Prozess um Mord an Millionärin vor neun Jahren
18.09.2009 | 17:00 Uhr 2009-09-18T17:00:00+0200Düsseldorf. Hat der Schreiner vor neun Jahren die Millionärin Yuri Röhrig (87) erdrosselt, um an Bargeld zu kommen? Staatsanwalt Ralf Herrenbrück will den Handwerker, der nach der Tat schon einmal unter Verdacht stand, diesmal überführen. Jetzt begann der Prozess wegen Mordes vor dem Landgericht.
Der Angeklagte (38) schwieg zu den Vorwürfen. Zunächst versteckte er sich vor den Fotografen hinter einem Aktenordner. Dann gab sich der gut aussehende Mann mit Ziegenbärtchen und im Sweatshirt souverän und lässig, machte sich Notizen. Verfolgte aber mit konzentriertem Blick den Prozess.
Er galt als unzuverlässig
Seinen Lebenslauf hielt er kurz: „Mit acht kam ich ins Heim, dann habe ich eine Lehre zum Schreiner gemacht.” Für Details musste der Vorsitzende Richter Klaus-Dieter Buhlmann nachfragen. Warum er ins Heim kam, „wurde mir nicht mitgeteilt.” Zu seinen Eltern hatte er nie wieder Kontakt. Nach der Lehre fand er nur Gelegenheitsjobs, war Messebauer, zuletzt Kellner.
Drogen? Nie. Alkohol? „Sie sprechen mit einem Handwerker!”, wehrte er empört ab. Um dann einzugestehen: „Sie können mich auch als Quartalssäufer bezeichnen.” Seine Beziehung ging deswegen entzwei, er galt als unzuverlässig.
Mord erst nicht erkannt
Er arbeitete auch für Yuri Röhrig, nutzte einen Schuppen im Hof ihres Hauses an der Graf-Recke-Straße. Dort hatte auch ein Nachbar seine Werkstatt, der die Hausbesitzerin tagelang nicht erreicht hatte. Als er ihren überquellenden Briefkasten sah, ging er ins Haus und fand die Tote.
Polizisten erläuterten im Prozess die ersten Untersuchungen. Zunächst war nicht aufgefallen, dass die alte Dame ermordet worden war: Es gab keine Kampfspuren, auf dem Tisch lag eine aufgeschlagene Zeitung, daneben standen eine Tasse Tee und Kekse.
Das Kabel lag aufgerollt daneben
Ein Schrank war aufgebrochen, aber das konnte sie auch selbst getan haben. Darin lag noch Schmuck, der versteckte Tresor war unangetastet. Neben der Toten auf dem Boden lag ein Kabel, ordentlich aufgerollt, darauf eine Schere. Der ermittelnde Beamte dachte sich nichts dabei. Er sah auch die Würgemale an der schon Tage alten Leiche nicht. Die wurden erst bei der Obduktion entdeckt, dann ging die Spurensicherung ins Haus.
Mehr DNA-Spuren
Weil sie an dem Kabel die DNA des Schreiners fand, kam er in Haft. Doch sein Anwalt erklärte, die Spuren könne er auch bei Hilfsarbeiten hinterlassen haben. Der Mann kam frei, ohne dass Anklage erhoben wurde.
Eine Kommissarin behielt den Fall im Auge, veranlasste eine neue Prüfung - mit Erfolg: Dank besserer Technik entdeckte man nun auch DNA des Schreiners an der Schere, der Strickjacke der Toten, ihrem Halstuch und ihren Fingernägeln.
Woher kam das Geld?
Der Staatsanwalt führt zudem gegen den Angeklagten an, dass er nach der Tat seinem Vermieter 1200 Mark gegeben hat, deren Herkunft er nicht ganz erklären konnte. Bei der Toten fand sich außer 10,75 Mark kein Bargeld mehr.
Der Prozess geht am Dienstag weiter.