen hat. In seiner finstersten Stunde erscheint dem Manchester-Fan die Lichtgestalt seines Lebens: Namensvetter und Flankengott Eric Cantona.

Der Fussballveteran coached Eric und den Film zum absehbaren Feelgood-Finish.

Vorpremiere am 2. November um 19 Uhr im Cinema

Michael Jackson - This is it

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This is it

Deutscher Kinostart: 28. Oktober 2009

Regie: Kenny Ortega

Ein Konzertfilm mit Michael Jackson und anderen.

Kondolenzkino. Mit Verlaub: Wer also gedacht hat mit dem tragischen Abgang vor dem heiklen Comeback wär's das gewesen (so könnte man zumindest den Titel deuten), der sieht sich getäuscht. Das quasi-Making Of seiner Tour, also die Video-Dokumentation der Vorbereitungen, wird nun zum „offiziellen” Nachruf auf den selbsternannten King of Pop, dessen Regentschaft schon lange unter einem sinkenden und einem unguten Stern stand.

Was den Fans vielleicht als Trauerarbeit besonders wichtig erscheint, kann man indes auch als skrupellose Leichenfledderei sehen: Michael Jackson war ja seit der Kindheit Opfer und Profiteur der totalen Selbstvermarktung.

Zu sehen ist eine gebrechliche Showmarionette, die mit eisenharter Disziplin sich selbst das (Vor-)Letzte abverlangt. Die Aufnahmen aus der Londoner Konzertarena gehen teilweise bis zwei Tage vor seinem Tod. Der Film ist übrigens limitiert: Er wird nur zwei Wochen lang im Kino zu sehen sein. (UFA-Palast HBf . (OmU), UCI Hafen (OmU), Cinestar Oberkassel (engl. OF und OmU))

Das große Rennen

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Das große Rennen - Ein abgefahrenes Abenteuer

Deutscher Kinostart: 29. Oktober 2009

Regie: André F. Nebe

Darsteller: Colm Meaney, Susan Lynch, Niamh McGirr, Jonathan Mason, und andere

Der Untertitel „Ein abgefahrenes Abenteuer” passt zwar thematisch zu einem Film über ein Mädchen im Seifenkisten-Fieber, doch das deutsch-irische Jugenddrama von André Nebes schlägt auch Zwischentöne in Moll an.

Die Elfjährige Mary ist ein absoluter Formel 1-Fan, wenn sie nicht auf dem Bauernhof ihrer Eltern helfen muss, dann bastelt sie an ihrer Seifenkiste. Das ist zwar nichts für Mädchen - findet ihr Vater und ihre hänselnden Klassenkameraden allemal - aber ihre Begeisterung kennt keine Grenzen, als in der Schule ein Rennen veranstaltet wird.

Doch zuhause gibt es auch Kummer, nicht nur Schulden drücken den elterlichen Hof, auch die Mutter macht sich aus dem Staub. Nicht nur irische Landluft bestimmen den Film, doch manchmal wirken die Probleme ein wenig konstruiert. (UCI Hafen)

Sunshine Barry und die Discowürmer

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Sunshine Barry und die Discowürmer

Deutscher Kinostart: 29. Oktober 2009

Regie: Thomas Borch Nielsen

Synchronsprecher: Ben, Sarah Tkotsch, Hella von Sinnen, Dirk Bach, Herbert Feuerstein, Roberto Blanco u.a.

Ein Ohrwurm rockt den Komposthaufen. Was macht man denn nur, wenn man ganz unten im Dreck lebt? Richtig, man träumt sich ein Leben als Star auf der glitzernden Showbühne herbei. Genau so macht das zumindest Barry, ein Regenwurm, dam seine Karriere im mittleren Abfallmanagement als nicht genug erscheint. So schart er eine Reihe von mehr oder weniger talentierten Musikern um sich herum und bewirbt sich bei einer Castingshow. Superstars werden „Sunshine Barry und die Discowürmer” zwar nicht, dafür Sieger der Herzen (auch des Kinopublikums).

Der dänische Animationsfilm von Thomas Borch Nielsen kann (und will) zwar tricktechnisch nicht gegen aufwändige amerikanische Produktionen anstinken, aber mit seiner originellen Erzählung, kuriosen Einfällen und etlichen schrägen Disco-Nummern von Gloria Gaynor bis Michael Jackson bietet er erstklassiges Spaßkino. (UFA-Palast Hbf)

Philipp Koep

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