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Kulturbahnhof Eller zeigt junge Comiczeichner aus Hamburg

19.01.2010 | 06:00 Uhr
Kulturbahnhof Eller zeigt junge Comiczeichner aus Hamburg

Düsseldorf. Steckdose und Staubsauger wirken keineswegs heimelig, verbreiten eher Bedrohlichkeit in den 20 Bildern, die einen Raum füllen im Kultur Bahnhof Eller. Diese Kunst der Zeichnung von Judith Mall mit ihrem Blick auf Alltagsgegenstände gehört zur Sparte Comic. Das ist für manche keine Kunst

Anders als in Frankreich oder Belgien, wo sie anerkannt sind, müssen ernsthafte deutsche Comic-Künstler als Illustratoren studieren und arbeiten. Umso verdienstvoller, dass der Kulturbahnhof Eller jetzt Comiczeichner-Nachwuchs aus Hamburg ausstellt. Die Hansestadt und Berlin gelten als die Hochburgen der hierzulande noch kämpfenden Kunst der gezeichneten Erzählungen.

Drei Jahre Arbeit an einem Buch

Der unverwechselbare Strich, die charakteristische Zeichnung, die typischen Farben und Motive - sie machen nicht nur den „bildenden Künstler“ aus. In Galerien könnten zweifelsohne auch berühmte Comiczeichner ausstellen. Aber die stammen aus Frankreich oder Belgien, wo die Auflagen ihrer Bücher stolze Zahlen erreichen. In Deutschland sind Comics eher eine Randgruppe. Zumal am Computer generierte Massen-Mangas aus Japan den Markt überschwemmen und die ganze Sparte in Verruf bringen.

Matthias Schneider, Kurator der Ausstellung. Foto: Kai Kitschenberg / WAZ FotoPool

Ältere wuchsen vielleicht mit Donald Duck und seinen Neffen auf, deren Dialoge, von der promovierten Germanistin Erika Fuchs getextet, zum Gutteil ihre Sprache prägte. Der „Little Nemo“ von Winsor MacCay (gestorben 1934) brachte in den 70ern auch in deutschen Buchhandlungen diese Kunst - fernab allen „Fix-und-Foxi”-Kitsches - auf den Tisch. 1992 wurde schließlich Art Spiegelmans „Maus - Die Geschichte eines Überlebenden“ der Shoa mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Aufsehen erregte voriges Jahr auch ein illustrierter Krimi der Französin Fred Vargas.

Hierzulande kann niemand von Comics leben

„Aber in Deutschland kann niemand von Comics leben“, betont Matthias Schneider. Der Berliner Experte hat die Ausstellung im Kulturbahnhof Eller zusammengestellt. Dutzende von Zeichnungen und Bilderfolgen wurden dafür gerahmt.

Herausragend Line Hovens Comic „Liebe schaut weg“. Sie erzählt die Geschichte ihrer deutsch-amerikanischen Eltern - akribisch, ohne pingelig zu wirken, kratzt sie schwarz-weiße Zeichnungen aus Schabkarton. Da macht die Szene eines Lesenden in nur vier Bildern klar: Er ist gebannt von der Lektüre. „Drei Jahre hat sie daran gearbeitet“, berichtet Schneider, „Das Buch, jetzt beim Reprodukt-Verlag erschienen, ist ihre Diplomarbeit als Illustratorin.”

Bildergeschichten in Zeitungen

Line Hovens ist wie Arne Bellstorf, Judith Mall und Sascha Hommer Studentin bei Professor Anke Feuchtenberger an der Hochschule in Hamburg. Feuchtenberger hat eigene Illustrationen und Comic-Segmente der Ausstellung ebenso beigesteuert hat wie Martin tom Dieck, seit 2009 Professor für Illustration an der Folkwangschule Essen. Er veröffentlichte Illustrationen in der „Zeit”, ebenso wie Feuchtenberger.

Auch Sascha Homer und Arne Bellstorf gestalten bereits Comics in deutschen Zeitungen - ein Hoffnungsschimmer der Sparte. Die Ausstellung im Kulturbahnhof jedenfalls zeigt, wie kunstvoll die gezeichnete Erzählung sein kann.

Kulturbahnhof Eller in Düsseldorf, Vennhauser Allee 89, bis 21. Februar, dienstags bis sonntags 15 - 19 Uhr.

Jo Achim Geschke

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