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Prozess

Opfer von Verbrechern oder erfahrener Dealer?

16.06.2012 | 10:00 Uhr
Opfer von Verbrechern oder erfahrener Dealer?

Düsseldorf. Wie ein Verbrecher sieht der elegante Herr im Anzug nicht aus. Den Vorwurf, mit Kokain gehandelt zu haben, weist er vorn sich. Doch ein Zeuge malt ein anderes Bild: Bei dem 50-Jährigen habe es doch immer „Koks“ gegeben.

Zehn Gramm Kokain soll der Speditionskaufmann verkauft haben, so die Anklage vor dem Amtsgericht. „Das ist nicht richtig!“, widersprach er vehement. Er sei das Opfer von Einbrechern. Die hätten vor Gericht die Kokain-Geschichte als Ausrede benutzt. Danach wurde er wegen Drogenhandels angeklagt.

Er berichtete dem Gericht von zwei Überfällen: Im Dezember 2008 und März 2009 seien Männer in seine Wohnung eingedrungen, hätten ihn bedroht, alles durchsucht und eine Uhr, ein Handy und 400 Euro mitgenommen. Den ersten Überfall hatte er nicht angezeigt – „die haben mir gedroht!“, beim zweiten hatte ein Freund die Polizei gerufen, die zwei Täter schnappte.

Die erklärten vor Gericht den Überfall als Racheakt. Sie hätten bei dem 50-Jährigen Kokain schlechter Qualität reklamiert. Als er ihnen ihr Geld nicht zurückgab, hätten sie sich anders schadlos gehalten. „Ja, die Bösen behaupten das“, sagte der 50-Jährige im aktuellen Prozess. „Aber das ist absolut unrichtig!“ Er nehme keine Drogen. Die Richterin hielt ihm eine Geldstrafe für Drogenhandel vor. „Ich habe da nur eine Adresse weitergegeben“, winkte er ab.

Einer der „Einbrecher“, jetzt Zeuge gegen ihn, hat eine andere Version: „Der ist doch ein bekannter Hase im Milieu!“ Der Angeklagte habe auf großem Fuß gelebt, viel Geld für Kokain ausgegeben. „Ich kenne ihn seit 18 Jahren. Seitdem hat er Koks verkauft.“ Im Wohnhaus des 50-Jährigen hätten drei Leute gewohnt, die mit der Droge handelten: „Einer davon hatte immer was.“

Den Angeklagten pöbelte er an, trotz Mahnung der Richterin: „Wir haben doch zusammen gefeiert, zusammen gekifft! Weißt du das nicht mehr?“ Für zehn Gramm Kokain habe er damals 800 Euro im Voraus bezahlt. Und nie etwas dafür bekommen, sondern sogar „noch vier Monate Knast!“ Das Gericht will am 27. Juni weitere Zeugen hören.

Von Katharina Rüth



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