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Streit um Gesamtschulen

Keine Schulreform im Wahlkampf!

08.12.2009 | 22:57 Uhr

Düsseldorf. Der Streit um die Gesamtschulen geht weiter. Schulausschuss-Vorsitzender Wolfgang Scheffler empfiehlt eine Pause - bis nach der Landtagswahl!

„Schnellschüsse bringen nichts.” Mit dieser Kritik will der Vorsitzende des städtischen Schulausschusses, der Grüne Wolfgang Scheffler, die Mehrheitsfraktionen von CDU und FDP von ihrer Anti-Gesamtschul-Politik abbringen. Er hält es für nicht verantwortbar, vier Eingangsklassen an den Gesamtschulen zu streichen, „wenn gleichzeitig 200 plus X Eltern vor der Tür stehen”. Scheffler schlägt vor, im nächsten Jahr unter leitung des neuen Bildungsbüros „eine moderierte Diskussion über zukunftsfähige Schulformen in Düsseldorf zu führen - dann haben wir ein Jahr Zeit”.

Wie gestern berichtet, hat die Absicht von CDU und FDP, die Heinrich-Heine- und die Dieter-Forte-Gesamtschule von sechs auf vier Parallelklassen herabzustufen, zu erheblichen Protesten von Schulleitern und Eltern geführt. Denn die Gesamtschulen sind seit Jahrzehnten chronisch überlaufen; sie werden politisch - gegen den Elternwillen - eingeschränkt.

Die Verwaltung hat sich zu den politischen Forderungen, diese Situation weiter zu verschärfen, noch nicht festgelegt. Schulpolitiker Scheffler weist darauf hin, dass die Entscheidung rechtzeitig vor dem Anmeldeverfahren am 1. Februar getroffen sein muss. Er glaubt nicht, dass die Schulaufsicht der Bezirksregierung dem konservativen Düsseldorfer Begehren folgt: „Sie wird mit großen Wahrscheinlichkeit der Verringerung der Gesamtschulklassen nicht stattgeben”, sagt der Grüne, selbst Lehrer, voraus.

Die Leiterin der Dieter-Forte-Gesamtschule, Margret Rössler, hatte auf einen weiteren Widerspruch hingewiesen: In Zeiten des Turbo-Abiturs (G8) dem unterschiedlichen Leistungsvermögen der Kinder mit einer Verknappung der Bildungswege zu begegnen, sei unverantwortlich. „Es muss immer mehrere Wege zum Abitur geben”, so Rössler.

Scheffler sieht in dem ideologiebefrachteten Konflikt Unterschiede innerhalb der Parteien zwischen Stadtrat und Landtag, zwischen Großstadt und ländlichen Regionen, wo der Zwang zum Handeln bei sinkenden Schülerzahlen viel größer ist: „Auf dem Land sind die viel weiter.”

Allerdings steht der Landtagswahlkampf mit dem besonderen Schlachtfeld Bildung bevor. Auch von daher ist Scheffler überzeugt, dass die Düsseldorfer Entscheidungen besser nach der Wahl im Mai zu treffen wären: „Wir müssen in eine Gesamtdiskussion einsteigen, die auch Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien betrifft. Das sollte unabhängig von Wahlkreisen geschehen.”

Es müsse auch eine Qualitäts-Diskussion werden, dabei steht für ihn durchaus auch die Sechszügigkeit zu groß geratener Gesamtschulen auf dem Prüfstand. Aber das Angebot müsse mindestens gehalten werden. SPD und Grüne wollen im Stadtrat die fünfte Gesamtschule für Düsseldorf (in bereits vorhandenen Gebäuden) beantragen.

