Kindern den Kick geben
13.08.2011 | 14:00 Uhr 2011-08-13T14:00:00+0200
Düsseldorf.„Fußball ist ein echter Integrationshelfer. Jeder kennt die Regeln. Ob in China oder in den USA – Abseits ist Abseits.“ Der Mann, der das sagt, muss es wissen. Manfred Novacek arbeitet als Fußballlehrer in einer Offenen Ganztags-Schule und ist als erster Vorsitzender im Fußballverein aktiv. Seine Leidenschaft nutzt der bodenständige 50-Jährige für ein besonderes Ehrenamt: Jeden Sommer bieten er und seine Helfer für Kinder von drei bis elf Jahren eine Woche eine kostenlose „Fußball-Schule“ an – „Sport statt Straße“. Darauf wurde in diesem Jahr das Komitee des deutschen Engagement-Preises aufmerksam und nominierte Manfred Novacek. Aus mehr als 600 Kandidaten werden Ende September von einer Jury 20 ausgewählt. Über den Sieger – es winken 10 000 Euro – wird per Online-Voting auf www.deutscher-engagementpreis.de entschieden.
Seit sechs Jahren strömen die Kinder in der vierten Woche der Sommerferien zum Sportplatz der Spielvereinigung DJK Agon 08 in Mörsenbroich. Zuletzt nahmen mehr als 200 Kinder, darunter 40 Mädchen, an der „Fußball-Schule“ teil. Auch dieses Jahr erwarten Novacek und sein Team vom 15. bis 19. August, jeweils von 11 bis 17 Uhr, wieder so viele junge Kicker.
Die Aktion richte sich an alle Kinder, aber vor allem an Mädchen und Jungen, die nicht in den Urlaub fahren können, und sich nach einem spannenden Ferienprogramm sehnen. „Hier sind viele Kinder aus sozial schwachen Familien und Familien mit Migrationshintergrund. Für sie ist das ein Highlight und das einzige große Ereignis in den Sommerferien. Die möchten wir Teil haben lassen“, erklärt Novacek. Er legt größten Wert darauf, dass wirklich alles kostenlos ist, vom Training über Ausflüge bis zum Essen. Am Ende der Sport-Woche bekommt jedes Kind ein Trikot, einen guten Ball „und noch ein Paar Stutzen dabei“.
Etwa 13 000 Euro werden dafür jedes Jahr benötigt. „Das trägt sich ausschließlich über Sponsoren“, sagt Manfred Novacek. Und eben über das Ehrenamt. Etwa 60 Menschen engagieren sich hier in ihrer freien Zeit, darunter lizensierte Trainer, Sozialarbeiter, Rentner und Lehrer.
Die reisen mitunter sogar aus dem Ruhrgebiet an. Wie eine Lehrerin aus Essen. „Sie hatte mit Fußball eigentlich gar nichts am Hut, hat aber mittlerweile ihren Trainerschein gemacht“, lacht Novacek von Herzen.
Tatkräftige Unterstützung erfährt die Aktion durch zahlreiche Unternehmen und Privatpersonen. Der Inhaber einer Großküche etwa kocht zum Selbstkostenpreis – einzig die Spül-Kräfte müssen bezahlt werden – für alle das Mittagessen, die Lebensmittel kaufen Novacek und sein Team morgens in der Metro. Ein Vorteil dieser Partnerschaft: „Wenn mal was fehlt, können wir immer sagen: ’Mach nochmal die Pfanne heiß!’“ Die Rheinbahn stellt außerdem für Ausflüge einen Bus zur Verfügung. So können Fahrten in den Aquazoo oder den Krefelder Zoo realisiert werden.
Novacek ist mit den Vor- und Nachbereitungen sowie der Ferienaktion selbst das ganze Jahr beschäftigt, in der nächsten Woche wird der bärtige Fußballlehrer von morgens um sieben bis abends um elf arbeiten. „Das ist absolut mein Baby“, schwärmt er.
Im Juli wurde Novacek für den deutschen Engagement-Preis nominiert. Er hat als „Vater“ der Aktion bereits viele Preise entgegen genommen, aber das hat ihn stark beeindruckt. „So eine Nominierung erfährt nicht jeder, das ist schon was“, freut er sich und brummt gleich bescheiden hinterher: „Mir ist bei so etwas mulmig zu Mute, denn ich stehe da alleine im Rampenlicht. Alleine kann man das aber nicht schaffen. Das ist eher ein Preis für alle, die mitgewirkt haben.“
Einmal hat Manfred Novacek kurz überlegt, ob er aufhören soll, dachte, es könne gar nicht mehr besser laufen. „Das geht nicht“, beschloss er dann. Jetzt peilt er das zehnjährige Jubiläum an und hat noch viele Ideen auf Lager. Für Kinder mit einer Leseschwäche etwa kann er sich eine Kombination aus Lernen und Fußball zur Auflockerung vorstellen. Sein Baby, es wächst und es verändert sich.
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