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Kekskrümmel im Ratssaal

22.03.2010 | 20:00 Uhr
Kekskrümmel im Ratssaal

Monheim. Sie sind jung und engagieren sich in der Kommunalpolitik. Die NRZ fragte vier Peto-Politiker: Wie ist es im Rat der Stadt zu sitzen?

Montagabend, 18 Uhr, Rathaus Monheim: Eine Stunde haben Lucas Risse (19), zweiter stellvertretender Bürgermeister, Janne Oberdieck (21), Vorstandsvorsitzende, Max Riedel (19), Ratsherr, und Andreas Piana (21), der nach dem Sommer in den Rat nachrücken wird, Zeit für das Interview. Um 19 Uhr beginnt die Fraktionssitzung. Während sie geduldig Fragen beantworten, kümmert sich Bürgermeister Daniel Zimmermann, der einzige hauptamtliche Peto-Politiker, um den Abwasch im Fraktionsbüro. Ordnung muss sein.

Aufregung beim ersten Mal

Von wegen Politikverdrossenheit und Null-Bock-Generation: Im Rat der Stadt Monheim ist spätestens seit der letzten Kommunalwahl der Altersdurchschnitt deutlich gesunken. Zwölf Sitze holte die Peto, deren Mitglieder alle unter 30 Jahre alt sind. Die NRZ wollte von vier jungen Politikern wissen, wie es ist, im Rat der Stadt zu sitzen.

„Für uns ist es ganz normal im Rat zu sitzen“, erklärt Risse. Obwohl das erste Mal schon komisch und aufregend gewesen sei. „Aber ich saß nicht da,  hab gezittert und traute mich  nichts zu sagen“, meint der 19-Jährige. „Man sitzt ja nicht alleine da. Wir helfen uns gegenseitig“, ergänzt Riedel. Alle Themen im Rat würden vorher ausgiebig in der Fraktionssitzung besprochen.

Und was sagen ihre Eltern dazu, dass sie über die Geschicke der Stadt entscheiden? „Bei meiner ersten Ratssitzung waren meine Eltern dabei“, erzählt Oberdieck, die in Wuppertal Bauingenieurwesen studiert. Manchmal könne es nervig sein, wenn man nach der Sitzung nach Hause komme und erst mal erzählen müsse, worüber man gerade entschieden habe.

Bis zu fünf Stunden kann eine Ratssitzung dauern, gerade wenn es um den Haushalt geht. Hinzu kommen in schwierigen Fällen drei bis vier Stunden Vorbereitung:  Beschlussvorlagen lesen, mit Fraktionskollegen sprechen.

„Fraktionszwang gibt es bei uns nicht. Wir versuchen zwar eine einheitliche Meinung zu erreichen, aber wir zwingen niemanden“, sagt Oberdieck und nimmt einen Schluck Tee aus der Tasse. So gäbe es zum Beispiel ein Peto-Mitglied, das regelmäßig gegen den verkaufsoffenen Sonntag stimme, weil es streng katholisch ist. „Das akzeptieren wir“, stellt die Vorstandsfrau fest.

Unbedingt mit in eine Ratssitzung müssen Kekse, findet Oberdieck. „Die Politiker der anderen Parteien haben auch Gummibärchen oder ähnliches mit. Und es ist ja nicht so, als ob wir Selbstgekochtes von Mama auspacken“, lacht sie. Aber Panini-Bildchen tauschen, wie einst im Landtag, kommt für die Peto-Politiker nicht in Frage. „Wir müssen schon aufpassen, immerhin werden wichtige Entscheidungen getroffen“, sagt Riedel.

So eine Ratssitzung kann dauern: „Vor allem wenn  jeder Politiker noch mal betont: ‘Das meiste ist ja schon gesagt, aber ich finde es auch schön’. Das passiert meistens, wenn die Presse oder viele Bürger anwesend sind“, sagt Risse. Aber so richtige Nervensägen gäbe es nicht im Rat.

„Mittlerweile werden wir auch ernst genommen von den anderen Parteien. Das war am Anfang, als wir 1999 erstmals in den Rat einzogen, nicht so“, wissen die vier. Und wie ist es, wenn ältere Politiker im Rat über Themen sprechen, die Jugendliche betreffen.  „Da wettert keiner über die Jugend. Und wenn die Älteren was vergessen, sind wir ja da“, scherzt Risse, um dann wieder ernst fortzufahren: „Wir Jungen entscheiden ja auch über Themen, die Senioren betreffen. Vielleicht haben wir auch einen anderen Blickwinkel als Politiker, die schon zehn, 15 Jahre im Rat sitzen.“ Es ist 19 Uhr, die Fraktionssitzung beginnt.

Pirkko Gohlke

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