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PFT bringt Flughafen Düsseldorf in Turbulenzen

20.09.2013 | 06:30 Uhr
PFT bringt Flughafen Düsseldorf in Turbulenzen
Dem Flughafen Düsseldorf drohen hohe Kosten. Im Grundwasser nahe dem Flughafen sind sehr hohe Konzentrationen der krebsverdächtigen Chemikalie PFT gemessen worden. PFT-haltiger Löschschaum könnte die Ursache sein.Foto: dpa

Düsseldorf.   Mehr als acht Quadratkilometer Fläche am Düsseldorfer Flughafen sind mit der krebserregenden Chemikalie PFT verseucht. Die Flughafengesellschaft befürchtet, dass die Kosten der PFT-Sanierung ausufern. Eine Komplettsanierung aller verseuchten Bereiche sei „nicht realisierbar“, heißt es in einem internen Bericht.

Dem Flughafen Düsseldorf drohen wegen der PFT-Verseuchung des Bodens hohe Kosten. Das belegt ein Bericht des internen Rechnungswesens an den Aufsichtsrat der Flughafen GmbH, der dieser Zeitung vorliegt. Darin bekennt sich der Airport als Verursacher großflächiger Boden- und Grundwasserverseuchungen.

Der Bericht beleuchtet „Die Chancen und Risiken der Flughafen Düsseldorf GmbH“. Das „Risiko Nr. 220“ schwebt wie ein trudelnder Flieger über Deutschlands drittgrößtem Airport: „Grundwasserverunreinigung durch PFT“ heißt der Posten, der als „A-Risiko“ eingestuft wird. „Durch die zurzeit gesteigerte öffentliche Wahrnehmung und Diskussion ist die Eintrittswahrscheinlichkeit des Risikos gestiegen“, von 75 auf 90 Prozent. Man sei möglicherweise „zu weit umfassenderen Maßnahmen zur Sanierung des PFT-Schadens gezwungen als bisher geplant“, heißt es. Und: „Ein Komplettaushub“ PFT-verseuchter Bodenbereiche sei „technisch, logistisch und wirtschaftlich nicht realisierbar“.

Extreme Bodenverseuchung

8,5 Quadratkilometer im Düsseldorfer Norden sind bisher mit der als krebserregend geltenden Chemikalie PFT verseucht, die in Enteisungsmitteln und Löschschäumen der Airport-Feuerwehr steckt. Die belastete Zone breite sich aus, bestätigt die Stadt. Der Flughafen-Bericht geht vom schlimmstmöglichen Fall aus.

Es drohe nicht nur eine „weitreichendere Grundwassersanierung“ als angenommen, sondern auch „großflächiger Bodenaushub mit Abfuhr und Wiederauffüllung“. Die Bodensanierung werde „sehr kostenintensiv“, der „Einsatz von Sanierungsanlagen inklusive Sanierungsbrunnen“ sei erforderlich. Nach Recherchen dieser Zeitung sind die Giftspitzen deutlich höher als bisher bekannt. Der öffentlich kommunizierte Maximalwert im Grundwasser liegt bei 57.000 Nanogramm PFT – und damit 570-fach über dem Trinkwasser-Grenzwert. Es gibt aber weitaus extremere Verseuchungen im Boden. Auf Anfrage bestätigt der Airport einen „Hotspot“, an dem rund sieben Millionen Nanogramm PFT nachgewiesen wurden. Der Boden dort sei aber so beschaffen, „dass die PFT nicht schnell ausgewaschen werden können“, so ein Sprecher.

Das PFT-Problem und der Hochtief-Deal

Der Flughafen Düsseldorf gehört zu 50 Prozent der Stadt. 20 Prozent hält die irische Holding Aer Rianta, 30 Prozent der Essener Konzern Hochtief. Der verkauft sein Paket derzeit an den kanadischen Investor PSP. Wieweit das PFT-Problem bei den Verhandlungen eingepreist wurde, lassen beide Seiten auf Anfrage offen.

PFT reichert sich in Blut und Gewebe an. Beim Menschen baut sich das Gift nur sehr langsam ab, in der Natur gar nicht.

Dreistellige Millionensumme

Die erwarteten Sanierungskosten steigen. Knapp sechs Millionen Euro, die der Airport zurückgestellt hat, sind wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dem Aufsichtsrat werden mindestens elf Millionen Euro angekündigt. Tendenz: steigend. In Düsseldorfer Regierungskreisen schätzen Experten, die Komplettsanierung sämtlicher Boden- und Wasserbelastungen plus Schadenersatz könnte bis zu 100 Millionen Euro kosten. 2012 machte der Flughafen 40 Millionen Euro Gewinn.

Zudem drohen Entschädigungsforderungen. „Die Stadtwerke Duisburg können gegebenenfalls Schadenersatz geltend machen aufgrund Abschaltung eines Förderbrunnens und Gewinnausfall/Mehrkosten für die Aufbereitung.“ Hintergrund: Sollte der PFT-belastete Brunnen in Düsseldorf-Kaiserswerth als eine Trinkwasserquelle für rund 255.000 Duisburger Bürger giftbedingt vom Netz müssen, könnte der Schadenfall eintreten. Das interne Papier verweist allerdings auf die Umweltschadenhaftpflichtversicherung, die „bis 15 Millionen Euro“ absichere.

Auch die Diakonie, der die belasteten Kaiserswerther Seen gehören, könne Schadenersatz geltend machen, ebenso Bürger aus Lohausen und Kaiserswerth, deren Grund und Boden belastet seien. „Das Risiko steigt hier besonders“, warnt der Bericht, denn es „drohen Strafanzeigen aufgrund Umweltgefährdung“. Offen ist, ob die Stadt den Airport für die PFT-Verseuchung ihrer Flächen in Regress nimmt. Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) äußert sich dazu nicht. Elbers ist auch Aufsichtsratschef des Düsseldorfer Flughafens.

Klaus Brandt

Kommentare
03.10.2015
12:37
PFT bringt Flughafen Düsseldorf in Turbulenzen
von superwiser | #3

„Ein Komplettaushub“ PFT-verseuchter Bodenbereiche sei „technisch, logistisch und wirtschaftlich nicht realisierbar“.

so die Ausrede der Betreiber...
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http://www.derwesten.de/nrz/staedte/duesseldorf/pft-bringt-airport-in-turbulenzen-id8466138.html
2013-09-20 06:30
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