"Macho-Manne" hat mehr als 30 Frauen betrogen
20.01.2010 | 13:27 Uhr 2010-01-20T13:27:00+0100
Düsseldorf. 30 betrogene Frauen machen in einer Selbsthilfegruppe gegen „Macho-Manne” mobil. Um bis zu 20.000 Euro hat der Heiratsschwindler seine Opfer geprellt. Schon 35 Mal stand der Mann vor Gericht, zurzeit sitzt er in Wuppertal im Gefängnis. Ab heute steht er in Düsseldorf wieder vor Gericht.
1500 SMS-Kontakte in der Handy-Rechnung brachten 30 Frauen in einer Selbshilfegruppe gegen „Macho-Manne” zusammen. Ab heute steht der Mann in Düsseldorf vor Gericht.
„Du bist meine Traumfrau”, „Du bist die Liebe meines Lebens”, „Wir heiraten mit Brief und Siegel”, „Dein Mann Manne”... Er ließ nichts aus, um Angela B. zu umschmeicheln. Wollte mit ihr in ein Haus ziehen. Sie kündigte ihre Wohnung, saß auf gepackten Kisten. Aber aus dem Haus wurde nichts - und aus der Liebe auch nichts. Stattdessen fehlen ihr 20.000 Euro. Jetzt will sie andere Frauen vor dem vermeintlichen Traummann schützen.
Er krallte sich Geld, EC-Karten und Wertgegenstände
Mit einer zweiten Frau an vorderster Front: Nadine K. Sie verlor zwar nur 420 Euro. Aber ihre Entschlossenheit, den Eroberer zu stoppen, ist ebenso groß. Beide Frauen sind an den Heiratsschwindler geraten, den die Boulevardpresse „Macho-Manne” getauft hat. Der nicht nur sie beide, sondern zahlreiche Frauen um Herz, Geld, EC-Karten und Wertgegenstände gebracht hat - allein in Düsseldorf sollen es acht sein. Der schon 35 Mal vor Gericht stand, gerade in Wuppertal ins Gefängnis gegangen ist. Und den am heutigen Mittwoch in Düsseldorf ein Prozess erwartet.
In Internetbörsen zur Partnersuche legte der Frauenfänger (45) seine Köder aus. Nadine K., 27, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, und Angela B., 55, Theatermalerin, gefiel der kernige Typ, Motorradfahrer, angeblich Chef einer Security-Firma. Es gab erste Chat-Kontakte, Telefongespräche, bald persönliche Treffen.
„Er hätte einem Eskimo einen Kühlschrank verkauft”
„Er war zwar sehr bestimmend, aber auch sehr fürsorglich und kinderlieb”, beschreibt ihn Nadine K. Angela B. weiß: „Er konnte sich gut einfühlen.” Und erklärt: Weil sie auf Männer im Anzug steht, kam er zu ihr im feinen Zwirn. Nachdem Nadine K. ihn so einmal fast rausgeworfen hätte, trug er bei ihr stets Freizeitlook. Und er konnte reden: „Er ist wie ein guter Autoverkäufer. Er hätte einem Eskimo einen Kühlschrank verkauft.”
Sie waren gleichzeitig seine Freundinnen. Nadine wusste von Angela. Das sei eine alte Freundin, hatte Macho-Manne sie beruhigt. So läuft das immer, wissen sie heute. Er baue Personen aus der einen Geschichte als Statisten in die andere Geschichte ein, gebe Kinder von Freundinnen als seine aus, erfinde verlorene Söhne, Ex-Freundinnen, Frauen von Arbeitskollegen, gute Kumpel. Zeige entsprechende SMS und Fotos auf dem Handy. „Das ganze Leben ist zusammengelogen...”
