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Kämpferin mit Herz und Mut

08.06.2010 | 18:59 Uhr
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Düsseldorf. Ohne sie hätten die „Düsseldorfer Weiter“ vermutlich nie das Licht der Welt erblickt: Ruth Willigalla, Gründerin und 22 Jahre lang Vorsitzende dieses munteren Vereins für Frauen.

Heute ist sie Ehrenvorsitzende und sprüht derart   vor Energie, dass man ihr glatt weitere Initiativen zutraut. Am Freitag wird sie – man will es kaum glauben – 80 Jahre alt. Sie hat einen Namen als Publizistin, ist engagierte Gewerkschaftlerin und unbequeme Politikerin, begnadete Rednerin und mutige Kämpferin für die gerechte Sache. Und eine private Seite hat sie natürlich auch: Zwei Söhne und zwei Enkelinnen gehören zur Familie.

Im Arbeiterviertel an der Gerresheimer Glashütte wuchs sie auf und erlebte Zeitgeschichte, die geprägt hat: Naziherrschaft, Krieg, Schwarzmarkt-Geschäfte und britische Besatzung. Die Nationalhymne kann sie bis heute nicht singen, „weil ich immer die hoch gestreckten Hände der Nazis vor Augen habe“.

Sie weiß, wie wichtig das Erinnern ist. Deshalb hat sie Erlebtes und Erlittenes schreibend festgehalten in dem Buch „Gerresheim in der NS-Zeit“. Was sie gelernt hat aus dieser Epoche? „Das Wichtigste für mich ist, gerecht zu leben. Über 500 Kriege hat es seitdem in der Welt gegeben. Wir dürfen nicht aufhören, wachsam zu sein für alles Radikale.“

Noch immer ist sie „von Herzen Gerresheimerin“, längst aber auch „bewusste Garatherin“. Dort lebt sie seit 45 Jahren. „Wir kannten uns damals alle nicht“, beschreibt sie die Aufbruchstimmung in dem neuen südlichen Wohnstadtteil. Ruth Willigalla schuf Kontakte, kümmerte sich, demonstrierte, wenn es sein musste („es musste oft sein“) und nagelte als erstes eine Zigarrenkiste als „Meckerkasten“ an einen Baum: Die Leute sollten sich wohl fühlen in ihrem Viertel, das auf dem Reißbrett entstanden war.

1978 wurde sie Initiatorin der „Weiter“ nach dem Motto: „Was die Männer können, können wir auch“. Der Verein hat heute 200 Mitglieder und vieles in der Stadt bewirkt – vom Erhalt des Uhrenturms an der Grafenberger Allee bis zur tatkräftigen Unterstützung des Stadtmuseums. „Was ich am meisten an ihr bewundere, ist ihre Geradlinigkeit“, sagt Vorsitzende Helga Hesemann über ihre Vorgängerin.

Bei besonderen Ereignissen hält Ruth Willigalla die Reden, wie kürzlich bei der Verleihung der Medici-Medaille an den Stifter und Ehrenbürger Udo van Meeteren.

Bodenständig ist sie geblieben. Und eine der treuesten NRZ-Leserinnen, „denn schon meine Eltern hatten die NRZ.“ Und wovon träumt frau mit 80? „Dass meine Gerresheimer Geschichten als Hörbuch erscheinen.“ Und ihre hundert Gedichte möchte sie auch so bald wie möglich veröffentlichen.

Ursula Posny

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