Das aktuelle Wetter Duesseldorf 13°C
Kongress

Mann zeigt Schwächen

22.02.2010 | 05:00 Uhr

Düsseldorf. Neue Männer braucht das Land! Die alten stecken in der Krise: Sie sind einsam, depressiv, öfter krank, sterben früher und versagen häufiger in der Schule.

 Die Frau hat den Mann auf dem Weg der Emanzipation längst überholt: Sie zeigt Gefühle, redet über Probleme und bekommt Kindererziehung und Beruf häufig unter einen Hut. Das sind Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre, die Professor Matthias Franz von der Heinrich-Heine-Universität am Samstag zum Anlass für einen Männerkongress machte.

Rund 400 Anmeldungen flatterten ihm auf den Tisch, darunter ist aber nicht nur das männliche Geschlecht. Ein Drittel davon kommt von Frauen. „Diese Erkenntnisse sind für mich nichts Neues. Ich erlebe jeden Tag in meiner Praxis, dass viele Männer Probleme haben, will mir hier aber Tipps für den richtigen Umgang holen”, sagt Psychoanalytikerin Elke Wetzel.

Einen Ratschlag, wie „Mann” aus der Zwickmühle herauskommt, hat Teilnehmer Dieter Pavel: „Männer und vor allem Jungs müssen mehr über ihre Gefühle reden. Das ist der Schlüssel.” Der Radiologe bezeichnet sich selbst als „Gerätemediziner”, Emotionen hätten in seinem Beruf nichts verloren: „Die bleiben in meinem Arbeitsbereich auf der Strecke und die Gefühllosigkeit übertrage ich automatisch ins Privatleben”, gibt der 56-Jährige zu. Daran will er jetzt arbeiten.

„Gefühle zeigen, das ich richtig und gehört für mich schon immer zum Männerbild”, sagt Johannes Block. Für den 19-jährigen Studenten ist es keinesfalls peinlich oder ein Zeichen von Schwäche zuzugeben, wie er sich fühlt und welche Sorgen ihn plagen.

Stefan Winter, Vater von zwei Söhnen, will in der Erziehung nicht versagen und auf dem Kongress von Erfahrungen der Referenten und Teilnehmer profitieren: „Ich habe persönliche Gründe, warum ich hier bin. Meine Eltern haben den Krieg mitbekommen, mein Vater war nicht für mich da und Geborgenheit habe ich nicht erfahren.”

Hildegard Schubert nimmt aus dem Männerkongress mit, dass sie möglichst einfühlsam mit dem männlichen Geschlecht umgehen und sich ihrer Probleme mehr annehmen wird: „Schließlich sollen meine Söhne auch mit Respekt behandelt und nicht als Weicheier abgestempelt werden, wenn sie über ihre Gefühle reden.”

Indianerherz kennt keinen Schmerz - das sei das veraltete Rollenbild. Der traditionelle Macho will das Geld nach Hause bringen, die Frau am Herd sehen und hält nichts von Gefühlsduseleien. Der moderne Mann aber spreche über seine Schwächen und Gefühle und zeige so auch Stärke. Bei einem Drittel der Männer und in der Gesellschaft sei das noch nicht angekommen, heißt es in einem Vortrag.

Dieser erste Männerkongress liefert kein Patentrezept für den perfekten Mann: „Er macht aber auf die Probleme der Männer aufmerksam und das ist ein voller Erfolg”, sagt Professor Matthias Franz über die zweitägige Veranstaltung.

Johanna Rus

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2625052/create

Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Nichtschwimmer stirbt nach Badeunfall
Unglück
Tödlicher Leichtsinn: Das Abtauchen ins kühle Nass an einem sommerlich-warmen Abend kostete einem 36-Jährigen das Leben. Obwohl der Leiharbeiter aus Polen Nichtschwimmer war, sprang er am Sonntag gegen 19.20 Uhr in den Elbsee. Dabei hatte der Mann offensichtlich unterschätzt, dass es hier schon am...
Hohe Waldbrandgefahr in Düsseldorf
Feuerwehr
Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe kann ausreichen, um einen verheerenden Waldbrand auszulösen. Die Stadt Düsseldorf mahnt deshalb besonders jetzt zum vorsichtigen Umgang mit Feuer im Freien. Bei Verstößen gegen Verbote drohen hohe Strafen.
Text