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Alkoholmissbrauch

Kiosk-Betreiber kritisieren Eltern betrunkener Jugendlicher

26.01.2010 | 05:00 Uhr
Kiosk-Betreiber kritisieren Eltern betrunkener Jugendlicher

Düsseldorf. Eltern sollen ihre Kinder offener über Alkoholmissbrauch aufklären. Das fordern einige Trinkhallen-Betreiber, die immer mehr junge Mädchen durch die Altstadt torkeln sehen. Da sei der Ordnungsdienst am Ende, da seien die Eltern gefragt, appelliert FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus.

Dagmar von Halasz schüttelt den Kopf. „Es ist mir unbegreiflich, dass das Thema Alkohol und Jugend nicht offener und aggressiver behandelt wird. Wer am Wochenende hier in die Altstadt nach Düsseldorf kommt, der sieht doch die torkelnden Jugendlichen, inzwischen auch immer mehr junge Mädchen”, sagt die Geschäftsfrau, die selber seit 13 Jahren mit Hochprozentigem handelt und an der Kapuzinergasse einen seit 1952 in der Altstadt ansässigen Spirituosenladen betreibt.

Trupps mit Bierflaschen in der Hand

Kiosk-Betreiberin Dagmar von Halasz sieht auch immer mehr Mädchen durch die Altstadt torkeln.

Als Beobachterin der Szene ist sie überzeugt: „Jugendliche finden es cool, beim Laufen zu saufen. Ganze Trupps sind unterwegs mit der Bierflasche in der Hand. Es wäre Aufgabe der Eltern, mit ihren Kindern viel mehr Gespräche über den Missbrauch von Alkohol zu führen und zur Abschreckung gemeinsam die Filme im Internet herunterzuladen, wo man sturzbetrunkene Jugendliche sieht, die auf der Straße liegen, besinnungslos herumirren oder vom Notarzt abtransportiert werden. Jeder, der das Thema herunterredet, verhält sich verantwortungslos”, ist sie als Mutter überzeugt.

Ob aber eine Verstärkung der Kontrollen durch den Ordnungsdienst und höhere Bußgelder, wie sie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), aktuell im Kampf gegen das, wie sie festgestellt hat, verstärkte Komatrinken fordert, mehr Erfolg versprechen, bezweifelt die Unternehmerin. „Das Problem fängt zuhause an”, findet sie.

Jugendliche überreden Ältere zum Alkoholkauf

Unübersehbar prangt in ihrem Schaufenster ein Aufkleber des Ordnungsamtes „Stopp. Gemeinsam gegen Missbrauch”, der die Modalitäten klar regelt: Kein Verkauf von Wein und Bier an Jugendliche unter 16 Jahren. Wer Hochprozentiges erwerben will, muss volljährig sein. „Ich lasse mir immer den Personalausweis zeigen, da gibt es keine Ausnahme. Ich guck mir die jungen Leute an und inzwischen habe ich einen Blick dafür, wie alt sie in etwa sind”, sagt Dagmar von Halasz.

An Karneval ist das Jugendschutzteam des Düsseldorfer Sicherheits- und Ordnungsdienstes in Düsseldorf besonders gefragt.

Auch Faruk Bas, seit einem Jahr Inhaber eines Büdchens an der Bolker Straße, hält sich, wie er sagt, ans Gesetz: „Ich habe selber einen Sohn von 16 Jahren und würde mich ärgern, wenn man ihm Schnaps verkauft.” Drum verlangt auch er im Zweifel den Personalausweis. „Es gibt aber auch Jugendliche, die Ältere zum Alkohol- oder Zigarettenkaufen überreden. Wenn ich das mitbekomme, schicke ich sie weg”, behauptet Faruk Bas.

Konzession in Gefahr

Schließlich kann das Gesetz ja unangenehm zuschlagen: „Wer zuwider handelt, muss in schweren Fällen nicht nur mit einem Bußgeld rechnen, sondern er spielt mit seiner Konzession”, erinnert der kommissarische Leiter des Ordnungsamtes, Michael Zimmermann, an die unliebsamen Folgen eines Gesetzesmissbrauchs.

Gerade jetzt vor Karneval ist auch für den städtischen Bediensteten das Thema wieder besonders aktuell. „Das sind ja naturgemäß Tage, an denen der Alkoholkonsum besonders hoch ist. Da sind wir traditionell verstärkt auch mit unserem Düsseldorfer Jugendschutzteam unterwegs. Wir gehen dabei auf Jugendliche zu, die mit Flaschen unterwegs sind und testen mit speziellen Teststreifen den Alkoholgehalt des Inhalts. Denn seit die Alkopops wegen der höheren Besteuerung nicht mehr das ganz große Thema sind, wird zunehmend die Fanta oder die Cola mit Hochprozentigem veredelt”, weiß Zimmermann, der aber auch ganz offen die Grenzen öffentlicher Kontrollmöglichkeiten einräumt.

Szene beobachten

Auch FDP-Fraktionschef Manfred Neuenhaus sieht die Eltern in der Pflicht.

„Die Abgabe von Alkohol in Gaststätten ist einfacher zu kontrollieren als die im Handel. In der Kneipe kann sich der Mitarbeiter in Zivil länger aufhalten und die Szene beobachten. Im Handel würde das auffallen. Was wir mit unseren Mitteln machen können, das tun wir, aber unsere Möglichkeiten enden beim privaten Bereich. Viele exzessive Trinkereien finden eher dort und auf Partys statt”, so Zimmermann und betont: „Überproportional viele der von uns aufgegriffenen Jugendlichen kommen nicht aus Düsseldorf.”

Eine Einschätzung, die auch FDP-Fraktionsvorsitzender Manfred Neuenhaus teilt. „Hier wird das Thema sehr ernst genommen”, urteilt er und hält eine personelle Aufstockung des Ordnungsdienstes nicht für nötig. „Wir haben schon den größten Ordnungsdienst in ganz Deutschland. Unsere Laden- und Büdchenbesitzer wissen, dass kontrolliert wird. Der Rest ist Sache der Eltern”, appelliert auch er und plädiert für eigene Anschauung. Neuenhaus: „Ich habe auch meinen Kindern die Folgen im Stadtbild vor Augen geführt, wie das ist, wenn man keine Kontrolle mehr über sich hat.”

Birgit Klausmann

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