Heftiger Streit um Kinderwagen-Verbot auf Rolltreppen
06.01.2010 | 06:00 Uhr 2010-01-06T06:00:00+0100
Düsseldorf. Als Reaktion auf das EU-Verbot von Kinderwagen auf neuen Rolltreppen will die Rheinbahn all ihre 95 Rolltreppen mit Verbotsschildern bekleben. Die Grünen fordern, an Stationen ohne Aufzug solle das Unternehmen Service-Personal bereitstellen, das Kinderwagen in die Bahnhöfe trägt.
Das Kinderwagen-Verbot auf Rolltreppen hat eine heftige Debatte ins Rollen gebraucht. Wie berichtet dürfen laut EU-Sicherheitsrichtlinie EN 115 seit Januar keine Kinderwagen auf neu zugelassenen Rolltreppen transportiert werden. Diese Vorschrift könnte bald auch auf ältere Fahrtreppen ausgeweitet werden.
Verbot auch für ältere Rolltreppen
Solange will Rheinbahn-Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Hartnigk nicht warten. „Wir müssen an allen Rolltreppen in den U-Bahnhöfen Verbotsschilder anbringen. Und zwar aus Haftungsgründen.” Heißt: Eltern mit Kinderwagen sollen nicht mehr auf die Fahrtreppen. So könne verhindert werden, dass der Düsseldorfer Rheinbahn bei einem Unfall der schwarze Peter zugeschoben wird.
Das Kinderwagen-Verbot auf Rolltreppen hat eine heftige Debatte ins Rollen gebraucht. Wie berichtet dürfen laut EU-Sicherheitsrichtlinie EN 115 seit Januar keine Kinderwagen auf neu zugelassenen Rolltreppen transportiert werden.
Grüne kritisieren die Stadt
Die Grünen sind entrüstet. „Die Stadt hatte sich nicht auf die neue EU-Richtlinie vorbereitet”, schimpft Ratsherr Norbert Czerwinski. Jetzt sei ein Wirrwarr entstanden. „Das geht auf Kosten der Eltern mit kleinen Kindern, denen eine massive Beeinträchtigung droht.” Es räche sich nun, dass die Stadt den barrierefreien Umbau der Bahnhöfe nur zögerlich umgesetzt habe.
Sollte die Rheinbahn alle 95 Rolltreppen für Kinderwagen sperren, dann können Eltern mit Kleinkindern die U-Bahnhöfe Nord- und Klever Straße nicht mehr aufsuchen. Dort fehlen Fahrstühle. Der Aufzug Klever Straße ist erst im Sommer fertig. Um den Standort für geplanten Lift an der Nordstraße streiten sich Anwohner und Stadt. Für den Aufzug soll an der Oberfläche die Mittelinsel der Haltestelle (Linie 701) verbreitert werden. Dafür muss die Fahrbahn der Kaiserstraße verschwenkt werden, müssen zwei Bäume gefällt und bis zu acht Parkplätze beseitigt werden. Eine Initiative läuft dagegen Sturm.
"Trauerspiel" an den S-Bahnhöfen
„Die Anwohner haben den Aufzug verzögert”, gibt Roland Hahn, Vizechef des städtischen Verkehrsmanagements zu bedenken. Der Verkehrsausschuss fordert eine Alternativplanung, um allen Seiten entgegen zu kommen. Die will das Rathaus so schnell wie möglich vorlegen. Roland Hahn: „Aber wir können auf die dritte Fahrspur auf der Kaiserstraße nicht verzichten. Das ist eine wichtige Nord-Süd-Verbindung.”
Sowohl die Stadt als auch der Rheinbahn-Aufsichtsrat erklären, dass der Aufzug dort endlich gebaut werden muss. Die Grünen gehen noch einen Schritt weiter: Solange in den beiden U-Bahnhöfen keine Alternative zur Rolltreppe vorhanden ist, muss die Rheinbahn dort Servicepersonal bereit stellen, um die Kinderwagen hoch oder runter zu tragen, fordert Fraktionsgeschäftsführerin Miriam Koch.
Noch schlimmer ist die Situation an den S-Bahnhöfen. „Ein Trauerspiel”, schimpft Czerwinski. Fast kein S-Bahn-Stopp verfügt über einen Aufzug. Zwar soll in den nächsten vier Jahren an 13 S-Bahnhöfen ein stufenfreier Zugang über Rampen oder Aufzüge ermöglicht werden. „Aber die Sanierung beginnt teilweise erst 2014 und der S-Bahnhof Völklinger Straße wurde erst gar nicht ins Programm aufgenommen.”, klagt der grüne Verkehrspolitiker. Ein weiterer Kritikpunkt: „Es darf nicht sein, dass die Reparatur eines Fahrstuhles wie am S-Bahnhof Bilk mehrere Wochen dauert. Dafür haben wir keine Zuschüsse gezahlt.”
TÜV unterstützt Verbot
Trotz des Streits um fehlende Alternativen hält es Jörg Meyer, Sprecher beim TÜV Rheinland, grundsätzlich für richtig, keine Kinderwagen auf Rolltreppen zuzulassen. „Es hat schon Unfälle gegeben. Gerade wenn die Rolltreppe plötzlich gestoppt wird, kann den Eltern der Kinderwagen entgleiten.”
07:45
Aus Sicherheitsgründen wird ein der EU bald nichts mehr laufen und wie Lösungen aussehen sieht man in diesem Fall: Die Mütter müssen den Kinderwagen mit Kind die Treppe hoch tragen . . .
11:38
Es ist nur gut, das die EU-Richtlinie bis Ende Dezember in den Schubladen lagen, Und nun kommt das gejammere.
08:25
Vielleicht sollten Grüne nd Stadt mal bei der EU - Bürokratie in Brüssel anrufen: EN 115 ist keiene Richtlinie der EU - eine Richtlinie musste nämlich vom Bundestag zum deutschen Gesetzt gemacht werden. Es ist die Anpassung der Norm-Vorschrift EN 115 und damit eine Norm. Außer Buttons mit duchgestrichenen Kinderwagen und neuen Bauvorschriften hat die gar keine Folgen, es ist keine Rechtsvorschrift. Aufzüge wären aber gut.