Dieter Schneider

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Kommentare
09.12.2009
11:59
Keine Schulreform im Wahlkampf!
von Feechen62 | #2

Die Idee, erst einmal wieder Ruhe einkehren zu lassen, finde ich gut.
Die Gemüter sind so erhitzt, dass ich befürchte, dass es nur noch um Wählerstimmen geht. Die Qualität des Unterrichtes für jedes Kind ist das WICHTIGSTE! Bitte vergessen Sie das nicht.
An sonsten frage ich mich, ist jede Schule nur noch auf das eigene Überleben konzentriert? Die Gesamtschule hat doch die besten Voraussetzungen, an ihr zu sehen, was das Projekt Schule für alle in der Praxis bringt....... die Zahlen sprechen doch Bände !!!!! Wann lernen denn die Politiker endlich, dass die Kinder eben doch nicht alle gleich sind und deshalb auch nicht gleich zu behandeln sind? Die Durchlässigkeit gab es im mehrgliedrigen Schulsystem schon, als ich zur Schule ging. (Ich bin 1962 geboren.) Ich verstehe die verborten Diskussionen nicht! Der jeweilige Schulabschluss früher galt noch etwas! Heute wird doch alles nur kaputt geredet! Ist wirklich die individuelle Förderung noch das, was angestrebt wird? Das Dilemma geht nämlich noch weiter. Davon steht in dem Artikel nichts. Aber das solte in die Überlegungen mit einfließen. Denn eigentlich müssten die Leiter/innen der Gesamtschulen froh sein, wenn weniger Schüler/innen an der Schule sind. Sie werden kleine Klassen brauchen, wenn die ersten behinderten Kinder (KB,GB,LB,SQ usw.) und die Kinder mit „emotional-sozialer Beeinträchtigung“ kommen werden. So ohne Konzept wird das bestimmt spannend.
Um es ironisch zu sagen: Ein „zieldifferenter Unterricht“ im GU mit der Aussage „Es ist nicht immer Ziel, lesen und schreiben zu lernen“ käme diesem Chaos ja entgegen und man hätte immer noch der UN-Konvention für behinderte Menschen entsprochen. Gute Ausrede, oder?
Ich hoffe nur, dass das nicht wahr werden wird! Wir sprechen schließlich immer noch von Schulen, der Ort, wo Bildung vermittelt werden soll! Ein hohler GU nützt niemandem etwas! Bitte beziehen Sie das in Ihre Überlegungen mit ein!!!!

Außerdem, man sollte der Landespolitik auch mal dankbar sein. Warum? Sie kümmerte sich um die Förder- und Hauptschüler/innen. Die Unterrichtsinhalte und die Vorbereitungen zu einer erfolgreichen beruflichen Ausbildung sind viel besser geworden. Die Zusammenarbeit mit dem Handwerk und dem Handel ist gut ausgebaut worden und steigert sich noch. Die zukünftigen Lehrherren wissen das auch und handeln schon danach! Die Wahrscheinlichkeit, lebenslange Sozialhilfeempfänger groß gezogen zu haben, ist geringer geworden!
Die einzigen, die es noch begreifen müssen, sind die Eltern. Ein guter Name muss nicht zwangsläufig auch ein gutes Konzept beinhalten! Aber Eltern haben mit sogenannten Stigmas schon immer Probleme gehabt.
Da die Privatschulen jetzt schon regen Zulauf verbuchen, wird die Schere von arm und reich noch größer werden. Das wird dann auch die Schule für alle nicht zu verhindern wissen.

09.12.2009
10:17
Keine Schulreform im Wahlkampf!
von Cappucino | #1

Man koennte natuerlich den Eindruck gewinnen, es ginge darum die Duesseldorfer Hauptschulen vor dem Mai 2010 noch einmal zu staerken, um ggf. in den Koalitionsverhandlungen fuer Jamaika (nach Wahlumfragen und Kompatibilitaetsueberlegeungen das Wahrscheinlichste) einen hoeheren Preis fuer die dann kommende Zweigliedrigkeit (wie in Hamburg und im Saarland) heraushandeln zu koennen.

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