Der Heiratsschwindler hat nicht mal eine eigene Wohnung
Er habe keine eigene Wohnung, sondern pendle zwischen seinen Beziehungen, lasse sich von der einen Frau zur anderen fahren - angeblich zur Arbeit. Benutze die Wohnung der einen Frau, gebe die Schlüssel als seine eigenen aus, gebe sie sogar einer anderen Frau - als vermeintlichen Vertrauensbeweis.
Mit Vertrauensbeweisen war er geschickt. „Mir hat er gleich seine EC-Karte mit PIN gegeben”, erinnert sich Angela B. „Falls ich Geld brauchte zum Einkaufen.” So schaffte er die Atmosphäre, ihm auch zu vertrauen. Und lieh sich Geld. 700 Euro für eine dringende Autoreparatur, 500 Euro für einen Freund, 10.000 Euro Kaution fürs gemeinsame Haus..... Wenn Angela B. misstrauisch wurde, versicherte er: „Du bekommst alles doppelt zurück!” oder: „Morgen hast du das Geld.” Daraus wurde nie etwas.
Wurde sie sauer, schlug er zurück, und zwar mit Psychoterror. Schrieb plötzlich SMS aus dem Krankenhaus, er habe Krebs. Seine Tochter habe Selbstmord begangen - wegen ihr. Er werde bald vor den Baum fahren. Beschimpfte sie als „dreckige Sau”. Aber weil er dennoch für sie sorgen wolle, habe er das Haus schon auf sie überschrieben. Angela B. hat die guten und die schlechten Botschaften noch alle in ihrem Handy.
Die Handy-Rechnung löste die Welle aus
Sie zog die Notbremse, schaltete einen Anwalt ein. Und veröffentlichte im Singleportal eine Warnung vor dem Betrüger. Die las Nadine K., die ihre kurze Beziehung zu Macho-Manne gerade gekündigt hatte, weil ihr 420 Euro aus dem Portemonnaie fehlten. „Das konnte nur er gewesen sein”, wusste sie. Seine Erklärung, er habe das Geld dringend gebraucht, überzeugte sie nicht: „Für mich war klar: Das war es jetzt.” Als sie die Botschaft von Angela B. fand, nahm sie Kontakt auf.
Die Frauen beschlossen, weitere Frauen zu warnen. Das ging besonders gut, weil Angela B. Macho-Manne ihr Handy geliehen hatte. Und sie mit Hilfe ihrer auf einmal fünf Seiten langen Handy-Rechnung („1500 SMS!”) jede Menge weiterer Frauen ausfindig machten. Manche der Angerufenen legten erst empört auf. Und meldeten sich später doch. Einige sehr dankbar, denn sie hatten noch nicht viel Geld verloren.
Rund 30 Frauen wissen inzwischen, wer sich da an ihnen bereichern wollte. Der lose Zusammenschluss nennt sich „Selbsthilfegruppe Macho-Manne”, sie wollen einen eingetragenen Verein draus machen. Macho-Manne war nicht wählerisch. Die jüngste ist Nadine K. mit 27, die älteste knapp 60. Es gibt schlanke und füllige, brünette und blonde.
Ermittler aus Düsseldorf, Duisburg, Arnsberg...
Sie halten Kontakt, machen neue Opfer auf die Gefahr aufmerksam, verfolgen die Anstrengungen der Justiz, Macho-Manne das Handwerk zu legen. Weil er sich in vielen Städten herumtrieb, weiß der eine Staatsanwalt oft nichts von den Vorwürfen gegen ihn in der anderen Stadt. So machen die Frauen die Ermittler Düsseldorf, Arnsberg, Köln, Wuppertal und Duisburg auf die anderen Verfahren aufmerksam. Treten auch medienwirksam bei Gerichtspro-zessen auf, haben sich T-Shirts drucken lassen - mit Macho-Mann hinter Gitterstäben.
Dort wollen sie ihn sehen, möglichst lange: „Seit 27 Jahren lebt er davon. Wir sind die ersten, die ihn so jagen!” In Wuppertal wurde er zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Sie hoffen, dass in Düsseldorf einige Monate dazukommen.
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